Am 21. Oktober jährt sich zum 80. Mal eine Pioniertat: der Rekordflug eines zwölfmotorigen Flugschiffs Dornier Do X mit 169 Passagieren über dem Bodensee.
Mit der Do X schuf Claude Dornier zweifellos eines der eindrucksvollsten Flugzeuge der Luftfahrtgeschichte, das bereits am 12. Juli 1929 auf dem Bodensee zum Erstflug startete. Schon Konstruktion, der Bau und die erfolgreiche Erprobung der Do X wurden als technische Meisterleistung bewundert, wenn auch begleitet von der Skepsis vieler Fachleute. Eine Sensation wurde dann vor allem der vielbeachtete Demonstrationsflug vom 31. Januar 1931 bis zum 24. Mai 1932 durch Europa, über den Südatlantik nach Südamerika, von Rio de Janeiro bis New York und zurück über den Nordatlantik. Die Do X bewies dabei eine erstaunliche Betriebssicherheit und Leistungsfähigkeit. Auf der anschließenden Tournee durch viele deutsche Städte wurde die Do X von Hunderttausenden begeistert gefeiert. Dass dieses Flugzeug nie zu einer wirtschaftlichen Alternative für den Atlantikverkehr entwickelt werden konnte, schmälert aber seine Bedeutung als technisches Meisterwerk keineswegs. Bedingt durch eine Havarie bei der Wasserung auf der Donau bei Passau 1932 musste ein zweiter Europaflug abgebrochen werden. Das Flugschiff wurde 1935 nach Berlin als Hauptattraktion in das Verkehrsmuseum am Lehrter Bahnhof transportiert, wo es sein Ende bei alliierten Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg fand. Den Rest besorgten nach Kriegsende Schrotthändler und Souvenirjäger.
Auch nach einem erfolgreichen Beginn der Flugerprobung im Jahr 19929 wollte die Kritik an diesem ungewöhnlichen Flugapparat nicht verstummen. Es wurde vor allem bezweifelt, dass dieses Flugschiff neben seinem Eigengewicht noch eine nennenswerte Nutzlast tragen könne. So entschloss sich der Konstrukteur Claude Dornier beim 70. Erprobungsflug am 21. Oktober 1929 zu einem spektakulären Rekordflug. Neben der zehnköpfigen Besatzung gingen 169 Personen - neben den Vertretern der Presse überwiegend Werksangehörige - an Bord für den ersten Passagierflug. Im noch unverkleideten Aluminiumrumpf wurden dazu leichte Korbstühle montiert. Mit knapp 45 Tonnen Startgewicht wurde das maximale Fluggewicht der Do X noch gar nicht erreicht. Der Rundflug über den Bodensee über Bregenz, Lindau und Friedrichshafen dauerte 40 Minuten und stellte damit einen Passagierrekord dar, der erst 20 Jahre später überboten werden konnte.
Als Luftfahrtphilatelist habe ich natürlich in meiner Sammlung, welche die Geschichte des Luftverkehrs zwischen Europa und Amerika über den Atlantik umfasst, auch die Do X dokumentiert.Hier folgt ein Albumblatt zur Do X. Mit einem Teil dieser Sammlung (zur Katapultpost über Nord- und Südatlantik) habe ich bereits bei nationalen und internationalen Ausstellungen erfolgreich abgeschnitten (siehe Post vom 09. Januar 2007).
Nun hat auch die Thüringer Allgemeine vom 08. Oktober 2009 auf die Bereitstellung von Michel-Katalogen in Apoldas Stadtbibliothek hingewiesen; möglich wurde dies durch eine Schenkung des Schwaneberger-Verlages, jenes Verlages, der die Kataloge herausgibt. Damit begann zugleich inoffiziell die Ehrung Hugo Michels im Jahre 2010 - zum 100. Geburtstag des Michel-Kataloges. Weiter wird berichtet, dass an seinem "Geburtshaus" nächstes Jahr eine Gedenktafel angebracht werden soll. Das müsste dann aber in Knau an der Debra erfolgen und nicht in Apolda. Es kann sich also nur um sein Wohnhaus handeln. Ich hoffe nur, dass die Philatelisten in Weimar dieses Jubiläum nicht vergessen, denn die Kataloge wurden ja in seiner Weimarer Zeit herausgegeben.
Briefmarken-Preisbuch 1940 MINETO
In der "Thüringischen Landeszeitung" vom 03.Oktober 2009 wurde eine kleine Notiz veröffentlicht, dass dank einer großzügigen Schenkung ab sofort in der Stadtbibliothek Apoldas neue Michel-Briefmarkenkataloge und die monatlich erscheinende "Michel-Rundschau" für die Nutzer bereitgehalten werden. Da wäre es Zeit, einen Blick auf diesen Sohn Apoldas und späteren Einwohner Weimars zu werfen. Wer war Hugo Michel?
Georg Hugo Paul Michel wurde am 4. April 1866 in Knau an der Debra geboren; die Familie zog aber 1872 in das aufstrebende Städtchen Apolda. Nach Schulzeit und kaufmännischer Ausbildung gründete Hugo Michel am 4. April 1892 (seinem Geburtstag) ein Briefmarkengeschäft mit Versandhandel in Apolda, das bald so florierte, dass er den Hauptteil seinen Brüdern Heinrich, Richard und Max abgab.
Er war aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und Marktkenntnis bereits seit 1898 Mitarbeiter am "Senf-Katalog". Ihn störte dabei die Bruttopreispolitik dieses Kataloges und so entschloss er sich 1909, einen eigenen Netto-Katalog auf den Markt zu bringen; nach Abschluss aller Vorbereitungen erschien Hugo Michels "Europa-Katalog 1910". Die bisherige Preisliste "Europa gebr. ab 1890" wurde nun durch die Gebrüder Michel weitergeführt.
1913 verlegte Hugo Michel sein Geschäft nach Weimar, anfangs in der Windischenstrasse, 1917 firmierte er als "Postwertzeichenhandlung und Albumverlagsanstalt" mit Geschäftslokal in der Roonstraße 19 (der heutigen Brahmsstrasse). Als Wohnhaus kaufte er die Villa Elisabethstraße 1 (heute Helmholtzstrasse), zog aber später in die Carl-Alexander-Allee 5 (heutige Freiherr-vom-Stein-Allee), während sein Geschäft in die Hummelstrasse 2 wechselte. Hier in Weimar verwirklichte er seine eigentliche Ambition, die Schaffung eines aktuellen Briefmarkenkataloges. Dazu ging er eine Partnerschaft mit der "Schwaneberger Album Schaufuß & Stolpe GmbH" in Leipzig-Reudnitz ein und 1920 gab es den ersten "Michel Briefmarkenkatalog Band II Übersee 1920". Mit der "Michel-Mark" im Verhältnis zum Dollarkurs und zur Papiermark wurde 1923 die hohe Inflation einbezogen. Nach Ende der Inflation im Dezember 1923 erschienen die Michel-Kataloge nunmehr in Eugen Berlin´s "Verlag des Schwaneberger Album GmbH". Die 18. Ausgabe des Kataloges "Europa 1926" war die letzte von Hugo Michel redigierte Ausgabe. Der nun fast 60jährige zog sich allmählich aus dem Kataloggeschäft zurück und begann als "Auktionskaufhaus klassischer Briefmarken" eine Reihe von Versteigerungen, die erste vom 2. bis 5. Februar 1927 im Saal des Hotels "Der Fürstenhof" am Karlsplatz 2. Wegen der schlechten Zeiten gab es von 1929 bis 1931 keine weiteren Auktionen, nach 1932 schlief dieses Geschäft ein.
Im Alter von 78 Jahren starb Hugo Michel am 9. Juni 1944 und wurde in Weimar auf dem Hauptfriedhof bestattet. Sein Grab findet man in der letzten Reihe am südwestlichen Ende des Friedhofes.