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5. November 2009

Kandinsky in Jena

Vom 6. September bis 22. November 2009 präsentieren die Kunstsammlungen Jena im Stadtmuseum eine beachtenswerte Ausstellung "Punkt und Linie zur Fläche - Kandinsky am Bauhaus" mit Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafik.
Wassily Kandinsky (1866 -1944), einer der wichtigsten Vertreter der abstrakten Malerei, wurde erst 1922
durch Walter Gropius an das Bauhaus Weimar als Formmeister für Wandmalerei und Lehrer im Vorkurs berufen. In kurzer Zeit wurde er zu einem der wichtigsten und innovativsten Lehrer am Bauhaus.

Seine Kontakte zu Jenaer Bürgern, insbesondere dem Jenaer Kunstverein, pflegte Kandinsky während seiner Bauhausjahre 1922 bis 1933 (auch nach dem Weggang des Bauhauses aus Weimar) rege und intensiv; seine Werke wurden in Jena in sechs Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und teilweise für die Sammlung des Kunstvereins gesichert. Exemplarisch dargestellt wird in der Ausstellung die Beziehung zu dem Künstler und Kunsthistoriker Walter Dexel, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband.

Drei Grafiken aus der Mappe "Kleine Welten", die in der Ausstellung komplett gezeigt wird.

Für unseren Ausstellungsbesuch am 3. November mussten wir Jena zweimal anfahren, da wir die Öffnungszeiten am Donnerstag von 14.00 bis 22.00 Uhr nicht beachtet hatten. Normalerweise ist von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, nur Donnerstag nicht! Bitte beachten!

1. November 2009

Symposium zur Baukultur in Bad Langensalza

Ein zweitägiges Symposium mit ca. 80 Architekten, Historikern, Ingenieuren, Stadtplanern und Kommunalpolitikern fand Ende Oktober 2009 in Bad Langensalza statt, organisiert vom Europäischen Informations-Zentrum in der Thüringer Staatskanzlei. Unter dem Motto "90 Jahre Bauhaus - neue Herausforderungen durch die Europäische Energiepolitik" wurden die Erfordernisse des energieeffizienten und ökologischen Bauens und Sanierens in der Stadtgestaltung und an Beispielen historischer Altstadtkerne diskutiert. Bad Langensalza ist ein Beispiel gelungener Altstadtsanierung bei Einbeziehung des modernen Bauens. Wesentlichen Antel am Erfolg trägt dabei der Bürgermeister Bernhard Schönau, der (seit 1994 im Amt) die Stadtentwicklung mit bestimmt.

Nun kann man Städte wie Bad Langensalza und Speyer sicher nicht ohne weiteres miteinander vergleichen; aber den Einfluss von Bürgermeistern auf die Entwicklung ihrer Städte sehr wohl. Nach einem in der FAZ vom 28.Oktober 2009 veröffentlichtem Artikel hat der 2010 scheidende Oberbürgermeister Speyers, Werner Schineller, als Abschiedsgeschenk die Rheinpromenade der Stadt als Filetstück von 12 Hektar an drei Investoren verkauft - die Projektgesellschaft der LBBW Stuttgart Rhein-Neckar Wohnwerte, R & N Kurpfalz Immobilien Speyer und die Steber Wohnbau GmbH Speyer, welche dieses Gelände mit einer "exclusiven" Wohnbebauung vermarkten; Teile davon stehen bereits und verdecken mit ihrer nichtssagenden und banalen Architektur den Blick auf den Dom, der seit 1981 zum UNESCO-Welt-Kulturerbe zählt. Sogar ein ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet hat der städtische Bau- und Planungsausschuss - einer der Investoren ist dessen Mitglied - außer Kraft gestzt, um die Bebauung eines 37.000 m² großen Geländes vierhundert Meter längs des Rheins mit sechsgeschossigen Punkthäusern als "Neue Heimat für Manager und Rentner" zu ermöglichen.

Foto: Archiv Striffler aus FAZ

Soweit über den unheilvollen Einfluss von Bürgermeistern/Oberbürgermeistern auf die Stadtentwicklung, wenn wirtschaftliche Interessen dominieren und kein bürgerschaftliches Gegengewicht besteht. Wir benötigen echte Bürgerlichkeit, die es mit der Dummheit und Unverfrorenheit der Macht aufnimmt.

19. September 2009

Feininger und das Bauhaus


Vom 13.September bis 20. Dezember gibt es wieder einmal eine interessante Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde: Feininger und das Bauhaus Weimar-Dessau-New York. Gezeigt werden 130 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte aus internationalen Sammlungen, wie dem Museum of Modern Art und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York und der Phillips Collection in Washington D.C. Mit der Ausstellung soll zum ersten Mal die wichtige Phase der Bauhauszeit im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit Feiningers Werk stehen.
Gestern besuchten S. und ich die Ausstellung und waren von der Qualität der Arbeiten überrascht. Besonders die kompletten Mappenwerke hatten es mir angetan:

1920 - Zwölf Holzschnitte von Lyonel Feiniger (erste grafische Edition des Staatlichen Bauhauses in Weimar),
1926 - Zehn Holzschnitte von Lyonel Feininger (Edition des Euphorion Verlag Berlin)
1941 - Ten woodcuts by Lyonel Feininger (herausgegeben von Curt Valentin, Buchholz Gallery in New York anläßlich seiner Rückkehr in die USA).

Es gibt einen sehr guten und informativen Katalog, herausgegeben von Andrea Fromm - alle ausgestellten Werke sind reproduziert. Aus meinen Beständen kann ich zur Illustration des Posts nur eine Karte zur Bauhausaustellung Juli - Oktober 1923 (Sammlung Baldur Gottschalk) - Katalog Nr. 60 - Stadt - Bauhauskarte Nr. 1 - bieten.

Im übrigen gab es 2007 im Pommerschen Landesmuseum Greifswald die Ausstellung "Lyonel Feininger - vom Sujet zum Bild", die sich der Arbeitsweise Feingers widmete, der in Serien von Zeichnungen (Naturnotizen), Holzschnitten, Radierungen und Gemälden seine Bildkonstruktionen entwickelte. In elf Motivserien von Landschaften und Architekturen, deren Sujets er in Mecklenburg und Vorpommern fand, konnte man den spannenden Prozess der Bildfindung miterleben.

22. Oktober 2007

Großherzogliche Bibliothek, Landesbibliothek, Zentralbibliothek der Deutschen Klassik,Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Foto: Peter Rost

In diesen Tagen wird in allen Medien über die Wiedereröffnung der Anna Amalia Bibliothek in Weimar nach Brand und Sanierung berichtet; die Fernsehübertragungswagen sind aufgefahren und auf der Wiese vor Schloss und Bibliothek wartet ein großes Zelt auf die Ehrengäste.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, an einen Mann zu erinnern, dessen Leben unmittelbar mit dieser Bibliothek aufs Engste verflochten ist, der aber dennoch in der Geschichte des Hauses nur am Rande erwähnt wird, obwohl er sein ganzes berufliches Leben zwischen den Büchern und Bildern der Bibliothek verbrachte:

(Foto: Archiv Rost)

Am 1. Dezember 1905 trat Dr. Paul Ortlepp nach Beendigung seiner Studienzeit bei der damaligen Großherzoglichen Bibliothek als Volontär ein. Er hatte Kunstgeschichte, Philologie und Philosophie in Jena, Heidelberg und Berlin studiert und promovierte 1906 in Jena mit einer Arbeit über Sir Joshua Reynolds zur Geschichte der Ästhetik des 18. Jahrhunderts. 1907 wurde er zum Bibliothekar ernannt und wirkte unter den Direktoren Paul v. Bojanowski und Werner Deetjen. Bedeutsame Leistungen waren 1911 der Katalog der Kaiserin-Augusta-Ausstellung sowie Arbeiten über Schillers Privatbibliothek und Schiller als Nutzer der Großherzoglichen Bibliothek.


Die Rassenpolitik des III. Reiches machte auch vor Familie Ortlepp nicht halt: In einem Schreiben des Reichsstatthalters in Thüringen an den Thüringer Ministerpräsidenten vom 22. Juni 1937 empfiehlt ein Dr. Oberländer, den Bibliotheksrat Dr. Paul Ortlepp nicht in seiner Stelle zu belassen, "Anlass dazu ist eine ungünstige politische Beurteilung über Ortlepp." Auch Denunziationen von Nachbarn werden erwähnt, die Ehefrau ist Jüdin. Im Zuge des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" wird Paul Ortlepp zum 31. Dezember 1937 in den Ruhestand versetzt, da er die Trennung von seiner jüdischen Ehefrau verweigert. 1943 wird Lucy Ortlepp in Auschwitz ermordet.

1945 wurde Dr. Paul Ortlepp rehabilitiert und von Hermann Brill am 12. Mai 1945 zum Direktor der Landesbibliothek ernannt. Seine Pläne zur Entwicklung der Bibliothek konnte er nicht mehr umsetzen; am 24. Juli 1945 starb er frisch operiert an den Folgen der Räumung des Sophien-Krankenhauses durch die Rote Armee. In seinem Beitrag "Die Thüringische Landesbibliothek 1919 - 1968" ("Herzogin Anna Amalia Bibliothek - Kulturgeschichte einer Sammlung" 1999 Stiftung Weimarer Klassik) schildert Roland Bärwinkel, wie Ortlepp das in Kisten und Körben verpackte Hab und Gut einer Jüdin, Susanne Türk, die im Oktober 1933 aus Deutschland fliehen mußte, in der Bibliothek neben der Habe Maria Pawlownas unterbrachte und so über die Nazizeit rettete.

Arbeitsplatz in der Bibliothek (Foto: Archiv Rost)

Wenn am 24. Oktober 2007 die Wiederauferstehung der (nunmehr) "Herzogin Anna Amalia Bibliothek" gefeiert wird, soll dieses Schicksal stellvertetend an die wechselvolle Geschichte des Hauses und seiner kostbaren Bücher erinnern.

Das Wohnhaus der Familie Ortlepp 1927 in Weimar - damals auch ein Stein des Anstosses. Heute wohnen wir darin. Aber das ist bereits eine andere Geschichte. (Foto: Archiv Rost)

15. Februar 2007

Ein Nachtrag zur Ausstellung Margaretha Reichardt

Die Werkstatt 1994

Am 03. Februar 2007, 11.00 Uhr begann die Vernissage im Kellergewölbe der Stadtbücherei Weimar. Die ausgestellten Werke stammen aus allen Schaffensperioden, überwiegend Gobelins. Besonders reizvoll die abstrakten Motive und geometrischen Formen. Kurze Reden würdigten die Künstlerin zu ihrem 100. Geburtstag (tatsächlich geboren am 06. März 1907 in Erfurt, gestorben am 25. Mai 1984 in Erfurt-Bischleben). Unter den Teilnehmern der Vernissage waren auch ehemalige Schülerinnen der Meisterin, deren Erinnerungen an die Arbeit und das Zusammenleben in der Weberei in Erfurt-Bischleben zeigten, wie Margaretha Reichardt den Lehrlingen und Gesellen die in den Jahren am Bauhaus und darüberhinaus erworbene und erfahrene geistig-kulturelle Bildung vermittelte.

Im Anschluss konnten noch in den oberen Räumen der Bibliothek zwischen den Buchregalen ausgestellte Bilder des Malers Harry Schmidt-Schaller (1913 - 1988) besichtigt werden.
Das Wohnhaus und die Weberei in Erfurt-Bischleben wollen wir im Frühjahr 2007 bei besserem Wetter als dem gegenwärtigen besuchen.

29. Januar 2007

Feininger in Chemnitz

Lyonel Feininger: Villa am Strande 1920


Noch bis 25. März 2007 kann man in den Kunstsammlungen Chemnitz eine umfangreiche Ausstellung mit Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafik des Bauhauskünstlers Lyonel Feininger besichtigen. Die 298 Ausstellungsobjekte, darunter Aquarelle, Holzschnitte, Lithografien, Radierungen, Zeichnungen, Briefe und ein von Feininger bearbeiteter Holzblock stammen aus einer der weltweit größten Privatsammlungen des grafischen Werkes von Lyonel Feininger. Der 1996 gestorbene Architekt und Sammler Harald Loebermann trug in über 30 Jahren je ein Drittel der von Feininger geschaffenen Radierungen und Lithografien und zwei Drittel seines Holzschnitt-OEvres zusammen. Die Kunstsammlungen Chemnitz sind bestrebt, die Sammlung zu erwerben und suchen nach Sponsoren für den Ankauf. Der rührigen Museumsdirektorin Ingrid Mössinger ist es damit wiederum gelungen, einen Glanzpunkt im Ausstellungskalender der Stadt Chemnitz zu setzen. Am 18. Februar 2007 findet mit dem Michael Schulz Trio, Dresden ein abendliches Konzert vor den Bildern statt.

Es gibt ein opulentes Katalogbuch mit 296 Seiten und 310 vierfarbigen Abbildungen (25,- Euro), herausgegeben von Ingrid Mössinger und Kerstin Drechsel.

Übrigens wurden aus der Sammlung Harald Loebermann bereits 1998/1999 insgesamt 170 Blätter Grafiken von Max Ernst aus dem Zeitraum 1936 - 1976 in den Kunstsammlungen Chemnitz gezeigt.

28. Januar 2007

100. Geburtstag Margaretha Reichardt

Margaretha Reichardt
Bodenteppich 1929 nachgewebt


Am 3. Februar 2007 wird im Kellergewölbe der Stadtbücherei Weimar aus Anlass des 100. Geburtstages der Bauhaus-Weberin Margaretha Reichardt eine Ausstellung mit Gobelins aus ihrem Nachlass eröffnet. Nach einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Erfurt bewarb sie sich 1926 am Bauhaus in Dessau und schloss das Studium als Handwebmeisterin 1929 ab, blieb jedoch bis 1931 als freie Mitarbeiterin am Bauhaus. Nach Verlassen des Bauhauses arbeitete sie in einer Handweberei in Holland, ging aber letztendlich wieder nach Erfurt zurück. Hier lebte und arbeitete sie bis zu ihem Tode 1984.

"Das Bauhaus ist eine künstlerische Herausforderung an den ganzen Menschen gewesen. Das harmonische Zusammenwirken aller Künste ... wurde zu meinem Lebensprinzip."


Margaretha Reichardt war eine der bedeutendsten Weberinnen, die aus dem Bauhaus hervorgegangen sind. Bereits im April/Mai 1977 wurden in einer Ausstellung der Kunstsammlungen Weimar ihre Arbeiten in der Kunsthalle am Theaterplatz gezeigt. Ein 1980 als Auftragswerk für das Deutsche Nationaltheater Weimar gestalteter Gobelin "Der faustische Mensch" schmückt heute das Trauzimmer des Weimarer Rathauses.