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22. April 2010

Konzert der Weimar-Big-Band im Kasseturm am 18. April 2010

Heute gibt es ein Novum im Blog "Post aus Weimar": Da ich aus gesundheitlichen Gründen das Konzert der Weimar-Big-Band am 18. April nicht besuchen konnte, habe ich Widolf Kreyer um einen Gastbeitrag gebeten, und hier ist er (Text und Fotos Widolf Kreyer):

Matthias Bätzel an der Hammond-Orgel

Die fast regelmäßig monatlich an einem Sonntagabend ab 20:30 Uhr stattfindenden Konzerte der Weimar-Big-Band im Weimarer Kasseturm kann man inzwischen ohne Übertreibung legendär nennen.
Von den begeisterten und das Publikum begeisternden Musikern um den spiritus rector Matthias "Matze" Eichhorn wird absolute musikantische und swingende Qualität geboten!

Matthias Eichhorn am Baß

Dabei bereitet sich die Band quasi unmittelbar vor dem Konzert - am jeweiligen Sonntagnachmittag - auf das abendliche Konzert vor, wobei einige Mitglieder unter anderem aus Leipzig, Dresden, Eisenach und Halle anreisen. Die Besetzung ist von gelegentlichen Umbesetzungen und Aushilfen abgesehen weitgehend stabil.

Für mich war jedes Konzert ein echtes Erlebnis und musikalischer Höhepunkt! Was allerdings zum letzten Konzert am 18. April geboten wurde, hat alles bisher gehörte übertroffen; das ganze hatte eine neue, bislang unbekannte Seite: offener, moderner. Matthias Bätzel, der sonst regelmäßig das Piano in dieser Band spielt, trat mit Hammond-Orgel und phantastischen Chorussen an, wow!

Darüber hinaus zeichneten sich als Solisten besonders Antonio Lucaciu (as), Michael Arnold und Nils Alf (ts), Oliver Witzel (tb), Christoph Bernewitz (git) und Matthias Eichhorn (b) aus.

Auf keinen Fall darf der "drummer" Jan Roth unerwähnt bleiben, der immer einen traumhaften "groove"liefert und damit die Band hervorragend antreibt.

Widolf Kreyer, Weimar

12. April 2010

Reiner Schöne im Ilmschlößchen Oberweimar

Inzwischen scheint sich der Saal des Ilmschlößchens in Oberweimar mehr und mehr zu einem Treffpunkt ehemaliger Weimarer zu entwickeln: nachdem Bernhard Auge mit seinen Konzerten die Aufmerksamkeit der Jazz- und Swing-Enthusiasten auf diese ehemalige Turnhalle der früheren Ilmschule richtete, hat er nun auch Reiner Schöne animiert, hier am 23. April sein Programm "Songs und Stories" darzubieten. Reiner Schöne trat bereits vor zwei Jahren im Kasseturm auf, was anschließend zu einer unverhofften Begegnung mit einem anderen Urgestein des Turmes, Uli Gumpert führte (siehe meinen Blog vom 19. Dezember 2007). In dem bereits von den Bauhäuslern als Veranstaltungsort entdeckten Saal des Ilmschlößchens wünschen wir uns noch viele interessante Abende.Titel des 2004 im Pendragon-Verlag Bielefeld erschienenen Bandes mit Erinnerungen und Stories

26. Oktober 2009

Zum 3. Mal "Jazz in memoriam Anna Amalia"

Am Sonnabend, dem 24. Januar 2009 waren, wie bereits angekündigt, die Musiker des Bernhard-Auge-Trios aus Bielefeld zum wiederholten Mal in Sachen Benefiz-Auktion "Jazz in memoriam Anna Amalia" in Weimar unterwegs. Wie immer in Christine Klostermann`s "Ilmschlösschen", diesmal vor ausverkauftem Haus. Wir (S. und ich) bekamen mit Mühe und Not noch ein Plätzchen am "Katzentisch" ganz vorn. Dafür fand sich ein lieber Gast ein: Birgid Holfeld, unsere legendäre Sängerin der "bs-combo" aus den 60er Jahren. Sie war nach einer Karriere in Funk und Fernsehen der DDR zuletzt im Institut für Schulmusik und Kirchenmusik der Hochschule für Musik Franz Liszt als Sprecherzieherin tätig und wir haben natürlich von alten Zeiten geplauscht, gemeinsam mit einem weiteren früheren Mitspieler, "Coli" Gentemann - Schlagzeuger - inzwischen auch Rentner, der im übrigen früher auch mit Bernhard Auge gespielt hat.

Birgid Holfeld
Das Berhard-Auge-Jazz-Trio hatte diesmal anstelle von Capo Meyer einen neuen Bassisten mit: Joachim Fitzon, der aber nicht weniger tolle Soli zeigte. Hier ist die diesjährige Besetzung:

Bandleader Bernhard Auge (p, org)Joachim Fitzon (b)Kenny Stewart (dr)Und hier die ganze Band:

Einen ganz großen Wurf tätigte Bernhard mit den Jazz-Adaptionen von vier Bach-Stücken, die beim gesamten Publikum ganz toll ankamen. Besonderen Eindruck hinterließ bei mir seine Version des "Erbarme Dich" aus der Matthäas-Passion.

Dann freuen wir uns also schon auf das Konzert 2010; dann wäre aber bei dem inzwischen entstandenen Publikumsandrang rechtzeitiges Erscheinen Voraussetzung für einen guten Platz.

12. Oktober 2009

Impression vom Zwiebelmarkt

Jedes Jahr zum Zwiebelmarkt treten auf den Bühnen der Weimarer Innenstadt Musikgruppen aller möglicher Stilrichtungen auf. Am Frauenplan vor Goethe`s Wohnhaus traf ich am Sonntag nachmittag Jürgen Postel und Helmut Pötsch ("Postel und Pötsch"), ihren Blues spielend, zwei inzwischen auch in die Jahre gekommene Musiker aus Weimar. Doch das Alter passt mehr und mehr zum Blues. Seit Anfang der 80er Jahre haben sich der Grafiker Postel und der Musiklehrer Pötsch gefunden und treten gemeinsam auf, erstmals Oktober 1981 in Dresden mit Alex und Stanley Blume.

Als es 1967 um unsere "bs-combo" in Weimar still wurde, da die Hälfte der Bandmitglieder zur NVA eingezogen wurde, habe ich gemeinsam mit unserem Tenorsaxophonisten Lothar Gläsner zur Überbrückung kurze Zeit in Helmut Pötsch`s Band "Unisono" gespielt, bis wir uns 1970 in neuer Besetzung neu gründen konnten. Nach dem Ende meiner Musikerlaufbahn 1973 blies Helmut die Posaune in einer Neubesetzung der nunmehr zeitgemäß "Gruppe BS" genannten Band und Mitte 1975 blieben nach einer weiteren Fluktuation nur noch vier Musiker dieser Gruppe übrig, die dann unter der Leitung Helmut Pötsch`s noch bis Anfang der 80er Jahre zusammenblieben. Helmut ist bekannt für seine Vielseitigkeit, er spielt Gitarre, Posaune, Piano und Orgel und singt Folk und Blues. Die zweite CD der Beiden läuft unter dem Titel "Roots" - und ein Teil der Wurzeln haben wir gemeinsam erlebt.

11. Oktober 2009

Weimarer Zwiebelmarkt

Natürlich darf ich den Weimarer Zwiebelmarkt nicht vergessen: Thüringens ältestes und grösstes Volksfest ist noch in vollem Gange, über 300.000 Besucher werden erwartet und wer hat den Markt wohl eröffnet: Natürlich "Kani" am Donnerstagabend auf der temporären Bühne der Musikerkneipe am Teichplatz."Kani" (Bernhard Kanhold) und ich kennen sich schon sehr lange; als er E-Dur und A-Dur auf der Gitarre greifen konnte, wollte er anfangs der 60er Jahre eine Band aufmachen. Ich war damals zeitweilig in der Kommission des Weimarer Kreiskabinetts für Kulturarbeit für die Einstufung der Amateurkapellen und habe mich vehement dafür eingesetzt, dass "Kani" und seine Freunde eine Spielerlaubnis bekamen. Man war der Meinung, dass man diese Jungs mangels Spielqualität noch nicht auf ein Publikum loslassen dürfe. Ich habe argumentiert: Wo sollen die Jungs denn sich entwickeln, wenn sie nicht auftreten dürfen? Und so bekamen sie eine vorläufige und befristete Spielerlaubnis und "Polyphon" war geboren. Hier zeige ich ein Foto von 1963: "Kani" im Kasseturm in seiner auch damals schon unverwechselbaren Pose, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist:


Ich kann mich noch gut an ein Konzert der " Berliner Dampferband" im Kasseturm erinnern, bei dem "Kani" erstmalig eine Stripperin im Turm auftreten liess und damit Furore machte.
2008 hat "Kani" sein 45jähriges Bühnenjubiläum im ehemaligen Reithaus zusammen mit der Weimarer Gruppe "Rest of best" und deren 20jährigem Bühnenjubiläum gefeiert.

25. September 2009

"Songs an einem Sommerabend"

In diesem Jahr haben wir uns einen langgehegten Wunsch erfüllt: seit Jahren verfolge ich im Bayerischen Fernsehen die Aufzeichnung der "Songs an einem Sommerabend", einer Veranstaltung im Freien auf der berühmten "Wiese" vor Kloster Banz in Franken, auf der bekannte und neue Liedermacher in einer beispiellosen Atmosphäre auftreten. Das besondere dabei ist die Wiese, die hier als Zuschauerraum dient - nur eine kleine Tribüne bietet regulären Platz; alle Besucher liegen oder sitzen auf Decken oder wetterfesten Planen auf einem großen Wiesenhang - gegenüber die großartige Kulisse von Kloster Banz und dazwischen die Bühne als Spielplatz für anspruchsvolle Unterhaltungskunst.

Rechtzeitig zu Jahresbeginn habe ich mich erfolgreich um Karten bemüht und so pilgerten wir gemeinsam mit 5000 Gleichgesinnten am Freitag, dem 3. Juli
2009 den steilen Anstieg zur Klosterwiese hinauf. Glück hatten wir mit dem Wetter, erst nach Schluss des Konzerts gegen 24.00 Uhr begannen sintflutartige Regenfälle, denen wir noch rechtzeitig ausweichen konnten.

Das Schönste bei diesen zwei Tagen sind nicht nur die Abendstimmung, wie auch immer das Wetter ist, nicht allein das Programm, sondern der unkomplizierte Kontakt der Künstler mit dem aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz, aber auch aus Südtirol, Ostfrankreich und Polen, Tschechien und Ungarn angereisten Publikum. In den letzten Jahren fast immer dabei: Konstantin Wecker und Reinhard Mey. Die Liste der seit 1987 aufgetretenen Künstler liest sich wie ein "Who is Who" der internationalen Liedermacher- und Folkszene. Besonders gefielen mir IRISH steirisch, eine Sythese von Alpenlandklängen mit irischer Folklore und der Auftritt von "Kelpie", dem Duo Kerstin Blog aus Norwegen mit Ian Melrose aus Schottland. Abschluss war ein fulminantes Finale mit Konstantin Wecker und Band.

Übrigens ist rund um die Wiese für Essen und Trinken gesorgt, selbst Einweg-Regenponchos für 1,- € stehen für alle Fälle zur Verfügung. 2010 fi
ndet das Fest der Liedermacher am 16. und 17. Juli statt; wir haben unsere Karten über die Kurverwaltung Bad Staffelstein erworben. Die Fernsehaufzeichnung wurde am 4. September 2009 von BR 3 übertragen.

Nach der Ankunft in Weimar erwartete uns am Sonnabend, 4. Juli noch die "Amerikanische Nacht" im Weimarhallenpark.

20. September 2009

Guther Emmerlich 65 Jahre

Am 18. September feierte Gunther Emmerlich seinen 65. Geburtstag. Der MDR ludt dazu am Freitag abend zu einer 90-minütigen Geburtstagsparty im Zwickauer Konzert- und Ballhaus "Neue Welt" ein. Die Sendung war für meine Verhältnisse zu sehr auf die Volksmusikkarriere Emmerlichs der letzten Jahre zugeschnitten; das verstaubte Ambiente des Zwickauer Ballhauses tat ein übriges dazu. Weit interessanter war wohl seine Geburtstagsparty im Park der eigenen Villa mit über 100 Gästen.

Zum 60. Geburtstag waren meine Frau S. und ich eingeladen, ein herrlicher Abend im Domizil von Rolf Hoppe in Dresden. Davon ein Foto mit S. unter all den Prominenten:

22. April 2009

WeimarBigBand im "mon ami"

Nach einem Jahr Big-Band-Abstinenz waren wir am Sonntag, dem 19. April im "mon ami" zur "Andreas-Max-Martin-Show" mit der WeimarBig Band. Allerdings war dieser Andreas Max Martin eine unnötige Zugabe zur wieder herrlich swingenden Big-Band-Musik, und was seine "bildschöne und charmante" Assistentin Anja Krause mit ihrem Köfferchen auf der Bühne sollte, ging mir nicht ganz auf (sie sollte lt. Monatsprogramm für den nötigen Glamour sorgen!).
Es ist immer wieder erstaunlich, wie diese Musiker um Matthias Eichhorn und Christoph Bernewitz einmal im Monat zum Konzert zusammenfinden; die herrlichen Saxophon- und Posaunensätze wechseln mit exellenten Soli ab: besonders das große Piano-Solo von Matthias Bätzel und Solis von Nils Alf (tens), Matthias Eichhorn (b) und Jan Roth (dr). Das näc
hste Konzert wird wieder im Kasseturm sein und hoffentlich ohne "Entertainer in residence".

Abschluss-Standing vor der Bühne
Foto: Peter Rost

21. Januar 2008

Weimar Big Band im Kasseturm

Gestern Abend im Kasseturm: monatliches Konzert der "Weimar Big Band". Inzwischen gibt es mehrere Big Bands in Weimar (u.a. auch die Big Band der Musikschule "Ottmar Gerster"); allerdings die beste und professionellste ist die "Weimar Big Band", ein Zusammenschluss von Musikern aus Thüringen, Leipzig und Berlin. Hauptinitiatoren sind Christoph Bernewitz (git) und Matthias Eichhorn (b). Erstmalig traten die Musiker im Juni 2006 im Kasseturm auf; gegenwärtig treffen sich die engagierten Musiker einmal im Monat immer Sonntags (da der Sonnabend durch anderweitige auch berufliche Verpflichtungen verplant ist). "Wir folgen damit dem Prinzip des Sunday Night Orchestra aus Nürnberg", so die Musiker.

Das Konzert war fantastisch, besonders gefallen haben mir Bassist Matthias Eichhorn, Matthias Bätzel am Keybord und Stanley Blume (altsax).

Die Rhythmusgruppe der Band.

Den newsletter der Band mit den Terminen kann man abonnieren über news@weimarbigband.de.

Alle Fotos: Peter Rost

19. Dezember 2007

45 Jahre Studentenklub "Kasseturm" in Weimar

Ende November flatterte die jährliche Einladung zum Kasseturm-Jubiläum in´s Haus und am 15. Dezember war es dann soweit - 45 Jahre Studentenklub Kasseturm. Der Kasseturm war gerade in den Anfangsjahren meines Studiums zweite Heimat für mich - beim Ausbau des ehemaligen HO-Kartoffellagers war ich dabei und ab Eröffnung - als Trompeter in der Oldtime Jazzband der HAB. Leider waren außer mir alle Bandmitglieder bereits im 5. Studienjahr und so war die Dixielandzeit bereits nach einem Jahr mit dem Diplom der angehenden Architekten zu Ende. Da ich aber parallel schon in der "bs-Combo" mitmischte, ging meine Amateur-Musiker-Karriere nahtlos weiter - ich brachte in die Rockband Swing und Dixieland ein.

Die Oldtimer zum HAB-Fasching, erkennbar an den selbstgemachten Hemden. Jedes Studienjahr hatte ein eigenes Motiv, deshalb habe ich als einziger ein dunkles Hemd ´(Hans Huckebein auf dem Rücken war unser Studienjahreserkennungszeichen, während die anderen Musiker aus dem 5. Studienjahr eine große Hand vorne trugen, beim Schlagzeuger erkennbar). Der Mann am Banjo war kein Architekturstudent, deshalb das weiße Hemd.
Foto: Archiv P. Rost


Ca. 1962 kam ein junger Schauspiel-Azubi zur Band, die vor der Eröffnung des Kasseturmes in der "Schütze" (Internat der HAB Schützengasse 2) probte und spielte. Sein Name: Reiner Schöne. Mit Banjo und später Gitarre verstärkte er unsere Truppe, vor allen Dingen beim sagenhaften "Archie-Fasching". Da spielten wir fünf Tage und Nächte, aber das ist ein anderes Thema. Reiners weitere Karriere ist ja bekannt. Mitte der 60er Jahre kurz vor seinem Weggang traf ich ihn noch einmal bei Filmaufnahmen im Kasseturm, wo wir als Filmkapelle spielten - später im Film war allerdings nichts von uns zu sehen.

Foto: J. Müller

Und nun zum Jubiläum gastierte Reiner Schöne am Vorabend mit Stories und Songs - am Ort, wo Anfang der 60er Jahre"positive vibes, Good Vibrations, gute Klänge und gute Kumpels" die Atmosphäre prägten. Der Liederabend war ein "Heimspiel" und natürlich war der "lange Tatte" (so sein damaliger Spitzname) auch zur eigentlichen Geburtstagsfeier anwesend; gemeinsam mit einem anderen Kasseurm-Urgestein - Uli Gumpert - gab es eine Blues-Einlage.


Foto: P.Rost

Zur KJB (Kasseturm Jazzband) muß nicht viel gesagt werden, auch Dr. Meffert aus Berlin war selbstverständlich angereist. Aber auch hier eine Erinnerung von mir: An der Trompete spielt seit einigen Jahren mein erstes Vorbild, Erhard Cotta, zuletzt Konzertmeister am Theater Altenburg, jetzt im Ruhestand. Dieser Erhard Cotta, wenige Jahre älter als ich, stammt aus Großengottern bei Mühlhausen und so trafen wir uns schon Ende der 50er Jahre bei Schulparties. Die ersten Tanzmusiknoten bekam ich von ihm, unter anderem den "Mitternachtsblues", den ich wer weiß wie oft geblasen habe. Damals trompetete ich im Posaunenchor der Mühlhäuser Georgii-Kirche und ab der 11. Klasse in der Oberschulband. So trifft man sich wieder, inzwischen sind solche Jubiläen fast so etwas wie "Klassentreffen".

Foto: P. Rost

5. November 2007

Bernhard Auge in Weimar

Vor gut 30 Jahren verließ Bernhard Auge Weimar nach Schikanen und Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht. Bis dahin gehörte er zur Jazzfamilie in Weimar und spielte viele Jahre im Hotel "Elephant".
Legendär waren die Freitagabende im Kaminzimmer bei Kerzenlicht und mit Swing, anfangs unter anderem auch mit dem "Schmitz-Trio". Vergangenen Sonnabend trafen wir uns nach über 30 Jahren wieder zur "öffentlichen Probe" im Ilmschlösschen, gemeinsam mit vielen gleichaltrigen Jazzfans. Die TLZ spricht von einem "Klassentreffen", natürlich, da ausschließlich Fans aus den 60er Jahren den bereits von den Bauhäuslern für ihre Faschingsfeiern genutzten Saal bevölkerten.

Bernhard Auge und Capo Mayer am Baß:


Ken Stewart am Schlagzeug:

Die gespielten Titel - überwiegend Evergreens aus dem klassischen Jazz-Themen-Repertoire - bewiesen wieder einmal ihre swingende Kraft und musikalische Originalität. Und man erinnert sich mit Wehmut, daß es in den 60er Jahren so viele Möglichkeiten in Bars und Tanzcafe´s gab, auch und vor allem in Weimar, um solche Musik zu hören und danach zu tanzen. Leider ist diese Kultur nicht mehr präsent; immer noch präsent aber ist diese Musik.

Solcherart "Klassentreffen" schaffen aber immer auch überraschende Begegnungen: diesmal freute ich mich auch Heini Lindauer wiederzusehen, den Mann mit der ersten elektronischen Orgel in Weimar - selbstgebaut und mit Röhren bestückt - was für ein Klang!
Hier ein Bild vom HAB-Fasching mit der
"Jansig-Combo" 1961 und Heini heute:













(Übrigens: Der Mann am Baß - im Hintergrund verdeckt - ist Bernhard Auge!)
Am Sonnabend gab es noch eine kleine Überraschung: Bernhard Auge hatte ein 1807 gedrucktes, von Großherzog Carl August genehmigtes Gesangbuch mitgebracht, das von der Ilmschlösschen-Wirtin Christine Klostermann der Herzogin Anna Amalia Bibliothek als ein "Bausteinchen" übergeben werden soll.

Alle Fotos: Peter Rost

27. Oktober 2007

Dieter Schmidt 1942 - 2007

Vor fast 50 Jahren, im November 1959, wurde an der Friedrich-Schiller-Oberschule Weimar eine Band gegründet, die nach den musikalischen und geschäftlichen Leitern b (Bennewitz) und s (Schmidt)-combo genannt wurde und die bis weit in die 70er/80er Jahre in wechselnden Besetzungen spielte (bis 1972 war ich dabei, als Trompeter, Arrangeur und zeitweilig auch Bandleader). Klaus-Jürgen Bennewitz ist schon vor Jahren verstorben, nun folgte ihm auch der andere Bandgründer Dieter Schmidt und heute trafen sich Verwandte, Freunde, Kollegen und auch ehemalige Musikanten zur Trauerfeier auf dem Hauptfriedhof in Weimar. Allein die anwesenden Musiker hätten heute mehrere Bands besetzen können. Dieter war in Weimar stadtbekannt und hatte einen großen Freundeskreis.

Die neugegründete bs-combo 1959. Dieter Schmidt am Bass, "Benno" Bennewitz am Akkordeon.

Mein Einstieg war im Jahr 1961, nachdem ich während des "praktischen Jahres" vor dem eigentlichen Architekturstudium 1960 in der "Old Time Jazz Band" der HAB Weimar bis zu deren Auflösung mitwirkte. Dieter Schmidt leitete die bs-combo auch im denkwürdigen Mai 1965, als wir beim 2. zentralen Leistungsvergleich der Amateurtanzorchester der DDR in Magdeburg einen vorderen Platz
belegten und als beste Band des damaligen Bezirks Erfurt ausgezeichnet wurden. Beim heutigen traurigen Anlass traf ich auch Artur Jansig - die "Jansig-Combo" im Klubhaus "Michael Niederkirchner" (heute "Volkshaus") und die "bs-combo" im "Ami", dem Jugendklubhaus, waren in den 60er Jahren die dominierenden und besten Bands in Weimar. Trotz Konkurrenz verband uns immer freundschaftliches Interesse und gegenseitige Anerkennung.

Vor zwei Jahren trafen sich auf Dieter´s Einladung nochmal die Gründer der bs-combo, ein Bericht darüber war in der Zeitung "Hallo Weimar zum Sonntag" vom 16. April 2005 zu lesen.

Die bs-combo 1961.
"Sterben ist nur eine Übergang aus dieser Welt in die andere, als wenn Freunde über See gehen, welche dennoch in einander fortleben. Denn Diejenigen, die im Allgegenwärtigen lieben und leben, müssen notwendig einander gegenwärtig seyn. In diesem göttlichen Spiegel sehen sie sich von Angesicht zu Angesicht und ihr Umgang ist sowohl frey als rein. Und wenn sie auch durch den Tod getrennt werden, so haben sie doch den Trost, das ihre Freundschaft und Gesellschaft ihnnen, dem besten Gefühle nach, beständig gegenwärtig bleibt, weil diese unsterblich ist."

William Penn: Früchte der Einsamkeit, Zweyte Abtheilung.
(Übersetzung von Friedrich von Schiller 1803)

Keep swinging, Dieter!

5. Oktober 2007

3. Oktober 2007

Dieser Tag sollte ein besonderer sein und ist inzwischen Alltag geworden. Dankbar erinnert man sich an die ungewöhnlich warme Oktobernacht vom 2. zum 3. Oktober 1990, als wir mit vielen Weimarern und Gästen von "drüben" Bank und Tisch in der Altstadt belegten und dem ungewissen Neuen entgegen sahen. Unser neugegründetes Architekturbüro war bereits 3 Monate alt, Arbeit war da in Hülle und Fülle und eine große Aufbruchstimmung war allerorten zu spüren. Beim Betrachten der Bilder von den offiziellen Feierlichkeiten am heutigen 3. Oktober in Schwerin überdecken die vielen zwischenzeitlichen Entwicklungen die Festtagslaune.

Ein Geschenk bekam ich aber: Am späten Abend erwischte ich eine Sendung des Bildungskanals des Bayerischen Rundfunks BR alpha (einer meiner Lieblingssender) über Jazz in der DDR. Es handelte sich um die Wiederholung einer Sendung des SWR von 1988, moderiert von Karl-Heinz Drechsel. Darunter eine Aufnahme mit der Free-Jazz-Formation "Zentralquartett" (!) mit Conny Bauer, Petrowski, Baby Sommer und - natürlich: Uli Gumpert. Uli´s musikalische Anfänge während des Studiums in Weimar fielen in meine aktive Zeit Anfang der 60er Jahre und wir haben zeitweise gemeinsam in der Oldtime Jazz Band der HAB Weimar gespielt. Unser größter Auftritt war ein Jazzkonzert gemeinsam mit einer polnischen Dixieland-Band im Saal der Verwaltungsschule vor vollem und begeistertem Haus und natürlich waren wir beim legendären Weimarer Hochschulfasching immer dabei.


Das letzte Mal haben wir uns 2004 getroffen - beim Konzert in der "Alten Mälzerei" in Eisenach im Rahmen der 11. Thüringer Jazzmeile - "Uli Gumpert´s Hammond Organ Projekt" mit Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowski war angesagt und groß war die Wiedersehensfreude. Solche Musikerfreundschaften halten oft ein Leben lang, auch wenn man sich selten sieht und die Wege irgendwann auseinandergehen.


Ein Foto aus den "wilden 60ern".

15. Juli 2007

Ungarische Nacht 2007

Kurzes Resümee:
Wunderschöner Abend mit Atmosphäre im Park, am schönsten nach Sonnenuntergang. Leider Gastronomie und "kulinarische" Versorgung nicht über DDR-Standard mit Papptellern und Plastebechern. Der herrliche Abend lud geradezu ein zum Verweilen und Flanieren auch nach Konzertende; aber die Versorgungsstände schlossen sofort und das Publikum strömte aus dem Park, offensichtlich auf der Suche nach einem gastronomischen Ausklang des schönen Abends in der Weimarer Innenstadt.

Was mich nachträglich beschäftigte, war musikalischer Art: Carl St. Clair begann den Abend, wie denn auch anders, mit Brahms Ungarischen Tänzen Nr. 1, 5 und 6. Alle drei waren für meine Belange zu langsam und ohne ungarisches Feuer dargeboten. Ich besitze zwei Schallplatten mit den Ungarischen Tänzen, eine Aufnahme mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter Kurt Masur (aufgenommen 1981 im Studio Paul-Gerhardt-Kirche in Leipzig) und eine mit dem Budapest Festival Orchestra mit Iván Fischer (Hungaroton 1985). Die ungarische Fassung ist ungleich hinreißender musiziert, nicht zuletzt durch den Einsatz einer Zimbel wird der volkstümliche Charakter unterstützt.

Brahms veröffentlichte 21 ungarische Tänze: die ersten Zehn im Jahre 1869, die zweite Serie 1880. Ihre ursprüngliche Fassung: Klavier zu vier bzw. zwei Händen. Die Tänze haben sich in mehr als 100 Jahren in zahlreichen Transkriptionen auf der ganzen Welt verbreitet, leider nicht immer zu ihrem Besten. Iván Fischer schreibt dazu:

"Um die Jahrhundertwende wurden die Ungarischen Tänze unglaublich populär, sie wurden in fast jeder bürgerlichen Familie gespielt. So ist es kein Wunder, daß von fast allen Orchestertranskriptionen gefertigt wurden. In der Hand derer, die sie instrumentierten, wurden aus den einfachen Liedern, den Klageliedern und den frischen Csárdás sinfonische Effektstücke, sie verloren ihre ursprüngliche Würze. Deshalb mußten wir viele Transkriptionen umarbeiten, daß sie uns an Brahms´ Klavierstücke erinnern sollen, mehr noch auf die volkstümliche Intonation, die dem alten Brahms so sehr gefallen hat. Zu den meissten Tänzen improvisiert die Zimbel eine `Begleitung`, deren Praxis sich seit hundert Jahren nicht geändert hat."

Im Konzert musizierte als Gast aus Ungarn auch das Carpatian Folk Quartett. Und als letzte Zugabe wurde einer der Tänze vom Beginn noch einmal gemeinsam aufgeführt - und jetzt spürte man etwas von dem mitreißenden Vortragsstil der Zigeunerkapellen. Entstanden aus den sog. "Verbunkos" (Werbungstänzen, als Begleiterscheinung der Soldatenwerbung in Ungarn um 1750) findet man in den gesungenen oder instrumentalen Tanzstücken Stileinflüsse des Islam, des Nahen Orient, des Balkan und - durch Zigeuner vermittelt - der slawischen Musik neben Elementen neuerer italienischer und Wiener Musik und der traditionellen ungarischen Volksmusik.

Wer also diese Unmittelbarkeit in der Musik liebt, sollte versuchen, diese Hungaroton Platte SLPD 12 571 von 1985 noch irgendwo zu erwerben.

Zum Konzert noch ein Nachtrag: Die Schülerin des Musikgymnasiums Belvedere, Ute Klemm, begeisterte auf der Violine bei Pablo de Sarasate: Zigeunerweisen für Violine und Orchester op. 20.

31. Mai 2007

A-Capella-Chor Zürich in Jena

Nun stimmt zwar die Reihenfolge nicht mehr, aber berichten möchte ich dennoch vom Konzert des A-Capella-Chores Zürich in der Stadtkirche St. Michael in Jena am 27. Mai 2007. Wir haben ja extra unseren Besuch im Spiegelzelt um einen Tag verschoben, um die Züricher Freunde zu hören und wieder zu treffen. Das Konzert war gut besucht, die Kirche voll und die Zuhörer begeistert. Ohne Zugaben ging es nicht und der Beifall war lang anhaltend. Auf den Gesichtern der Chormitglieder widerspiegelte sich die Freude über die herzliche Aufnahme und die tolle Atmosphäre in der Kirche. Auch beim ersten Gastkonzert war der Besuch sehr gut, wie uns der Chorleiter Piergiuseppe Snozzi berichtete.
Nach dem Konzert waren wir (S. und ich) eingeladen zu einem Essen im Hotel "Zur Noll" in der Oberlauengasse, einer historischen Schankwirtschaft, die sich zu einem Hotel mit Gastronomie entwickelt hat und eine erste Adresse in Jena geworden ist. In der restaurierten Bohlenstube kamen alle Sängerinnen und Sänger unter; das Essen war vorzüglich und die Stimmung fantastisch. Anderntags ging es mit Bahn zurück nach Zürich - 8 Stunden Fahrt mit Umsteigen.
Der Chor finanziert seine Auftritte und Reisen selbst, auf Gagen wird verzichtet und die Kollekte des Abends erhält die jeweilige Kirchgemeinde für ein soziales Projekt.

Im Konzert war der Schwerpunkt natürlich Palestrina, aber für viele Zuhörer ist der Portugiese Manuel Cardoso (1566 - 1650) noch zu entdecken, da sein umfangreiches Werk erst vor wenigen Jahrzehnten erschlossen wurde. Cardoso lebte als Mönch im musikfreundlichen Karmeliter Konvent in Lissabon, wo er auch als Organist und Chorleiter wirkte. Pierguiseppe Snozzi hat sich in den letzten Jahren sehr um die Verbreitung Cardosos verdient gemacht; in jedem Konzert werden Werke Cardosos aufgeführt.

30. Mai 2007

"Les Siciliens"

"Ich will nur noch für Augenblicke leben, in welchen ich das ganze Dasein als Melodie empfinde..."
(Emile Michel Giorau).

Das steht als Motto auf der Internet-Seite der sizilianischen Sängerin Etta Scollo, die am 27. und 28. Mai 2007 im Weimarer Spiegelzelt gastierte. Unsere ursprünglich für Pfingstsonntag bestellten Karten mussten umgetauscht werden, da wir am Sonntag das Konzert des Züricher A Capella-Chors in Jena nicht versäumen wollten (siehe gesonderten Post).

Bereits im vergangenen Jahr begeisterte die zierliche Sizilianerin mit ihrer kraftvollen Stimme das Publikum im Spiegelzelt, auch dieses Jahr war ihr neues Programm ein voller Erfolg - Beifall über Beifall und mehrere Zugaben am Ende und zuletzt nochmals das Eröffnungslied "Les Siciliens".

Etta Scollo studierte nach einem abgebrochenen Kunst- und Architekturstudium am Wiener Konservatorium und tourte anfangs mit Blues- und Jazzmusikern. Erst in den 90er Jahren kehrte sie mit ihrer Musik zu ihren sizilianischen Wurzeln zurück. Mit ihrem Projekt "Canta Ro" - einer Hommage an die populäre sizilianische Sängerin Rosa Balistreri - hatte sie internationalen Erfolg. Ihre Begleitmusiker Frank Wulff und Hinrich Dagebür zeigen ihr Können auf vielfältigen Instrumenten.


Übrigens gastiert Etta Scollo auf ihrer diesjährigen Konzerttournee am 8. September auf Schloss Hardenberg, das Weimarern kein Fremdwort ist: dort residiert unserer früherer Kulturstadtmanager Bernd Kaufmann als Generalbevollmächtigter und Geschäftsführer der 1997 durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband ins Leben gerufenen Stiftung. Wenn man das Programm auf Schloss Hardenberg verfolgt, begreift man, welcher Verlust der Weggang Kaufmanns für Weimar bedeutet.

Sitzordnung im Spiegelzelt

11. Mai 2007

A-Capella-Chor Zürich


Während unseres kurzen Aufenthalts in der Schweiz waren Esther und Piergiuseppe Snozzi aus Zürich zu Gast bei A. und P. Piergiuseppe Snozzi leitet den A-Capella-Chor Zürich, mit dem beide im Mai 2005 in Thüringen waren. Einem Konzert in der Severikirche in Erfurt folgte ein abendliches Treffen mit dem ganzen Chor und am 16. Mai vor der Heimreise eine Stadtführung in Weimar, bei der ich auch "Nebenschauplätze" zeigen konnte und damit viel Interesse weckte. Die Auftrittsorte wurden ein Jahr vorher beim ersten Besuch des Ehepaares ausgewählt und ausprobiert. Unser Kontakt mit beiden kam dadurch zustande, dass P. einige Jahre im Züricher Chor sang.


Piergiuseppe Snozzi stammt aus dem Tessin und leitete lange Jahre den von Prof. Dr. Walter Rüsch 1947 gegründeten Coro Palestrina Locarno nach dessen Tod, um die geistliche Musik des 16. und 17. Jahrhunderts zu pflegen. Inzwischen konzentriert sich "Piero" nur noch auf den A-Capella-Chor Zürich. Mittelpunkt des Chorrepertoirs bildet das Werk Palestrinas, aber auch Werke Cardosos, Viadanas, Allegris und anderer werden regelmäßig aufgeführt.

Piergiuseppe Snozzi:

"Ich bin überzeugt, dass diese meditative Musik gerade uns heutige Menschen fasziniert durch ihre schwerelose Durchsichtigkeit und ihr gleichmaßiges Strömen."

Klang und Raum und das Tempo erhalten besonderes Augenmerk in der Interpretation des Chores.
"Kritiker und Musikwissenschaftler haben zwar schon viel diskutiert, ´wie´ man Musik aufführen soll, aber noch wenig darüber, ´wo´das geschehen soll. Der Ort, wo eine Musikaufführung stattfindet, ist keineswegs unwichtig und müsste demnach einen direkten Einfluss auf das ´Wie´haben....
... Musik kann durch einen Ortswechsel an Qualität einbüssen. So entgeht uns leicht, dass ein guter Teil der ´klassischen´Musik heute in Konzertsälen aufgeführt wird, wie es sie noch gar nicht gab, als sie komponiert wurde (vor 1850). Werden nun Werke von Vivaldi oder Haydn in solchen Sälen aufgeführt, so wird die Musik dieser beiden Komponisten an Orten aufgeführt, wofür sie nicht gedacht waren. Was macht das für einen Unterschied? Je nachdem ist er beträchtlich oder nur bescheiden. Denken wir an die Resonanz, an den Hall eines Raumes. Die Präludien und Fugen des ´wohltemperierten Clavicembalos´von J. S. Bach haben eine eher rasche Akkordabfolge. Das ist so, hält Kurt Blaukopf in seinem Werk "Musik im Wandel der Gesellschaft 1982" fest, weil diese Musikstücke für ein Tasteninstrument gedacht waren, die in eher kleinen Räumen ohne Echo
aufgeführt wurden, so dass keine Gefahr bestand, dass sich die rasch folgenden Akkorde überlagerten und Missklänge erzeugten. Man kann sich also gut vorstellen, wie anders diese Stücke schon in einem mittelgroßen Saal klingen. Die Kantaten und Passionen von J. S. Bach hingegen sind für die Aufführung in einer Kirche gedacht und haben darum einen weniger dichten harmonischen Rhythmus, so dass sie sich für Räume mit etwas Nachhall besser eignen. ..." (Marcello Sorce Keller)


Tempowahl und Art der Aufführung nehmen immer Rücksicht auf die Klangverhältnisse der Kirchen, in denen der Chor auftritt. Das gewählte "Tempo" steht demnach nicht nur in Bezug auf die Komposition, sondern auch auf den Ort. Deshalb werden die akustischen Verhältnisse vor Ort geklärt und ausprobiert, ehe eine Entscheidung für oder gegen den Auftrittsort gefällt wird. Dabei sind auch Positionen von Sängern und Publikum von Bedeutung. Diese nicht neue Erkenntnis wird leider selten in die Tat umgesetzt. Die Komponisten des späten Mittelalters und der Renaissance haben ihre Messen und Motetten für bestimmte Kathedralen komponiert und dabei die Akustik dieser Räume berücksichtigt, in denen Töne erst nach einigen Sekunden verklingen. Piergiuseppe Snozzi dirigiert seinen Chor im Bewußtsein dieser Zusammenhänge.


Es wird ein Wiedersehen mit den Snozzis und dem Züricher Chor geben: zu Pfingsten 2007 in der Michaeliskirche in Jena und im Naumburger Dom. Selbstverständlich werden wir in Jena am Pfingstmontag dabei sein. Übrigens war der Auftritt 2005 überschattet von einem tragischen Unfall: Piergiuseppe stürzte in Erfurt und verletzte sich schwer, so dass er mit den Nachwirkungen noch bis Anfang 2007 zu kämpfen hatte.

4. Mai 2007

Ein "Klassischer Klezmer" in Weimar


Die Stadt am Freitag mittag zeigt ein frühsommerliches Aussehen. Die Passanten und Touristen suchen den Schatten, auf dem Marktplatz und in der Innenstadt herrscht reges Treiben. Auf dem Weg durch die Schillerstraße, unseren Prachtboulevard, der allerdings nicht mit allen Ladengeschäften hält, was er verspricht (Läden mit kurzer Verweildauer und Billigangebot), höre ich Sphärenklänge eines Marimbaphons.
Marimbaphon (lt. Wikipedia): "Die Marimba, oft auch Marimbaphon genannt, ist ein Schlaginstrument und gehört zur Familie der Xylophone mit einem bis zu 2/3 Oktaven großen Tonumfang von c2 bis g7. Im Gegensatz zu einem Vibraphon mit Metallklangstäben hat die Marimba Holzklangstäbe. Diese sind wie bei einer Klaviatur in zwei Reihen chromatisch gestimmt angeordnet. Unter jedem Holzklangstab ist zur intensiven Schallabstrahlung ein senkrecht orientiertes Metallrohr angebracht. Seine Länge ist so abgestimmt, dass die Luftsäule in seinem Inneren in Resonanz mit dem Klangstab schwingt. Da die Holzklangplatten dünner und weicher sind, klingt die Marimba dunkler und voller als ein Xylophon."


Vor Weimar´s größter Buchhandlung hat Alex Jacobowski, gebürtiger New Yorker und orthodoxer Jude, sein Instrument aufgebaut und spielt Bach und Beethoven. Seit 20 Jahren Straßenmusiker, hat er sich nach der klassischen Ausbildung an der "Ithaca School of Music" einer Karriere als Orchesterschlagzeuger entzogen und stattdessen das Marimbaphon auf der Strasse kultiviert (Die Ausbildung als Orchesterschlagzeuger in der Weimarer Musikhochschule umfasst auch die Instrumente Xylophon und Marimbaphon als klassische Schlagwerke). Seine Familie mit sechs Kindern lebt in Jerusalem; inzwischen gibt es auch ein Buch von ihm: "Ein klassischer Klezmer - Reisegeschichten eines jüdischen Musikers".

Die "Jerusalem Post" über Alex Jacobowski:
"...a splendid performer, who never allowed viruority to blanket the unique musical message."


Alle Fotos: Peter Rost

3. Mai 2007

Das "Köstritzer Spiegelzelt"


Heute ist es soweit: Das "Köstritzer Spiegelzelt" öffnet seine Tore für die diesjährige Spielzeit mit Klaus Hoffmanns Jaques-Brel-Programm. In insgesamt 35 Vorstellungen und 4 Benefiz- und Zusatzveranstaltungen wird das Zelt in Weimar bis 17. Juni mit seiner einzigartigen Atmosphäre zum Schauplatz von Musik, Theater und Kabarett.
Das "Spiegelzelt" war ein sogenannter "dans palais" aus Holland und um die Jahrhundertwende mit seiner Ausstattung aus Holz und Samt mit zahlreichen Spiegeln die Attraktion auf Jahrmärkten und Festen in Holland und Belgien. Mittlerweile wurde
es durch seinen Sponsor, die Köstritzer Schwarzbierbrauerei, zum 4. Mal für ein Kleinkunst-Festival auf dem Beethoven-Platz am Rand des Weimarer Goetheparks aufgebaut.

Voriges Jahr hatten wir Karten zum Konzert der Gruppe "The World Quintett", einer Schweizer Band, die Klezmer, Jazz und Blues unter einen (mitreißenden) Hut brachte, und dieses Jahr zu Pfingsten am 27. Mai für das Programm "Les Siciliens" mit Etta Scollo, die bereits zweimal das Weimarer Publikum verzauberte.


Wie immer hatte unser Johann Wolfgang auch zu Sizilien etwas zu sagen: "Sizilien ist das Tor zu Europa (...) hier ist der Schlüssel zu allem."

22. Februar 2007

Nostalgie im Musik-TV - öffentlich-rechtlich und privat

Die Rückschau auf die 50er bis 70er Jahre macht im Fernsehen auch vor Schlager und Popmusik nicht halt. Am Freitag, 16. Februar 2007 konnte man im Direktvergleich zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Fernsehen die unterschiedliche Vermarktungsstrategie der Sender studieren: bei RTL lief von 21.15 bis 23.00 Uhr die "ultimative Chart Show - Die erfolgreichsten Stars der 70er Jahre" in der Moderation von Oliver Geissen und der NDR zeigte als Zuschauer-Hitparade "Die schönsten Love-Songs" von 22.10 bis Mitternacht. Schon die Ankündigung im Programmheft zur RTL-Show "... T.Rex und Sweet sorgen für die passende musikalische Kulisse" sollte die interessierten Fernsehzuschauer eigentlich warnen: "Kulisse ?" Tatsächlich waren die Gruppen und ihre Musik nur Kulisse; mit ständigem nichtssagenden Hereingequatsche durch Fernsehprominenz in Einblendungen von links und rechts wurden die sowieso nur kurz angespielten Titel regelrecht zerhackt und von der Musik blieb nur "Kulisse". Da war sich auch Günther Jauch nicht zu schade, seinen 2-Sekunden-Kommentar zu liefern. Der reduzierte sich meist geistreichend und vielsagend auf Aussagen wie "Toll, wie die Jungs spielen !" oder "Dieser Titel zieht immer noch !".

Ganz anders im NDR: Die Titel wurden komplett gespielt, die Gruppe gezeigt und, um Langeweile zu vermeiden, zwischendurch Tanzpaare zur laufenden Musik "als Kulisse eingeblendet", was dem Genuss des Hörens und Sehens keine Abbruch tat. Als ehemals selbst in der Musikerszene verwurzelt will ich die Musiker in langen Einstellungen sehen und nicht ständig durch Kameraführung und Schnitt irritiert werden. Längere Einzelaufnahmen der Musiker wechselten mit der Totalen ab, da kann man die Musiker nicht nur hören, sondern auch sehen. Dazu gekonnte Einlagen - Joja Wendt, der Mann, der auch im Liegen Klavier spielt (diesmal Gershwin´s "Rhapsody in Blue" rückwärts liegend) - und Hintergrundinformationen zu den Titeln und Kurzgespräche mit den Musikern (Foodsgarden) machten die Sendung interessant. Dazu kam eine sorgfältige Auswahl der Aufnahmen: Peter Maffey mit "Sonne in der Nacht" hat mich noch nie vom Hocker gerissen, aber immerhin mit einigem Aufmerksamkeitswert die Version unplugged zu dritt - 2 Gitarren und Perkussion - immer besser als das große Video. Musiker lieben solche Aufnahmen. Und die Stones: mit "Angie" und Blümchen an den Gitarren. Lediglich Grönemeyer kann mich nicht erwärmen, seine Texte sind immer unverständlich genuschelt, er singt nicht, sondern grönemeyert nur.

Natürlich lassen die Konzeptionen der Sendungen auf ein verschiedenes Publikum schließen: RTL setzt offenbar auf ein junges Publikum, dem die Musik der 70er Jahre sowieso nichts mehr sagt und deshalb diese auch nicht mehr lange erträgt. Der schnelle Schnitt der Sendung ähnelt aber den zwischendurch eingeblendeten Werbeblöcken so sehr, dass kein Unterschied mehr zwischen Werbung und Sendebeitrag erkennbar wird. Beides geht nahtlos ineinander über - leider wird diese Form allzu oft angewandt und das private Fernsehen wird damit immer mehr zur Verkaufsschau. Man soll sich nur nichts vormachen: Dazu wurde es ja gegründet !

Meine Schlussfolgerung: Wegzappen !