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11. Oktober 2009

Weimarer Zwiebelmarkt

Natürlich darf ich den Weimarer Zwiebelmarkt nicht vergessen: Thüringens ältestes und grösstes Volksfest ist noch in vollem Gange, über 300.000 Besucher werden erwartet und wer hat den Markt wohl eröffnet: Natürlich "Kani" am Donnerstagabend auf der temporären Bühne der Musikerkneipe am Teichplatz."Kani" (Bernhard Kanhold) und ich kennen sich schon sehr lange; als er E-Dur und A-Dur auf der Gitarre greifen konnte, wollte er anfangs der 60er Jahre eine Band aufmachen. Ich war damals zeitweilig in der Kommission des Weimarer Kreiskabinetts für Kulturarbeit für die Einstufung der Amateurkapellen und habe mich vehement dafür eingesetzt, dass "Kani" und seine Freunde eine Spielerlaubnis bekamen. Man war der Meinung, dass man diese Jungs mangels Spielqualität noch nicht auf ein Publikum loslassen dürfe. Ich habe argumentiert: Wo sollen die Jungs denn sich entwickeln, wenn sie nicht auftreten dürfen? Und so bekamen sie eine vorläufige und befristete Spielerlaubnis und "Polyphon" war geboren. Hier zeige ich ein Foto von 1963: "Kani" im Kasseturm in seiner auch damals schon unverwechselbaren Pose, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist:


Ich kann mich noch gut an ein Konzert der " Berliner Dampferband" im Kasseturm erinnern, bei dem "Kani" erstmalig eine Stripperin im Turm auftreten liess und damit Furore machte.
2008 hat "Kani" sein 45jähriges Bühnenjubiläum im ehemaligen Reithaus zusammen mit der Weimarer Gruppe "Rest of best" und deren 20jährigem Bühnenjubiläum gefeiert.

27. Oktober 2007

Dieter Schmidt 1942 - 2007

Vor fast 50 Jahren, im November 1959, wurde an der Friedrich-Schiller-Oberschule Weimar eine Band gegründet, die nach den musikalischen und geschäftlichen Leitern b (Bennewitz) und s (Schmidt)-combo genannt wurde und die bis weit in die 70er/80er Jahre in wechselnden Besetzungen spielte (bis 1972 war ich dabei, als Trompeter, Arrangeur und zeitweilig auch Bandleader). Klaus-Jürgen Bennewitz ist schon vor Jahren verstorben, nun folgte ihm auch der andere Bandgründer Dieter Schmidt und heute trafen sich Verwandte, Freunde, Kollegen und auch ehemalige Musikanten zur Trauerfeier auf dem Hauptfriedhof in Weimar. Allein die anwesenden Musiker hätten heute mehrere Bands besetzen können. Dieter war in Weimar stadtbekannt und hatte einen großen Freundeskreis.

Die neugegründete bs-combo 1959. Dieter Schmidt am Bass, "Benno" Bennewitz am Akkordeon.

Mein Einstieg war im Jahr 1961, nachdem ich während des "praktischen Jahres" vor dem eigentlichen Architekturstudium 1960 in der "Old Time Jazz Band" der HAB Weimar bis zu deren Auflösung mitwirkte. Dieter Schmidt leitete die bs-combo auch im denkwürdigen Mai 1965, als wir beim 2. zentralen Leistungsvergleich der Amateurtanzorchester der DDR in Magdeburg einen vorderen Platz
belegten und als beste Band des damaligen Bezirks Erfurt ausgezeichnet wurden. Beim heutigen traurigen Anlass traf ich auch Artur Jansig - die "Jansig-Combo" im Klubhaus "Michael Niederkirchner" (heute "Volkshaus") und die "bs-combo" im "Ami", dem Jugendklubhaus, waren in den 60er Jahren die dominierenden und besten Bands in Weimar. Trotz Konkurrenz verband uns immer freundschaftliches Interesse und gegenseitige Anerkennung.

Vor zwei Jahren trafen sich auf Dieter´s Einladung nochmal die Gründer der bs-combo, ein Bericht darüber war in der Zeitung "Hallo Weimar zum Sonntag" vom 16. April 2005 zu lesen.

Die bs-combo 1961.
"Sterben ist nur eine Übergang aus dieser Welt in die andere, als wenn Freunde über See gehen, welche dennoch in einander fortleben. Denn Diejenigen, die im Allgegenwärtigen lieben und leben, müssen notwendig einander gegenwärtig seyn. In diesem göttlichen Spiegel sehen sie sich von Angesicht zu Angesicht und ihr Umgang ist sowohl frey als rein. Und wenn sie auch durch den Tod getrennt werden, so haben sie doch den Trost, das ihre Freundschaft und Gesellschaft ihnnen, dem besten Gefühle nach, beständig gegenwärtig bleibt, weil diese unsterblich ist."

William Penn: Früchte der Einsamkeit, Zweyte Abtheilung.
(Übersetzung von Friedrich von Schiller 1803)

Keep swinging, Dieter!

13. Oktober 2006

Erinnerung an Klaus Renft (1942 - 2006)

Am 9. Oktober 2006 ist Klaus Jentzsch, bekannt unter dem Namen Klaus Renft, im Alter von 64 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Wir waren fast gleichaltrig, waren beide in den 60er und 70er Jahren aktiv als Musiker, sind uns aber nur einmal direkt über den Weg gelaufen, bevor die legendäre "Klaus Renft Combo" 1975 verboten wurde.

Ich spielte während meines Studiums als Trompeter und Arrangeur in verschiedenen Bands in Weimar - in Reiner Schöne´s legendärer "Old time Jazz Band", in der Dixielandband der HAB und später in der "bs-combo weimar". Mit dieser wurden wir 1972 als augezeichnete Jugend-Band des Bezirkes Erfurt neben "blues-vital" aus Gotha nach Frankfurt/Oder zur FDJ-Werkstattwoche "Jugendtanzmusik" (21.-28.10.1972) delegiert. Neben einem Wettbewerb zwischen den beteiligten Bands lief ein Beispielprogramm von Berufsformationen, die uns Anregungen vermitteln und Maßstäbe setzen sollten. Jeden Abend spielte eine andere Band, die damals in der DDR Furore machte, u.a. die Gruppe "Wir", "Panta Rhei", Uve Schikora und seine Gruppe, die "Elektras" und natürlich: die "Klaus Renft Combo". Nach den Konzerten wurden unter den Musikern eigene Texte und Kompositionen diskutiert und die Technik der Profis unter die Lupe genommen. Zu dieser Zeit waren Verstärkeranlagen und Mikrofone nur auf dem Schwarzmarkt oder über gute Freunde aufzutreiben - und das zu gepfefferten Preisen. Der "Nachbau" grassierte gewaltig; vor allem die Gitarristen waren wahre Meister im Zusammenbau und Löten ihrer Anlagen. Wir Bläser mußten bei unseren Auftritten oft mit der Saalanlage vorliebnehmen, die in der Regel gerade für die Verstärkung von Feiertagsreden ausreichte.

Von diesem Workshop, der damals noch "Werkstatt" hieß, fuhren wir mit einem Diplom nach Hause; ich bekam noch einen Preis für einen eigenen Liedtext: "Ich bin immer für dich da" und "blues-vital" war einer der Spitzenpreisträger. Ein gemeinsames Abschlußkonzert aller Amateur- und Profi-Bands am Schlußtag in der wunderschönen Frankfurter Konzerthalle "C. Ph. E. Bach" blieb unvergeßlich ebenso wie meine Aushilfe bei der Berliner Gruppe "Express", deren Trompeter ausgerechnet beim Wettbewerbsauftritt nicht einsatzfähig war.

Links:
Klaus Renft
Nachruf mdr figaro