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16. März 2010

175. Geburtstag Adolf von Donndorf

Heute vor vier Wochen , am 16. Februar 2010, jährte sich zum 175. Mal der Geburtstag des Weimarer Bildhauers Adolf von Donndorf. Am 16. Februar 1835 kam er in der Rittergasse 5 in der Altstadt Weimars als Sohn eines Tischlermeisters zur Welt. Seine Jugend verbrachte er im gegenüber dem ehemaligen Franziskanerkloster an der Rückseite des Wittumspalais gelegenen Wohnhaus Am Palais
Nr. 2.Foto: Peter Rost
Zwei seiner wichtigsten Werke prägen noch heute das Antlitz der Stadt: das Reiterstandbild des Großherzogs Carl August auf dem Platz der Demokratie und der Brunnen auf dem kleinen Platz Ecke Rittergasse/Geleitstraße. Sie gehören inzwischen zu den Wahrzeichen der Klassikerstadt. Während die Darstellung Carl August`s als römischer Imperator der damals üblichen Repräsentationskunst entspricht, zeigt der Brunnen an der Geleitstraße Donndorfs Freiheit der Gestaltung und Motivwahl, da er die Brunnenfigur als Geschenk der Stadt Weimar widmete. Zu diesem schönsten Weimarer Brunnen hier einige Worte zur Geschichte dieses Brunnens, dessen Figur es insgesamt viermal gibt:Im November 1876, nach seiner Übersiedlung nach Stuttgart, erhielt Donndorf den Auftrag, eine Brunnenfigur für New York zu schaffen. Auftraggeber war der Philantrop William D. James; errichtet wurde der Brunnen am Union Square und am 25. Oktober 1881 als "The James Fountain" enthüllt.

Foto: Archiv Rost
1892 schenkte der ebenfalls 1848 nach Amerika emigrierte Oswald Ottendorf (bis 1887 Herausgeber der deutschsprachigen "New Yorker Staatszeitung") seiner Heimatstadt Zwittau (heute Svitavy in der Tschech. Republik) einen Abguss der Brunnenfigurengruppe als Andenken an seine Mutter Katharina. Er wird daher "Mutterliebe" genannt. Der ursprünglich vor einer ebenfalls gestifteten Volksbücherei befindliche Brunnen wurde im Rahmen von Straßenbaumaßnahmen in einen Park verlegt.

Foto: Archiv Rost
Die zwei als Wasserspeier seitlich angebrachten Löwenköpfe wurden leider gestohlen, sollen aber mit Unterstützung der Stadt Stuttgart durch Nachguss der vom Weimarer Donndorfbrunnen abgenommenen Silikonmasken wiederhergestellt werden.
Als Donndorf 1894 erfuhr, dass in seiner Heimatstadt Weimar der sog. "Adelebrunnen" an der unteren Geleitstraße neu gestaltet werden sollte, stiftete er einen Abguss der New Yorker Brunnengruppe für diesen Brunnen zum Zeichen seiner Dankbarkeit gegenüber seiner Vaterstadt Weimar. An der Vorderseite des von Stadtbaumeister Schmidt entworfenen Brunnens trägt eine Bronzeplatte die Inschrift:
"Meiner Vaterstadt in Liebe und Dankbarkeit gewidmet."

Foto: Peter Rost
Die Bronzeplastik wurde 1995 konserviert; das den Brunnen umgebende Pflaster 1997 erneuert. Aber damit ist die Geschichte der Figurengruppe noch nicht beendet!
Nach New York, Svitavy und Weimar erhielt Stuttgart 1898 den vierten und letzten Abguss dieser Figurengruppe. Der Brunnen wurde vom Stuttgarter Stadtbaurat Emil Mayer entworfen und in blauem bayerischen Granit errichtet. Iniatoren des Brunnens waren der Stuttgarter Verleger Wilhelm Spemann unjd der Verein zur Förderung der Kunst. Namenspatronin des Brunnens ist Prinzessin Pauline, die Tochter des letzten Württemberger Königs, Wilhelm II. Die Bronzeplastik wurde allerdings im 1. Weltkrieg im Herbst 1917 eingeschmolzen. 1920 wurde an ihrer Stelle eine Granitschale angebracht, die jedoch nicht zu den Gesamtproportionen der Anlage passte. So gab es immer wieder Iniativen zur Vervollständigung der Brunnenanlage, die jedoch immer an Geldmangel scheiterten.2007 entschied die Stiftung "Stuttgarter Brünnele", den Paulinenbrunnen wieder mit der Figurengruppe Donndorfs zu bekrönen. In dieser Zeit erklärte sich die Stadt Weimar zur kooperativen Hilfeleistung bereit - der Donndorfbrunnen in Weimar sollte restauriert werden - und in diesem Zusammenhang wurde ein Silikonabdruck der Figur in Originalgröße sowie der beiden Löwenkopfspeier hergestellt. In der Fa. Strassaker in Süßen wurden die Figur gegossen und die letzten Feinarbeiten ausgeführt. Bereits im November 2007 erstrahlte der Weimarer Donndorf-Brunnen in neuem Glanz, am 4. Mai 2008 wurde die Mutterliebefigur auf dem Paulinenbrunnen in Stuttgart eingeweiht.


Foto: Archiv Rost
Der Standort des Weimarer Brunnens weist leider einen Makel auf - die gesamte Westseite des kleinen intimen Platzes mit ehemaligem Zeughaus und Landgericht wurde während der Bombardierung Weimars im Februar 1945 völlig zerstört und bisher nicht wieder aufgebaut. Lediglich entlang der Böttchergasse wurde ein Wohnblock errichtet, der das verbleibende Areal einschränkt und als möglichen Standort für das zukünftige Bauhausmuseum Weimars zusätzlich unbrauchbar macht.

Foto: Stadtmuseum Weimar
An dem verbliebenen Platz öffnen noch heute altstadtgerechte kleine Geschäfte ihre Türen:
die ehemalige Hofbuchhandlung Katarina Beckers, heute Buchhandlung "Thelemann", Buchbinder Rainer Schipke (vormals Uwe Feder), Schirmgeschäft Annelies Pennewitz mit dem kleinen Schirmmuseum im Obergeschoss und neuerdings ein Hostel. Bei Katarina Becker konnte man zu meiner Studienzeit manchmal einen Blick auf eine Klee-Radierung werfen; ein Kommilitone von mir erwarb damals drei Bauhauskarten zur Ausstellung 1920 bei ihr für je ca. 60,- M. Auch Buchbinder Feder war eine Weimarer Institution: er sammelt noch heute Karl-Mai-Ausgaben. Alle Mosaiksammler ließen hier ihre Jahrgänge binden - in rot. Er hatte ein eigenes System zum Auseinanderhalten der einzelnen Auftraggeber. So ist dieser Platz noch heute ein Stück Weimarer Geschichte.


Foto: Peter Rost
Übrigens hat Weimar durch das Unverständnis seines Landesfürsten nicht nur den Verlust der Rodin-Sammlung zu beklagen; die neuen Herren nach 1945 waren nicht besser: Donndorf hatte die Gipse fast aller seiner Werke in einem eigens dafür geschaffenen Museumsgebäude auf dem Gelände des heutigen Museums für Ur- Und Frühgeschichte aufgestellt; das Donndorf-Museum wurde am 30. Juli 1907 eingeweiht und nach 1945 zerstört.

5. Dezember 2009

"Kreativwirtschaft"

In den Post´s zur Stadtentwicklung (Hamburg, Berlin) habe ich auf ein neues Potential für Immobilienstandorte aufmerksam gemacht: die Umwandlung ehemaliger Problemquartiere in lebenswerte Stadtviertel durch die Ansiedlung von Künstlern und anderen kreativen Bewohnern ("Dekokirschen"). Das soll nun auch im Ruhrgebiet im Zusammenhang mit Iniativen zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 die Grundlage für eine Wertsteigerung der Immobilien nach dem Kulturhauptstadtjahr schaffen und durch den Zuzug kreativer Unternehmen eine neue Perspektive eröffnen.
Hans-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Metropole Ruhr: "Die Kreativwirtschaft ist eine Wachstumsbranche, das wird von vielen Menschen noch immer unterschätzt."
Nur sollten sich alle im klaren sein, vor allem die kreativen Partner, dass es sich immer um eine temporäre Nutzung handelt bis zur rentablen Endnutzung, die dann von der Kreativbranche nicht mehr finanziert werden kann. Den Nutzen hat langfristig der Immobilieneigentümer, der hohe Anfangsinvestitionen für die Vermietung spart und die Verwahrlosung von Leerstandsobjekten verhindert. Zynisch klingt dabei das Wort vom "Endzeitcharme" leerstehender ehemaliger Industrieobjekte, von dem die Kreativen ja so angezogen werden.
Was bleibt, sind die späteren vergreisten Wohngebiete mit zahlungskräftigen Pensionären, während sich die Kreativen längst andere billigere Stadtviertel suchen mussten.

20. November 2009

"Kunst als Dekokirsche"

Eine ähnliche Problematik wie in Hamburg beschreibt Niklas Maak in der FAZ vom 18. November 2009 unter dem Titel "Fort mit dem weißen Karton". Es geht um den letzten zentralen Bauplatz in Berlin am Humboldthafen, den Wowereit mit einer neuen Kunsthalle bebauen möchte, nachdem "Alexanderplatz und Potsdamer Platz mit Shoppingmalls und Kinos zugepflastert wurden, am Pariser Platz die schweigsamen Fassaden von Banken und Botschaften dominieren, am Platz der Republik Abgeordnetenbüros und Hundehaufen."

Hier einige wörtliche Ausschnitte:
"Wo zu viel offensichtlicher Kapitalismus herrscht, wird nach Kunst gerufen. So auch hier..."
"...Die eigentliche Frage lautet: Warum schon wieder eine Kunsthalle? Warum baut man wieder den gleichen öden weißen Karton? Könnte man Kunst nicht ganz anders zeigen?..."
"...Es ist in Mode gekommen, Kunsträume als wertsteigernde Dekokirsche auf kommerzielle Immobilienprojekte zu setzen; der Künstler soll dem Quartier das Aroma urbaner Widerständigkeit geben und so der Sterilität entgegenwirken, die das Projekt erst in die Stadt bringt. Es ist verständlich, dass die Künstler da streiken; dass sie sich nicht zu den Würstchen machen lassen, zu denen Wilhelm Brandt, Pressesprecher des Immobilienentwicklers VIVICO, sie erklärt, wenn er Kunst im "Tagesspiegel" als Köder bezeichnet, um wichtige Menschen in die Stadt zu locken: "Das ist wie bei einer Wursttheke: Je größer die Auswahl, desto besser...."
"...Der Humboldthafen ist Berlins letzter Platz, an dem Architekten und Stadtplaner zeigen könnten, wie der öffentliche Raum des einundzwanzigsten Jahrhunderts aussehen und welche Rolle Kultur dabei spielen soll..."

Vielleicht sollte man in der Begriffsgeschichte auf die hellenistische Antike zurückgehen, die das Wort Museum nicht nur auf ein Haus bezog, sondern damit einen ganzen Stadtteil bezeichnete, eine "poröse, auch sozial durchlässige Struktur, eine aus offenen Räumen zusammengewachsene Kulturlandschaft, in der Künste - auch Tanz, Theater, Musik - anders aufführbar wären?..."

19. November 2009

Allianz Oberbürgermeister - Investor auch in Altenburg

Die Skatstadt Altenburg macht von sich reden. Die Städtische Wohnungsgesellschaft Altenburg (SWG) plant mit Unterstützung des OB Michael Wolf (SPD) ein denkmalgeschütztes, bisher aber unsaniertes Gebäude am Marktplatz zugunsten eines Neubaus mit Wohnungen und Einkaufsmarkt abzureißen. So will sie einen "städtebaulichen Mißstand" beseitigen. Jedoch regt sich Widerstand durch Stadtratsmitglieder von CDU und Linkspartei und auch der Bürgerschaft gegen das Projekt, da "im thüringischen Altenburg einem der schönsten Marktplätze Deutschlands die Verstümmelung droht" (FAZ). Angeblich sei die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes wirtschaftlich nicht zumutbar, die SWG will sogar für ihren Neubau keine "architektenpreisverdächtige Neubebauung".

Wolfgang Hirsch hat dazu in der TLZ vom 19.11.09 einen bissigen Kommentar veröffentlicht:
"Die Crux mit dem Denkmalschutz". Er weist auf die im Osten Deutschlands in so großer Vielzahl erhaltenen Innenstädte hin, die mangels Kriegsschäden und Geld- sowie Kapazitätsmangel während der DDR-Zeit auf uns überkommen sind und von Politikern und Wirtschaftsvertretern oft als Altlasten angesehen werden.
Wörtlich: " So haben leider viele hiesige Stadtkerne ihr gewachsenes Antlitz bewahrt und stehen dafür in den großen Reiseführern. Zumal Westdeutsche, die von Hause ja häufig durch gesichtslose Innenstädte und uniform gestaltete Einkaufspassagen verwöhnt sind, fahren gerne gen Osten - etwa um die "Deutsche Renaissance" in Altenburg zu bewundern.Trotzdem sind wir das Geschwiemel ums historische Erbe jetzt leid! Und Besucher, die womöglich im Urlaub noch Geld ausgeben, braucht eine sterbende Stadt wie Altenburg schon gar nicht. So ist es hoch an der Zeit, den Marktplatz ein für allemal zu ruinieren. Der unheiligen Allianz von Stadtspitze und Wohnungsgesellschaft ist das - Gott sei Dank - zuzutrauen."

Nun kann man nur hoffen, dass der Widerstand der Bürger und hartnäckiger Stadträte der Stadtspitze in der heutigen Ratssitzung einen Strich durch Rechnung machen. Wie sich doch die Bilder gleichen! (siehe Speyer).

15. November 2009

"Ohne uns!" - die Reaktion

Die "Süddeutsche Zeitung" vom 13. November 2009 vermeldet, dass sich die Stadt Hamburg mit dem niederländischen Investor "HANZEVAST" auf den Rückkauf des von Künstlern bestzten Gängeviertel geeinigt hat. Für eine Summe von zwei Millionen Euro ist der Investor bereit, diese von mehr als 200 Hamburger Künstlern seit Ende August besetzten leerstehenden Häuser im Gängeviertel wieder der Stadt zu übertragen. Ca. 150 Hamburger Architekten hatten zuvor an die Stadt und die Öffentlichkeit appelliert, "das Gängeviertel für die Künstler unter Einbeziehung ihres Nutzungskonzeptes dauerhaft zu sichern."
Die Reste des Neustädter Gängeviertels bilden mit ihren Höfen und engen Gassen ein Ensemble aus drei Jahrhunderten Baukultur. Mit dem Protest sollten die denkmalwürdigen Gebäude gerettet werden. Siehe meinen Post vom 8. November 2009.

8. November 2009

"Ohne uns!" Ein Künstler-Manifest aus Hamburg

Passend zu den Informationen zur Stadtentwicklung und -gestaltung veröffentlicht "Die Zeit" Nr. 46 vom 5. November 2009 das Manifest "Not in our name, Marke Hamburg" leicht gekürzt, in dem Künstler gegen die unsoziale Politik vieler Städte protestieren, die Kultur nur noch als Lockmittel für Investoren begreifen. Zu den vielen Hundert Unterzeichnern gehören Musiker, Autoren und Maler.

Hier nur einige Auszüge, die das Anliegen und die Problematik verdeutlichen:

"Ein Gespenst geht um in Europa, seit der US-Ökonom Richard Florida vorgerechnet hat, dass nur Städte prosperieren, in denen sich die "Kreative Klasse`" wohlfühlt... Viele europäische Metropolen konkurrieren heute darum, zum Ansiedlungsgebiet für diese "kreative Klasse" zu werden.
Für Hamburg hat die Konkurrenz der Standorte mittlerweile dazu geführt, dass sich die städtische Politik immer mehr einer "Image-City" unterordnet. Es geht darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: das Bild von der "pulsierenden Metropole", die "ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller Couleur" bietet. Eine stadteigene Marketing-Agentur sorgt dafür, dass dieses Bild als "Marke Hamburg" in die Medien eingespeist wird. Sie überschwemmt die Republik mit Broschüren, in denen aus Hamburg ein widerspruchsfreies, sozial befriedetes Fantasialand mit Elbphilharmonie und Tabledance, Blankenese und Schanze, Agenturleben und Künstlerszene wird. Harley-Days auf dem Kiez, Gay-Paraden in St. Georg, Off-Kunst-Spektakel in der Hafencity, Reeperbahn-Festival, Fanmeilen und Cruising Days: Kaum eine Woche vergeht ohne ein touristisches Megaevent, das "markenstärkende Funktion" überehmen soll.

... Wir weigern uns, über diese Stadt in Marketing-Kategorien zu sprechen. ... Wir lassen uns nicht für blöd verkaufen. Wir wollen weder dabei helfen, den Kiez als "bunten, frechen, vielseitigen Stadtteil" zu "positionieren", noch denken wir bei Hamburg an "Wasser, Weltoffenheit, Internationalität" oder was Euch sonst noch an "Erfolgsbausteinen der Marke Hamburg" einfällt....

... Wir haben schon verstanden: Wir, die Musik-, DJ-, Kunst-, Theater- und Film-Leute, die Kleine-geile-Läden-Betreiber und Ein-anderes-Lebensgefühl-Bringer sollen der Kontrapunkt sein zur "Stadt der Tiefgaragen". Wir sollen für Ambiente sorgen, für die Aura und den Freizeitwert, ohne den ein urbaner Standort heute nicht mehr global konkurrenzfähig ist. Wir sind willkommen. Einerseites. Andererseites hat die totale Inwertsetzung des städtischen Raumes zur Folge, dass wir - die wir doch Lockvögel sein sollen - in Scharen abwandern, weil es hier immer weniger bezahlbaren und bespielbaren Platz gibt.

... Wir sagen: Eine Stadt ist keine Marke. Eine Stadt ist auch kein Unternehmen. Eine Stadt ist ein Gemeinwesen.

1. November 2009

Symposium zur Baukultur in Bad Langensalza

Ein zweitägiges Symposium mit ca. 80 Architekten, Historikern, Ingenieuren, Stadtplanern und Kommunalpolitikern fand Ende Oktober 2009 in Bad Langensalza statt, organisiert vom Europäischen Informations-Zentrum in der Thüringer Staatskanzlei. Unter dem Motto "90 Jahre Bauhaus - neue Herausforderungen durch die Europäische Energiepolitik" wurden die Erfordernisse des energieeffizienten und ökologischen Bauens und Sanierens in der Stadtgestaltung und an Beispielen historischer Altstadtkerne diskutiert. Bad Langensalza ist ein Beispiel gelungener Altstadtsanierung bei Einbeziehung des modernen Bauens. Wesentlichen Antel am Erfolg trägt dabei der Bürgermeister Bernhard Schönau, der (seit 1994 im Amt) die Stadtentwicklung mit bestimmt.

Nun kann man Städte wie Bad Langensalza und Speyer sicher nicht ohne weiteres miteinander vergleichen; aber den Einfluss von Bürgermeistern auf die Entwicklung ihrer Städte sehr wohl. Nach einem in der FAZ vom 28.Oktober 2009 veröffentlichtem Artikel hat der 2010 scheidende Oberbürgermeister Speyers, Werner Schineller, als Abschiedsgeschenk die Rheinpromenade der Stadt als Filetstück von 12 Hektar an drei Investoren verkauft - die Projektgesellschaft der LBBW Stuttgart Rhein-Neckar Wohnwerte, R & N Kurpfalz Immobilien Speyer und die Steber Wohnbau GmbH Speyer, welche dieses Gelände mit einer "exclusiven" Wohnbebauung vermarkten; Teile davon stehen bereits und verdecken mit ihrer nichtssagenden und banalen Architektur den Blick auf den Dom, der seit 1981 zum UNESCO-Welt-Kulturerbe zählt. Sogar ein ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet hat der städtische Bau- und Planungsausschuss - einer der Investoren ist dessen Mitglied - außer Kraft gestzt, um die Bebauung eines 37.000 m² großen Geländes vierhundert Meter längs des Rheins mit sechsgeschossigen Punkthäusern als "Neue Heimat für Manager und Rentner" zu ermöglichen.

Foto: Archiv Striffler aus FAZ

Soweit über den unheilvollen Einfluss von Bürgermeistern/Oberbürgermeistern auf die Stadtentwicklung, wenn wirtschaftliche Interessen dominieren und kein bürgerschaftliches Gegengewicht besteht. Wir benötigen echte Bürgerlichkeit, die es mit der Dummheit und Unverfrorenheit der Macht aufnimmt.

28. Juni 2007

Hannah Höch in Berlin - Teil 1

Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur


Am 23. und 24. Juni 2007 war endlich kurz vor Toresschluss Gelegenheit zum Besuch der Hannah-Höch-Ausstellung in der Berlinischen Galerie - am 2. Juli schließt die Ausstellung.

Dieses "Kunst Museum Berlin" war für uns eine große Entdeckung; für mich als Architekt interessierte natürlich auch das Gebäude in der Alten Jakobstraße 124 - 128 in Berlin-Kreuzberg. Ein ehemaliges Glaslager von 1965, eine 11 m hohe Halle mit einer Grundfläche von 60 x 60 m, mit Bürogebäude und Vorbau innerhalb eines Wohngebietes, das in den 80er Jahren im Rahmen der IBA entstand, wurde nach Entwürfen des Architekten Jörg Fricke als Museum in nur einem Jahr Bauzeit umgebaut und am 22. Oktober 2004 eröffnet. Der Entwurf Frickes hat die schlichte Klarheit des industriellen Zweckbaus weitgehend erhalten. Der Innenraum der Halle mit 10 m Höhe wird durch ein eingebautes Galeriegeschoss in zwei Ebenen gegliedert und durch eine diagonal verlaufende den Raum kreuzende Freitreppe erschlossen. Die obere Ebene ist weitgehend wandfrei, um variable Aufstellungen von flexiblen Stellwandsystemen zu ermöglichen.

Für den Außenraum wurde gemeinsam mit der Senatsverwaltung ein Wettbewerb zwischen eingeladenen Künstlern ausgelobt, in dessen Ergebnis zwei Gestaltungsvorschläge realisiert wurden:

- Die Bodengestaltung und Möblierung übernahm das Architektenteam Kühn Malvezzi. Das auf dem gesamten Vorplatz angelegte 80 m lange Buchstabenfeld (gelb auf schwarz) zeigt die Namen von in der Sammlung des Museums vertretenen Künstlern.
- Der Berliner Künstler Fritz Balthaus entwarf mit seinem Vorschlag "marked space - unmarked space" eine Gestaltungskonzeption für das gesamte Gebäudeensemble.


Blickpunkt der Außenanlage ist eine große Plastik des Bildhauerpaares Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff "Dreiheit" 1993 aus Chromnickelstahl-Rohrbündeln, die Assoziationen an naturhaftes Wachstum wecken und auf den Oberflächen vielfältige Effekte von Licht und Farbe ermöglichen.

Das ganze Gebäudeensemble stellt eine meisterhaft gelungene städtebauliche Lösung im Wohngebiet dar und zeigt, welche Möglichkeiten auch bei kleinem Finanzbudget bei Umbau und Anpassung vorhandener Bausubstanz bestehen können, wenn sensibel mit ihr umgegangen wird. Die städtebaulich-künstlerische Gestaltungskonzeption von Fritz Balthaus setzt sich mit dem Thema Präsentation der Kunst auseinander und bindet den Gebäudekomplex in sein Umfeld ein bei gleichzeitiger Betonung der gehörigen Aufmerksamkeit.

Auch zu jedem anderen Zeitpunkt ist das Museum einen Besuch wert, es präsentiert in Berlin entstandene Kunst von 1870 bis heute, also von Secession und Dada bis zur zeitgenössischen kreativen Szene Berlins. Selbstverständliche Angebote wie Sonderausstellungen, Archiv, Bibliothek, Café und Museums-Shop komplettieren das Angebot.

Alle Fotos: Peter Rost

1. Juni 2007

"Stolperstein" in Weimar

Am 23. Mai wurde in Weimar vor der Marienstraße 16 ein erster "Stolperstein" zur Erinnerung an den in Theresienstadt an den Folgen von Deportation und NS-Terror gestorbenen Weimarer Cellisten und Musikpädagogen Eduard Rosé gesetzt. Die "Stolpersteine" sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das von diesem 1997 ins Leben gerufen wurde. Ein etwa 10 x 10 x 10 cm großer Quader trägt eine Messingplatte, in die der Schriftzug "Hier wohnte..." und Name und Lebensdaten des jüdischen NS-Opfers eingraviert werden. Diese Platten werden im Gehweg vor den ehemaligen Wohnungen eingepflastert.
Auch in Jena und Ilmenau wurden am 22. und 23. Mai solche "Stolpersteine" gesetzt, am 26. Mai folgte Altenburg. In Weimar wurde dazu ein Initiativkreis gegründet, dem das Bürgerbündnis gegen Rechts, die Netzwerkstelle, das Soziokulturelle Zentrum Gerberstraße und Stattreisen angehören.

Gunter Demnig wurde 1947 in Berlin geboren, nach dem Studium von Kunstpädagogik, Industrial Design und Freier Kunst entwickelte er bereits 1993 den Entwurf für das Kunstprojekt "Stolpersteine". Die erste illegale (später legalisierte) Verlegung eines solchen "Stolpersteins" erfolgte 1997 in Berlin-Kreuzberg. Inzwischen sind 11.500 Steine in 236 Ortschaften in Deutschland, Österreich und Ungarn verlegt worden. 2005 erhielt Gunter Demnig für seine Aktivitäten das Bundesverdienstkreuz.


Verlegung in Weimar am 23. Mai

Foto: TLZ

Warum ich über diese Aktion in meinem Blog schreibe?
Schon lange tragen wir uns mit dem Gedanken, einen solchen Stolperstein vor unserem Hauseingang setzen zu lassen - zur Erinnerung an die jüdische Malerin Lucy Ortlepp geb. Bock, die hier lebte und 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Seit einigen Jahren recherchiere ich Leben und Werk der in Weimar schon fast vergessenen Künstlerin und arbeite gegenwärtig an den Vorbereitungen für eine Monografie. Um die Erinnerung an diese Frau und ihr Schicksal wachzuhalten, haben wir Christiane Weber für ihre Veröffentlichungen "Villen in Weimar" Unterlagen zur Verfügung gestellt (in Band 2 aufgenommen). Auch für den Band über jüdische Familien in Weimar der Weimarer Schriften sind dem Autor Harry Stein Angaben und Fotos bereitgestellt worden. Auf die Geschichte der Lucy Ortlepp bin ich bei den baugeschichtlichen Untersuchungen unseres Hauses gestoßen.

Voraussichtlich im Mai 2008 startet in Weimar die nächste Aktion des Künstlers - dann werden wir mit dabei sein.

15. Mai 2007

X-Straße = Ferdinand-Freiligrath-Straße

Bauvorhaben am "Platz Adolf Hitlers" und Ersatzwohnbauten in der "X-Straße"

Noch ein Wort zur Ferdinand-Freiligrath-Straße in Weimar. Diese Bebauung entstand erst in den 30er Jahren als Ersatzwohnungsbau für den Bau des Gauforums Weimar. Mit dem Bau des Gauforums am ehemaligen Carl-August-Platz begann man ganze Stadtteile am Rand der Weimarer Altstadt abzureissen. Der amtierende Stadtbaurat und Beauftragte des Gauleiters für die Baugestaltung im Gau Thüringen, Rudolf Rogler forderte: "Weimar muss mit neuem Impuls gefüllt werden!". Nach den Berechnungen der Architekten fielen den gigantischen Umbaumaßnahmen 150 Häuser mit 445 Wohnungen, 52 Läden und 27 Werkstätten zum Opfer. Als Ersatz sollten u.a. 134 Wohnungen in der jetzigen Ferdinand-Freiligrath-Straße geplant werden.
Während die Bauten am Adolf-Hitler-Platz durch das Büro des Wettbewerbspreisträgers Prof. Hermann Giesler geplant und errichtet wurden, plante der Architekt Willem Bäumer die platzartig aufgeweitete "X-Straße", die heutige Ferdinand-Freiligrath-Straße, die im Kontrast zum streng geschlossenen Ensemble des Gauforums den historisierenden Vorbildern nachempfunden war und statt einer Machtdemonstration "kleinstädtische Gemütlichkeit und behagliche Biedermeierkeit" vermitteln sollte. So entstanden "in wenigen Jahren dicht nebeneinander zwei völlig unterschiedliche Teile der Stadt, die ... so ein exemplarisches Zeugnis der Gleichzeitigkeit verschiedener Bauauffassungen im Nationalsozialismus der Nachwelt erhält." (Werner Durth/Winfried Nerdinger: Architektur und Städtebau der 30er/40er Jahre - Schriftenreihe des Nationalkomitees für Denkmalschutz Bd. 46 - 1993)

Die Bebauung der Straße ist bis heute in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten. Am Rand der Altstadt stellt sie auch in der nun erneuerten Oberflächen- gestaltung eine Idylle dar, bevor sie sich zum "Weimar-Atrium", der mehrmals und nun vorerst endgültig zum Konsumtempel umgebauten "Halle der Volksgemeinschaft", öffnet.

14. Mai 2007

"Wasser - Marsch!"


Weimar ist seit Freitag, dem 11. Mai 2007, um eine kleine Attraktion reicher: Im Rahmen der Oberflächenneugestaltung der Ferdinand-Freiligrath-Straße wurde auf der Freifläche vor der Gaststätte "Zum Siechenbräu" ein Spielbrunnen eingeweiht. Eine Plastik des Bildhauers Walter Sachs stellt eine Figurengruppe dar, die Wasser abgibt und wieder aufnimmt. Die Bewohner der anliegenden Wohnhäuser und vor allem die Kinder nahmen die Figuren mit einem kleinen Straßenfest begeistert in Besitz. Für Planung und Bauleitung der Straßenbaumaßnahme ist unser Planungsbüro WEIMARPLAN zuständig.






Alle Fotos: WEIMARPLAN

25. April 2007

Blech um die Kirche

Unsere schöne Stadt Weimar hat einen großen Vorzug: Altstadt und spätere Stadterweiterungen drängen sich auf engstem Raum. Das hat zur Folge, dass der Fußgänger in einer halben Stunde von einem Ende der Stadt zum anderen gelangen kann und Weimar damit eine Stadt der kurzen Wege ist. Nun sollte man denken, dass die Volksvertreter dafür sorgen, dass für Einheimische und Touristen die Schönheit der Stadt erlebbar bleibt. Nichts da; ständig wird von Fraktionen des Stadtrates um die Ausweitung des Fahr- und Parkangebotes in der Innenstadt gekämpft. Da dem Individualverkehr mit Auto und zu Fuß gleiche Rechte eingeräumt werden, ist die Innenstadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten ständig zugeparkt. Langsam, aber sicher stellt das Privat-Auto, diese "metallene Privatkapsel, die das urbane Leben unserer Städte zum Erliegen bringt" (Hanno Rauterberg), eine wirkliche Bedrohung für den öffentlichen Raum dar, "weil es kaum Straßen oder Plätze gibt, die nicht vollgestellt, vollgelärmt, vollgestunken werden - und damit allen anderen öffentlichen Interessen kaum noch Raum lassen."

Ich will dies am Beispiel des Herderplatzes in Weimar illustrieren: eine einzige Katastrophe, die auch bei der geplanten Neugestaltung des Platzes nicht grundlegend verändert werden wird. Drei Fotos sollen die Übermacht von Blech zeigen, beim dritten handelt es sich um ein Vexierbild. Von einem der schönsten Brunnen Weimars mit neugestaltetem Umfeld ist nichts mehr zu sehen außer Blech, Blech, Blech...