Am 21. Oktober jährt sich zum 80. Mal eine Pioniertat: der Rekordflug eines zwölfmotorigen Flugschiffs Dornier Do X mit 169 Passagieren über dem Bodensee.
Mit der Do X schuf Claude Dornier zweifellos eines der eindrucksvollsten Flugzeuge der Luftfahrtgeschichte, das bereits am 12. Juli 1929 auf dem Bodensee zum Erstflug startete. Schon Konstruktion, der Bau und die erfolgreiche Erprobung der Do X wurden als technische Meisterleistung bewundert, wenn auch begleitet von der Skepsis vieler Fachleute. Eine Sensation wurde dann vor allem der vielbeachtete Demonstrationsflug vom 31. Januar 1931 bis zum 24. Mai 1932 durch Europa, über den Südatlantik nach Südamerika, von Rio de Janeiro bis New York und zurück über den Nordatlantik. Die Do X bewies dabei eine erstaunliche Betriebssicherheit und Leistungsfähigkeit. Auf der anschließenden Tournee durch viele deutsche Städte wurde die Do X von Hunderttausenden begeistert gefeiert. Dass dieses Flugzeug nie zu einer wirtschaftlichen Alternative für den Atlantikverkehr entwickelt werden konnte, schmälert aber seine Bedeutung als technisches Meisterwerk keineswegs. Bedingt durch eine Havarie bei der Wasserung auf der Donau bei Passau 1932 musste ein zweiter Europaflug abgebrochen werden. Das Flugschiff wurde 1935 nach Berlin als Hauptattraktion in das Verkehrsmuseum am Lehrter Bahnhof transportiert, wo es sein Ende bei alliierten Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg fand. Den Rest besorgten nach Kriegsende Schrotthändler und Souvenirjäger.
Auch nach einem erfolgreichen Beginn der Flugerprobung im Jahr 19929 wollte die Kritik an diesem ungewöhnlichen Flugapparat nicht verstummen. Es wurde vor allem bezweifelt, dass dieses Flugschiff neben seinem Eigengewicht noch eine nennenswerte Nutzlast tragen könne. So entschloss sich der Konstrukteur Claude Dornier beim 70. Erprobungsflug am 21. Oktober 1929 zu einem spektakulären Rekordflug. Neben der zehnköpfigen Besatzung gingen 169 Personen - neben den Vertretern der Presse überwiegend Werksangehörige - an Bord für den ersten Passagierflug. Im noch unverkleideten Aluminiumrumpf wurden dazu leichte Korbstühle montiert. Mit knapp 45 Tonnen Startgewicht wurde das maximale Fluggewicht der Do X noch gar nicht erreicht. Der Rundflug über den Bodensee über Bregenz, Lindau und Friedrichshafen dauerte 40 Minuten und stellte damit einen Passagierrekord dar, der erst 20 Jahre später überboten werden konnte.
Als Luftfahrtphilatelist habe ich natürlich in meiner Sammlung, welche die Geschichte des Luftverkehrs zwischen Europa und Amerika über den Atlantik umfasst, auch die Do X dokumentiert.Hier folgt ein Albumblatt zur Do X. Mit einem Teil dieser Sammlung (zur Katapultpost über Nord- und Südatlantik) habe ich bereits bei nationalen und internationalen Ausstellungen erfolgreich abgeschnitten (siehe Post vom 09. Januar 2007).
Oktober
Die Blätter klirren. Goldenes Blech
im Konzert der Lüfte.Unter der Wolken drohendem Pech
noch reine Düfte.
Der Nebel wischt viele Stellen fort
und überläßt es dem Denken,
in das fehlende Landschaftswort
Phantasien zu senken.Doch das Nahe bleibt wie der Leib
an einem deutlich haften,
wie das Zimmer, die Kinder, das Weib
und die alten Leidenschaften.
Georg Maurer: Dreistrophenkalender 2. Auflage
Mitteldeutscher Verlag Halle 1962
Gesamtausstattung: Werner Klemke
Jedes Jahr zum Zwiebelmarkt treten auf den Bühnen der Weimarer Innenstadt Musikgruppen aller möglicher Stilrichtungen auf. Am Frauenplan vor Goethe`s Wohnhaus traf ich am Sonntag nachmittag Jürgen Postel und Helmut Pötsch ("Postel und Pötsch"), ihren Blues spielend, zwei inzwischen auch in die Jahre gekommene Musiker aus Weimar. Doch das Alter passt mehr und mehr zum Blues. Seit Anfang der 80er Jahre haben sich der Grafiker Postel und der Musiklehrer Pötsch gefunden und treten gemeinsam auf, erstmals Oktober 1981 in Dresden mit Alex und Stanley Blume.
Als es 1967 um unsere "bs-combo" in Weimar still wurde, da die Hälfte der Bandmitglieder zur NVA eingezogen wurde, habe ich gemeinsam mit unserem Tenorsaxophonisten Lothar Gläsner zur Überbrückung kurze Zeit in Helmut Pötsch`s Band "Unisono" gespielt, bis wir uns 1970 in neuer Besetzung neu gründen konnten. Nach dem Ende meiner Musikerlaufbahn 1973 blies Helmut die Posaune in einer Neubesetzung der nunmehr zeitgemäß "Gruppe BS" genannten Band und Mitte 1975 blieben nach einer weiteren Fluktuation nur noch vier Musiker dieser Gruppe übrig, die dann unter der Leitung Helmut Pötsch`s noch bis Anfang der 80er Jahre zusammenblieben. Helmut ist bekannt für seine Vielseitigkeit, er spielt Gitarre, Posaune, Piano und Orgel und singt Folk und Blues. Die zweite CD der Beiden läuft unter dem Titel "Roots" - und ein Teil der Wurzeln haben wir gemeinsam erlebt.
Natürlich darf ich den Weimarer Zwiebelmarkt nicht vergessen: Thüringens ältestes und grösstes Volksfest ist noch in vollem Gange, über 300.000 Besucher werden erwartet und wer hat den Markt wohl eröffnet: Natürlich "Kani" am Donnerstagabend auf der temporären Bühne der Musikerkneipe am Teichplatz.
"Kani" (Bernhard Kanhold) und ich kennen sich schon sehr lange; als er E-Dur und A-Dur auf der Gitarre greifen konnte, wollte er anfangs der 60er Jahre eine Band aufmachen. Ich war damals zeitweilig in der Kommission des Weimarer Kreiskabinetts für Kulturarbeit für die Einstufung der Amateurkapellen und habe mich vehement dafür eingesetzt, dass "Kani" und seine Freunde eine Spielerlaubnis bekamen. Man war der Meinung, dass man diese Jungs mangels Spielqualität noch nicht auf ein Publikum loslassen dürfe. Ich habe argumentiert: Wo sollen die Jungs denn sich entwickeln, wenn sie nicht auftreten dürfen? Und so bekamen sie eine vorläufige und befristete Spielerlaubnis und "Polyphon" war geboren. Hier zeige ich ein Foto von 1963: "Kani" im Kasseturm in seiner auch damals schon unverwechselbaren Pose, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist:
Ich kann mich noch gut an ein Konzert der " Berliner Dampferband" im Kasseturm erinnern, bei dem "Kani" erstmalig eine Stripperin im Turm auftreten liess und damit Furore machte.
2008 hat "Kani" sein 45jähriges Bühnenjubiläum im ehemaligen Reithaus zusammen mit der Weimarer Gruppe "Rest of best" und deren 20jährigem Bühnenjubiläum gefeiert.
Das Van Gogh Museum Amsterdam (Herausgeber Leo Jansen, Hans Luijten und Nienke Bakker) gibt eine Edition sämtlicher Briefe Van Gogh`s heraus - 819 Briefe von Van Gogh und 83 an Van Gogh - u.a. von Paul Gauguin, dem Bruder Theo Van Gogh und Paul Signac. Illustriert werden die 6 Bände mit 4300 Illustrationen von Werken Van Gogh`s bzw. in den Briefen erwähnten Werken anderer Künstler. Zum Preis von 395,- € (ab 4. Januar 2010 325,- €) wird diese Edition angeboten.
Gleichzeit eröffnete am 09. Oktober 2009 bis 03. Januar 2010 eine Ausstellung dazu, in der über 100 ausgewählte Originalbriefe und die dazugehörigen Werke Van Gogh`s gezeigt werden. Besondere Bedeutung erhält diese Korrespondenz durch ihre literarische Qualität. Van Gogh war "Maler und Schriftsteller" zugleich. In seinen Briefen schreibt er dem Bruder, als spräche er zu ihm, in fortlaufendem Plauderton, häufig sogar, ohne Satzzeichen zu setzen.
Die erste umfassende Ausgabe der Briefe Vincent van Goghs an seinen Bruder Theo erschien 1914/15 in Amsterdam, herausgegeben von Theo´s Frau Johanna van Gogh-Bonger. Die deutsche Übertragung erschien 1928 bei Paul Cassiri in Berlin, teilweise mit Irrtümern und sinnentstellenden Fehlübersetzungen. Zwischen 1952 und 1954 erschien eine neue, philologische Genauigkeit anstrebende Originalausgabe in der Wereldbibliothek (Amsterdam-Antwerpen).
In meiner Bibliothek findet sich eine wunderschöne Ausgabe des Henschelverlages Berlin von 1961, die auf der sorgfältig überarbeiteten Ausgabe der Wereldbibliothek fusst: "Als Mensch unter Menschen - Vincent van Gogh in seinen Briefen an den Bruder Theo" (3. Auflage 1961, 2 Bände in Kassette). Bei dieser Auswahl ist versucht worden, aus dem Briefekomplex einen Kern herauszuschälen, der den Menschen und Künstler in seiner bleibenden geschichtlichen Bedeutung zeigt. Dabei wurde auf die Briefform verzichtet; es ist eher ein Tagebuch geworden, was die Lesbarkeit natürlich wesentlich erhöht und Wiederholungen ausschliesst. Die Bände sind sehr aufwendig edidiert, alle Abbildungen sind gesondert gedruckt und eingeklebt, allerdings leidet das Papier unter der DDR-üblichen schlechten Qualität. Dafür kostete diese Ausgabe damals 21,50 Mark der DDR! Bücher waren in der DDR gestützt und deshalb billig, allerdings aufgrund der oftmals geringen Auflagen eben schwer erreichbar. Wem die Amsterdamer Neuausgabe zu teuer ist, sollte im Antiquriat nach der vorgenannten Ausgabe suchen. Hier ist sie:
Am 6. Oktober 2009 trafen sich im Weimarer ACC 15 Interessierte zur Neugründung einer Attac-Gruppe Weimar. Initiatoren des Neuanfangs sind u.a. Kulturamtsreferentin Angela Egli und die Erziehungs-wissenschaftlerin Chris Brückner. Zu den ca. 150 passiven Sympathisanten soll der Kontakt wiederhergestellt werden.
Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit sollen u.a. die Auseinandersetzung mit PPP-Modellen und die "Aufdeckung lokaler Lobbyisten-Netzwerke" sein. Dazu ein Hinweis:
Zum Thema Lobbyismus hat der gemeinnützige Verein "LobbyControl - Initiative für Transparenz und Demokratie" einen informativen Reiseführer durch den Lobbydschungel Berlins herausgebracht. Bezug über LobbyControl e.V., Friedrichstr. 63, 50676 Köln. Preis: 7,50 €.
Internet: www.lobbycontrol.de
Nun hat auch die Thüringer Allgemeine vom 08. Oktober 2009 auf die Bereitstellung von Michel-Katalogen in Apoldas Stadtbibliothek hingewiesen; möglich wurde dies durch eine Schenkung des Schwaneberger-Verlages, jenes Verlages, der die Kataloge herausgibt. Damit begann zugleich inoffiziell die Ehrung Hugo Michels im Jahre 2010 - zum 100. Geburtstag des Michel-Kataloges. Weiter wird berichtet, dass an seinem "Geburtshaus" nächstes Jahr eine Gedenktafel angebracht werden soll. Das müsste dann aber in Knau an der Debra erfolgen und nicht in Apolda. Es kann sich also nur um sein Wohnhaus handeln. Ich hoffe nur, dass die Philatelisten in Weimar dieses Jubiläum nicht vergessen, denn die Kataloge wurden ja in seiner Weimarer Zeit herausgegeben.
Briefmarken-Preisbuch 1940 MINETO
Noch eine durchwachte Nacht vom 1. zum 2. Oktober. Um Mitternacht entstand eine neue Collage:
In der "Thüringischen Landeszeitung" vom 03.Oktober 2009 wurde eine kleine Notiz veröffentlicht, dass dank einer großzügigen Schenkung ab sofort in der Stadtbibliothek Apoldas neue Michel-Briefmarkenkataloge und die monatlich erscheinende "Michel-Rundschau" für die Nutzer bereitgehalten werden. Da wäre es Zeit, einen Blick auf diesen Sohn Apoldas und späteren Einwohner Weimars zu werfen. Wer war Hugo Michel?
Georg Hugo Paul Michel wurde am 4. April 1866 in Knau an der Debra geboren; die Familie zog aber 1872 in das aufstrebende Städtchen Apolda. Nach Schulzeit und kaufmännischer Ausbildung gründete Hugo Michel am 4. April 1892 (seinem Geburtstag) ein Briefmarkengeschäft mit Versandhandel in Apolda, das bald so florierte, dass er den Hauptteil seinen Brüdern Heinrich, Richard und Max abgab.
Er war aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und Marktkenntnis bereits seit 1898 Mitarbeiter am "Senf-Katalog". Ihn störte dabei die Bruttopreispolitik dieses Kataloges und so entschloss er sich 1909, einen eigenen Netto-Katalog auf den Markt zu bringen; nach Abschluss aller Vorbereitungen erschien Hugo Michels "Europa-Katalog 1910". Die bisherige Preisliste "Europa gebr. ab 1890" wurde nun durch die Gebrüder Michel weitergeführt.
1913 verlegte Hugo Michel sein Geschäft nach Weimar, anfangs in der Windischenstrasse, 1917 firmierte er als "Postwertzeichenhandlung und Albumverlagsanstalt" mit Geschäftslokal in der Roonstraße 19 (der heutigen Brahmsstrasse). Als Wohnhaus kaufte er die Villa Elisabethstraße 1 (heute Helmholtzstrasse), zog aber später in die Carl-Alexander-Allee 5 (heutige Freiherr-vom-Stein-Allee), während sein Geschäft in die Hummelstrasse 2 wechselte. Hier in Weimar verwirklichte er seine eigentliche Ambition, die Schaffung eines aktuellen Briefmarkenkataloges. Dazu ging er eine Partnerschaft mit der "Schwaneberger Album Schaufuß & Stolpe GmbH" in Leipzig-Reudnitz ein und 1920 gab es den ersten "Michel Briefmarkenkatalog Band II Übersee 1920". Mit der "Michel-Mark" im Verhältnis zum Dollarkurs und zur Papiermark wurde 1923 die hohe Inflation einbezogen. Nach Ende der Inflation im Dezember 1923 erschienen die Michel-Kataloge nunmehr in Eugen Berlin´s "Verlag des Schwaneberger Album GmbH". Die 18. Ausgabe des Kataloges "Europa 1926" war die letzte von Hugo Michel redigierte Ausgabe. Der nun fast 60jährige zog sich allmählich aus dem Kataloggeschäft zurück und begann als "Auktionskaufhaus klassischer Briefmarken" eine Reihe von Versteigerungen, die erste vom 2. bis 5. Februar 1927 im Saal des Hotels "Der Fürstenhof" am Karlsplatz 2. Wegen der schlechten Zeiten gab es von 1929 bis 1931 keine weiteren Auktionen, nach 1932 schlief dieses Geschäft ein.
Im Alter von 78 Jahren starb Hugo Michel am 9. Juni 1944 und wurde in Weimar auf dem Hauptfriedhof bestattet. Sein Grab findet man in der letzten Reihe am südwestlichen Ende des Friedhofes.
Hier zwei neue Collagen aus 2008:
Titel: "eld, " 31.08.2008
Abm.: B x H = 29 x 43 cm
und:
Titel: "für Kunden"
18.08.2008Abm.: B x H = 14 x 16 cm
In diesem Jahr haben wir uns einen langgehegten Wunsch erfüllt: seit Jahren verfolge ich im Bayerischen Fernsehen die Aufzeichnung der "Songs an einem Sommerabend", einer Veranstaltung im Freien auf der berühmten "Wiese" vor Kloster Banz in Franken, auf der bekannte und neue Liedermacher in einer beispiellosen Atmosphäre auftreten. Das besondere dabei ist die Wiese, die hier als Zuschauerraum dient - nur eine kleine Tribüne bietet regulären Platz; alle Besucher liegen oder sitzen auf Decken oder wetterfesten Planen auf einem großen Wiesenhang - gegenüber die großartige Kulisse von Kloster Banz und dazwischen die Bühne als Spielplatz für anspruchsvolle Unterhaltungskunst.
Rechtzeitig zu Jahresbeginn habe ich mich erfolgreich um Karten bemüht und so pilgerten wir gemeinsam mit 5000 Gleichgesinnten am Freitag, dem 3. Juli 2009 den steilen Anstieg zur Klosterwiese hinauf. Glück hatten wir mit dem Wetter, erst nach Schluss des Konzerts gegen 24.00 Uhr begannen sintflutartige Regenfälle, denen wir noch rechtzeitig ausweichen konnten.
Das Schönste bei diesen zwei Tagen sind nicht nur die Abendstimmung, wie auch immer das Wetter ist, nicht allein das Programm, sondern der unkomplizierte Kontakt der Künstler mit dem aus ganz Deutschland, aus Österreich und der Schweiz, aber auch aus Südtirol, Ostfrankreich und Polen, Tschechien und Ungarn angereisten Publikum. In den letzten Jahren fast immer dabei: Konstantin Wecker und Reinhard Mey. Die Liste der seit 1987 aufgetretenen Künstler liest sich wie ein "Who is Who" der internationalen Liedermacher- und Folkszene. Besonders gefielen mir IRISH steirisch, eine Sythese von Alpenlandklängen mit irischer Folklore und der Auftritt von "Kelpie", dem Duo Kerstin Blog aus Norwegen mit Ian Melrose aus Schottland. Abschluss war ein fulminantes Finale mit Konstantin Wecker und Band.
Übrigens ist rund um die Wiese für Essen und Trinken gesorgt, selbst Einweg-Regenponchos für 1,- € stehen für alle Fälle zur Verfügung. 2010 findet das Fest der Liedermacher am 16. und 17. Juli statt; wir haben unsere Karten über die Kurverwaltung Bad Staffelstein erworben. Die Fernsehaufzeichnung wurde am 4. September 2009 von BR 3 übertragen.
Nach der Ankunft in Weimar erwartete uns am Sonnabend, 4. Juli noch die "Amerikanische Nacht" im Weimarhallenpark.
In diesem Jahr verabschiedete sich ohne großes Aufheben ein Stück Alt-Weimar - zwischen Marktstraße und Rittergasse wurde das Hintergebäude Marktstraße 20 nach jahrelangem Verfall endgültig abgerissen. Dieser Nachruf soll daran erinnern, dass es keine unbedeutende Ruine war, sondern ein Gebäude mit besonderer Bedeutung für Weimar.
In der Marktstraße 20 gründete Theodor Scherff nach langjähriger Schaustellertätigkeit am 25. Dezember 1906 sein erstes stationäres Kino, das sog. "Bioskop-Theater" (1910 folgten ähnliche Kinos in der Eisenacher Alexanderstraße 13 und Bahnhofstraße 27). Das "Th. Scherff Lichtschauspieltheater" war damit das erste Kino in Weimar, denn Louis Held´s "Reform Lichtspiele" in der Marienstraße 1 starteten erst am 30. November 1912.
Der Zuschauerraum in Weimar musste mehrmals vergrößert werden, da die ständig steigenden Zuschauerzahlen dazu zwangen. Durch Zukauf von Nachbargrundstücken und Überdachung des Hofes hinter dem Kino schuf Scherff bis 1911 eines der "modernsten und bedeutendsten Theater Deutschlands" (Doernfeld 1926). Die Sitzplätze waren bereits auf einer schiefen Ebene angebracht, der Orchesterraum befand sich wie im Theater unterhalb der Projektionsfläche und der Einbau von Heizung und Lüftung erhöhte den Komfort für die Kinobesucher. Durch weitere Anbauten wurde der Zuschauerraum ab 1913 auf 700 Sitzplätze erweitert.
1918 musste sich Theodor Scherff wegen Krankheit vom Geschäft zurückziehen, Tochter und deren Ehemann übernahmen das Kino. 1939/40 firmierte es als "DELI Deutsche Lichtspiele". Nach Bombenschäden im März 1945 wurde das Kino 1949 wieder aufgebaut und hieß nun "Stern-Lichtspiele". 1964 wurde es für immer geschlossen. Einige Jahre noch als Turnhalle für die Schulen der Innenstadt genutzt, verfiel das Gebäude immer mehr und musste nun sogar abgerissen werden.
Ich zeige hier eine Anzeige aus der Weimarer "Abendpost" vom 16. März 1950, die damaligen drei Weimarer Lichtspiele (Stern-Lichtspiele Marktstraße 20, Lichtspiele der Jugend, Goetheplatz 11 und KWU Weimarhalle) zeigten in dieser Zeit ausschließlich sowjetische Filme.

Während aus dem Eisenacher Bioskop-Theater Alexanderstraße 13 ab 11. Juli 1919 die "Central-Lichtspiele" wurden, bestand das "Elite-Bioskop-Theater" Bahnhofstr. 27 nur bis 10. März 1922.
Literatur:
W. Wagner "Frühes Kino in Weimar" Bauhaus-Universität Weimar 2000
http://de.wikipedia.org/wiki/Kinos_in_Eisenach
Am 18. September feierte Gunther Emmerlich seinen 65. Geburtstag. Der MDR ludt dazu am Freitag abend zu einer 90-minütigen Geburtstagsparty im Zwickauer Konzert- und Ballhaus "Neue Welt" ein. Die Sendung war für meine Verhältnisse zu sehr auf die Volksmusikkarriere Emmerlichs der letzten Jahre zugeschnitten; das verstaubte Ambiente des Zwickauer Ballhauses tat ein übriges dazu. Weit interessanter war wohl seine Geburtstagsparty im Park der eigenen Villa mit über 100 Gästen.
Zum 60. Geburtstag waren meine Frau S. und ich eingeladen, ein herrlicher Abend im Domizil von Rolf Hoppe in Dresden. Davon ein Foto mit S. unter all den Prominenten:
Vom 13.September bis 20. Dezember gibt es wieder einmal eine interessante Ausstellung im Kunsthaus Apolda Avantgarde: Feininger und das Bauhaus Weimar-Dessau-New York. Gezeigt werden 130 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte aus internationalen Sammlungen, wie dem Museum of Modern Art und dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York und der Phillips Collection in Washington D.C. Mit der Ausstellung soll zum ersten Mal die wichtige Phase der Bauhauszeit im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit Feiningers Werk stehen.
Gestern besuchten S. und ich die Ausstellung und waren von der Qualität der Arbeiten überrascht. Besonders die kompletten Mappenwerke hatten es mir angetan:
1920 - Zwölf Holzschnitte von Lyonel Feiniger (erste grafische Edition des Staatlichen Bauhauses in Weimar),
1926 - Zehn Holzschnitte von Lyonel Feininger (Edition des Euphorion Verlag Berlin)
1941 - Ten woodcuts by Lyonel Feininger (herausgegeben von Curt Valentin, Buchholz Gallery in New York anläßlich seiner Rückkehr in die USA).
Es gibt einen sehr guten und informativen Katalog, herausgegeben von Andrea Fromm - alle ausgestellten Werke sind reproduziert. Aus meinen Beständen kann ich zur Illustration des Posts nur eine Karte zur Bauhausaustellung Juli - Oktober 1923 (Sammlung Baldur Gottschalk) - Katalog Nr. 60 - Stadt - Bauhauskarte Nr. 1 - bieten.
Im übrigen gab es 2007 im Pommerschen Landesmuseum Greifswald die Ausstellung "Lyonel Feininger - vom Sujet zum Bild", die sich der Arbeitsweise Feingers widmete, der in Serien von Zeichnungen (Naturnotizen), Holzschnitten, Radierungen und Gemälden seine Bildkonstruktionen entwickelte. In elf Motivserien von Landschaften und Architekturen, deren Sujets er in Mecklenburg und Vorpommern fand, konnte man den spannenden Prozess der Bildfindung miterleben.
Am 24. Oktober 2009 ist wieder das Bernhard-Auge-Jazz-Trio aus Bielefeld in Weimar zu Gast. Die dritte Auflage des "Jazz in memoriam Anna Amalia" findet wie bisher von 20.00 bis 24.00 Uhr im "Ilmschlößchen" in Oberweimar statt. Leider kann ich dieses Jahr aus Krankheitsgründen am Konzert nicht teilnehmen, aber da die Musiker in unserer Gästewohnung übernachten, bleibt sicher Zeit für ein morgendliches Gespräch. Die Sendensammlung durch das Konzert hat sich schon langsam zu einer Tradition entwickelt.

Hier ein Foto vom Konzert 2008: Als Gast am Saxophon Widolf Kreyer, ein Weimarer Urgestein - er ist ältestes Mitglied der Big Band der Musikschule Weimar. In den 60er Jahren haben wir zusammen in der bs-combo gespielt.
Hier möchte ich wieder eigene Collagen aus früheren Jahren vorstellen - aus einem Kalender 1996:
Nach einem Jahr Big-Band-Abstinenz waren wir am Sonntag, dem 19. April im "mon ami" zur "Andreas-Max-Martin-Show" mit der WeimarBig Band. Allerdings war dieser Andreas Max Martin eine unnötige Zugabe zur wieder herrlich swingenden Big-Band-Musik, und was seine "bildschöne und charmante" Assistentin Anja Krause mit ihrem Köfferchen auf der Bühne sollte, ging mir nicht ganz auf (sie sollte lt. Monatsprogramm für den nötigen Glamour sorgen!).
Es ist immer wieder erstaunlich, wie diese Musiker um Matthias Eichhorn und Christoph Bernewitz einmal im Monat zum Konzert zusammenfinden; die herrlichen Saxophon- und Posaunensätze wechseln mit exellenten Soli ab: besonders das große Piano-Solo von Matthias Bätzel und Solis von Nils Alf (tens), Matthias Eichhorn (b) und Jan Roth (dr). Das nächste Konzert wird wieder im Kasseturm sein und hoffentlich ohne "Entertainer in residence".
Abschluss-Standing vor der Bühne
Foto: Peter Rost
Heute vor einem Jahr musste ich das Bloggen unterbrechen, da ich beruflich sehr stark eingespannt war.
Jetzt möchte ich aber wieder beginnen und ausgerechnet da anfangen, wo ich aufgehört hatte:
Am 09.04.2008 blühte unser Bambus und anschließend haben wir den ganzen großen schönen Busch beseitigt; an seiner Stelle ist jetzt ein Staudenbeet angelegt. Allerdings hatten wir einen Teil abgesenkt, der ebenfalls blühte, anschließend aber wieder grün ausschlug. Zu unserem Erstauen blüht er jetzt wieder zum Frühlingsanfang. Also dann auf ein Neues.