Gestern Abend im Kasseturm: monatliches Konzert der "Weimar Big Band". Inzwischen gibt es mehrere Big Bands in Weimar (u.a. auch die Big Band der Musikschule "Ottmar Gerster"); allerdings die beste und professionellste ist die "Weimar Big Band", ein Zusammenschluss von Musikern aus Thüringen, Leipzig und Berlin. Hauptinitiatoren sind Christoph Bernewitz (git) und Matthias Eichhorn (b). Erstmalig traten die Musiker im Juni 2006 im Kasseturm auf; gegenwärtig treffen sich die engagierten Musiker einmal im Monat immer Sonntags (da der Sonnabend durch anderweitige auch berufliche Verpflichtungen verplant ist). "Wir folgen damit dem Prinzip des Sunday Night Orchestra aus Nürnberg", so die Musiker.
Das Konzert war fantastisch, besonders gefallen haben mir Bassist Matthias Eichhorn, Matthias Bätzel am Keybord und Stanley Blume (altsax).
Die Rhythmusgruppe der Band.
Den newsletter der Band mit den Terminen kann man abonnieren über news@weimarbigband.de.
Alle Fotos: Peter Rost
Unsere Sylvesterreise nach Wien begann mit einer halben Stunde Platzrunden im Flugzeug, bevor wir in Schwechat landen konnten. Der Wiener Flughafen hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Von 1998 bis 2007 stiegen die Flugbewegungen im österreichischen Luftraum von 741.043 auf 1.200.000 (Quelle: Austro Control). Die Konsequenzen spüren Reisende natürlich in Form von Verspätungen. In Wien-Schwechat erreichten die Flugbewegungen zuletzt bis zu 900 täglich; die maximalen Landungen sind auf 41 pro Stunde gestiegen. Nach einer Statistik von Euro Control ist Österreich für vier Prozent aller Verspätungen in Europa´s Luftverkehr verantwortlich. Grund für die Misere ist nicht nur Sparsamkeit bei Kosten und Personal, sondern eine gravierende Fehlprognose über die Entwicklung des Luftverkehrs nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Unseren wunderschönen Tagen in Wien tat das aber keinen Abbruch, mit Air Berlin flogen wir von Erfurt über Nürnberg nach Wien und am 1. Januar abends wieder zurück. Die Sylvesternacht in Wien ist ein tolles Erlebnis: auf den Straßen und Plätzen um Stephansdom und Rathaus wird seit vielen Jahren ein einzigartiges Straßenfest gefeiert. Es war unser erstes Sylvester außer Haus und gleich ein so grandioses. Hier nur einige Impressionen von unserem selbstorganisierten Programm:
Unser Hotel: Hotel "Graben" in der Dorotheengasse 3 gleich neben dem
Stephansdom im Antiquitätenviertel. Hier verkehrten von 1913 bis 1919 die Literaten Peter Altenberg, Franz Kafka und Max Brod.Museen: In der "Albertina" Ausstellung "Monet bis Picasso - Die Sammlung Batliner" und natürlich im Leopold-Museum im MQ Schiele und Klimt, Secession mit dem berühmten Beethoven-Fries von Gustav Klimt.
Stadtrundfahrt obligatorisch u.a. mit Besichtigung von Schloss Schönbrunn, und Abstecher zur Gasometer-City.
Von Schiele beeindrucken mich besonders die Gemälde und Zeichnungen mit Landschafts- und Städte-Motiven. Dazu muss ich erzählen, dass wir vor 1990 oft im Böhmerwald Urlaub machten und es mir Cesky Krumlov (Böhmisch Krumau) besonders angetan hatte, mit seiner damals noch unsanierten historischen Bausubstanz - und hier in Wien fand ich die Motive bei Schiele. Leider kommen in den Veröffentlichungen zu Egon Schiele die meisterhaften Bleistiftzeichnungen von Landschaft und Interior zu kurz, da immer und überall der Schwerpunkt auf seinen erotischen Darstellungen liegt.
Abends: Orgelkonzert im Stephansdom -Mozart, Franck, Bach - und als erster Höhepunkt: Kubanisches Feuerwerk mit den alten Herren von "The Bar at Buena Vista" im Museumsquartier, Sylvester-Menü miit netten Tischnachbarn aus München im Hotel "Regina" und dann raus auf den Sylvesterpfad. Wir schafften es wegen der Menschenmassen gar nicht mehr bis zum Hotel, sondern mußten uns auf der Straße mit Sekt versorgen und bis zum frühen Morgen dann gleich mitfeiern und mittanzen.
Empfehlungen für Gastronomie und Einkauf folgen später.
Erkennungszeichen für empfehlenswerte Wiener Cafés:- Kellner mit schwarzem Anzug und immer freundlich
- mindestens 10 internationale Zeitungen
- immer Wasser zum Kaffee.
Impressionen:
Die farbigen Lichtdekorationen bei Tag und Nacht


Am Tag danach:
Und zum Schluss alle guten Wünsche für 2008!
Alle Fotos: Peter Rost
Pünktlich zum Heiligabend ist hier der Schnee gekommen. Also dieses Jahr weiße Weihnacht. Und nun hoffen wir alle auf ein glückliches, friedliches und gesundes Neues Jahr 2008. Den Jahreswechsel werden S. und ich dieses Jahr auf Reisen verbringen.
Foto: P. Rost
Ende November flatterte die jährliche Einladung zum Kasseturm-Jubiläum in´s Haus und am 15. Dezember war es dann soweit - 45 Jahre Studentenklub Kasseturm. Der Kasseturm war gerade in den Anfangsjahren meines Studiums zweite Heimat für mich - beim Ausbau des ehemaligen HO-Kartoffellagers war ich dabei und ab Eröffnung - als Trompeter in der Oldtime Jazzband der HAB. Leider waren außer mir alle Bandmitglieder bereits im 5. Studienjahr und so war die Dixielandzeit bereits nach einem Jahr mit dem Diplom der angehenden Architekten zu Ende. Da ich aber parallel schon in der "bs-Combo" mitmischte, ging meine Amateur-Musiker-Karriere nahtlos weiter - ich brachte in die Rockband Swing und Dixieland ein.
Die Oldtimer zum HAB-Fasching, erkennbar an den selbstgemachten Hemden. Jedes Studienjahr hatte ein eigenes Motiv, deshalb habe ich als einziger ein dunkles Hemd ´(Hans Huckebein auf dem Rücken war unser Studienjahreserkennungszeichen, während die anderen Musiker aus dem 5. Studienjahr eine große Hand vorne trugen, beim Schlagzeuger erkennbar). Der Mann am Banjo war kein Architekturstudent, deshalb das weiße Hemd.
Foto: Archiv P. RostCa. 1962 kam ein junger Schauspiel-Azubi zur Band, die vor der Eröffnung des Kasseturmes in der "Schütze" (Internat der HAB Schützengasse 2) probte und spielte. Sein Name: Reiner Schöne. Mit Banjo und später Gitarre verstärkte er unsere Truppe, vor allen Dingen beim sagenhaften "Archie-Fasching". Da spielten wir fünf Tage und Nächte, aber das ist ein anderes Thema. Reiners weitere Karriere ist ja bekannt. Mitte der 60er Jahre kurz vor seinem Weggang traf ich ihn noch einmal bei Filmaufnahmen im Kasseturm, wo wir als Filmkapelle spielten - später im Film war allerdings nichts von uns zu sehen.
Foto: J. Müller
Und nun zum Jubiläum gastierte Reiner Schöne am Vorabend mit Stories und Songs - am Ort, wo Anfang der 60er Jahre"positive vibes, Good Vibrations, gute Klänge und gute Kumpels" die Atmosphäre prägten. Der Liederabend war ein "Heimspiel" und natürlich war der "lange Tatte" (so sein damaliger Spitzname) auch zur eigentlichen Geburtstagsfeier anwesend; gemeinsam mit einem anderen Kasseurm-Urgestein - Uli Gumpert - gab es eine Blues-Einlage.
Foto: P.Rost
Zur KJB (Kasseturm Jazzband) muß nicht viel gesagt werden, auch Dr. Meffert aus Berlin war selbstverständlich angereist. Aber auch hier eine Erinnerung von mir: An der Trompete spielt seit einigen Jahren mein erstes Vorbild, Erhard Cotta, zuletzt Konzertmeister am Theater Altenburg, jetzt im Ruhestand. Dieser Erhard Cotta, wenige Jahre älter als ich, stammt aus Großengottern bei Mühlhausen und so trafen wir uns schon Ende der 50er Jahre bei Schulparties. Die ersten Tanzmusiknoten bekam ich von ihm, unter anderem den "Mitternachtsblues", den ich wer weiß wie oft geblasen habe. Damals trompetete ich im Posaunenchor der Mühlhäuser Georgii-Kirche und ab der 11. Klasse in der Oberschulband. So trifft man sich wieder, inzwischen sind solche Jubiläen fast so etwas wie "Klassentreffen".
Foto: P. Rost
"Er war ein gut aussehender Junge mit einem schönen Lächeln und Hasenzähnen." So beschreibt Mustafa Wasiri, Direktor der ägyptischen Ausgrabungsstätte Tal der Könige den Leichnam des Pharao Tutanchamun, der in seinem Grab seit Anfang November nun der Schaulust des Touristenpublikums ausgesetzt wird. In einer klimatisierten Glashülle soll die Mumie des Pharao vor Zerfall und Zerstörung geschützt werden.
Aber warum muß die Hülle durchsichtig sein? Doch offensichtlich nur, um mehr Touristen anzulocken und deren Sensationsgier zu befriedigen. Kristina Bergmann schreibt im Feuilleton der "Neuen Züricher Zeitung", "dass die Ausstellung der Mumie an billige Sensationslust, an abstoßende Enthüllung, ja an Leichenschändung grenzt." Dabei hatte der Totenkult der alten Ägypter genau dies nicht zum Anliegen; die Toten sollten "sicher und gut begleitet in die andere Welt fahren" und nicht zu einer willkommenen Geldquelle für die Nachkommen werden. Spiegel-online: "Das in den Jahrtausenden schwarz gewordene Gesicht soll Touristen in das Tal der Könige im ägyptischen Luxor locken."
Noch ein anderer Aspekt beschäftigt mich, wenn ich die Bilder des toten Pharao sehe: Immer öfter und mit großer Intensität werden unsere Mythen und Geheimnisse entzaubert und in das Licht der Öffentlichkeit gerissen, aus Sensationslust und Geschäftssinn. Da wird z. B. die Titanic aus ihrem Dauerschlaf auf dem 4000 m tiefen Meeresgrund geweckt und gnadenlos ausgeschlachtet. Für ca. 35.000 € ist es möglich, in einer Kapsel zum Wrack hinab zu tauchen. Ken Marschall´s atemberaubende zeichnerische Darstellungen zeigen auch das nicht Sichtbare auf dem Meeresgrund und machen es zum banalen Bestandteil der medialen Sensationen. Eines der großen Geheimnisse, die Kinder und jung gebliebene Erwachsene so lieben, waren Suche und Entdeckung des Felsengrabes des Pharao Tutanchamun. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr mich als Schüler die Schilderungen der Archäologen über die Ausgrabungen fesselten (in der Kreisbibliothek Mühlhausen hatte mein großer Bruder ausgeliehen und mich mit lesen lassen: Howard Carter, Arthur Mace: Tutanchamun. Ein ägyptisches Königsgrab. 3 Bde. Leipzig 1927).
Die drei Bände haben mich mehr gelehrt über das Pharaonenreich als all die heute erhältlichen Prachtbände; sie waren authentisch und zeitnah, bei allem blieben Dunkel und Mysterium erhalten und faszinierte. Heute aber wird alles, auch ein Leichnam, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt und takt- und rücksichtsloser Schaulust preisgegeben.
Nameskartusche des Tutanchamun:
links der Thronname: NEB-CHEPERU-RE (Herr der Erscheinungsformen ist Re)
rechts die Namenskartusche: TUT-ANCH-AMUN (Lebendes Abbild des Amun)
Vor gut 30 Jahren verließ Bernhard Auge Weimar nach Schikanen und Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht. Bis dahin gehörte er zur Jazzfamilie in Weimar und spielte viele Jahre im Hotel "Elephant".Legendär waren die Freitagabende im Kaminzimmer bei Kerzenlicht und mit Swing, anfangs unter anderem auch mit dem "Schmitz-Trio". Vergangenen Sonnabend trafen wir uns nach über 30 Jahren wieder zur "öffentlichen Probe" im Ilmschlösschen, gemeinsam mit vielen gleichaltrigen Jazzfans. Die TLZ spricht von einem "Klassentreffen", natürlich, da ausschließlich Fans aus den 60er Jahren den bereits von den Bauhäuslern für ihre Faschingsfeiern genutzten Saal bevölkerten.
Bernhard Auge und Capo Mayer am Baß:
Ken Stewart am Schlagzeug:
Die gespielten Titel - überwiegend Evergreens aus dem klassischen Jazz-Themen-Repertoire - bewiesen wieder einmal ihre swingende Kraft und musikalische Originalität. Und man erinnert sich mit Wehmut, daß es in den 60er Jahren so viele Möglichkeiten in Bars und Tanzcafe´s gab, auch und vor allem in Weimar, um solche Musik zu hören und danach zu tanzen. Leider ist diese Kultur nicht mehr präsent; immer noch präsent aber ist diese Musik.
Solcherart "Klassentreffen" schaffen aber immer auch überraschende Begegnungen: diesmal freute ich mich auch Heini Lindauer wiederzusehen, den Mann mit der ersten elektronischen Orgel in Weimar - selbstgebaut und mit Röhren bestückt - was für ein Klang!
Hier ein Bild vom HAB-Fasching mit der "Jansig-Combo" 1961 und Heini heute:


(Übrigens: Der Mann am Baß - im Hintergrund verdeckt - ist Bernhard Auge!)
Am Sonnabend gab es noch eine kleine Überraschung: Bernhard Auge hatte ein 1807 gedrucktes, von Großherzog Carl August genehmigtes Gesangbuch mitgebracht, das von der Ilmschlösschen-Wirtin Christine Klostermann der Herzogin Anna Amalia Bibliothek als ein "Bausteinchen" übergeben werden soll.
Alle Fotos: Peter Rost
Vor fast 50 Jahren, im November 1959, wurde an der Friedrich-Schiller-Oberschule Weimar eine Band gegründet, die nach den musikalischen und geschäftlichen Leitern b (Bennewitz) und s (Schmidt)-combo genannt wurde und die bis weit in die 70er/80er Jahre in wechselnden Besetzungen spielte (bis 1972 war ich dabei, als Trompeter, Arrangeur und zeitweilig auch Bandleader). Klaus-Jürgen Bennewitz ist schon vor Jahren verstorben, nun folgte ihm auch der andere Bandgründer Dieter Schmidt und heute trafen sich Verwandte, Freunde, Kollegen und auch ehemalige Musikanten zur Trauerfeier auf dem Hauptfriedhof in Weimar. Allein die anwesenden Musiker hätten heute mehrere Bands besetzen können. Dieter war in Weimar stadtbekannt und hatte einen großen Freundeskreis.
Die neugegründete bs-combo 1959. Dieter Schmidt am Bass, "Benno" Bennewitz am Akkordeon.
Mein Einstieg war im Jahr 1961, nachdem ich während des "praktischen Jahres" vor dem eigentlichen Architekturstudium 1960 in der "Old Time Jazz Band" der HAB Weimar bis zu deren Auflösung mitwirkte. Dieter Schmidt leitete die bs-combo auch im denkwürdigen Mai 1965, als wir beim 2. zentralen Leistungsvergleich der Amateurtanzorchester der DDR in Magdeburg einen vorderen Platz belegten und als beste Band des damaligen Bezirks Erfurt ausgezeichnet wurden. Beim heutigen traurigen Anlass traf ich auch Artur Jansig - die "Jansig-Combo" im Klubhaus "Michael Niederkirchner" (heute "Volkshaus") und die "bs-combo" im "Ami", dem Jugendklubhaus, waren in den 60er Jahren die dominierenden und besten Bands in Weimar. Trotz Konkurrenz verband uns immer freundschaftliches Interesse und gegenseitige Anerkennung.
Vor zwei Jahren trafen sich auf Dieter´s Einladung nochmal die Gründer der bs-combo, ein Bericht darüber war in der Zeitung "Hallo Weimar zum Sonntag" vom 16. April 2005 zu lesen.
Die bs-combo 1961.
"Sterben ist nur eine Übergang aus dieser Welt in die andere, als wenn Freunde über See gehen, welche dennoch in einander fortleben. Denn Diejenigen, die im Allgegenwärtigen lieben und leben, müssen notwendig einander gegenwärtig seyn. In diesem göttlichen Spiegel sehen sie sich von Angesicht zu Angesicht und ihr Umgang ist sowohl frey als rein. Und wenn sie auch durch den Tod getrennt werden, so haben sie doch den Trost, das ihre Freundschaft und Gesellschaft ihnnen, dem besten Gefühle nach, beständig gegenwärtig bleibt, weil diese unsterblich ist."
William Penn: Früchte der Einsamkeit, Zweyte Abtheilung.
(Übersetzung von Friedrich von Schiller 1803)
Keep swinging, Dieter!
Foto: Peter Rost
In diesen Tagen wird in allen Medien über die Wiedereröffnung der Anna Amalia Bibliothek in Weimar nach Brand und Sanierung berichtet; die Fernsehübertragungswagen sind aufgefahren und auf der Wiese vor Schloss und Bibliothek wartet ein großes Zelt auf die Ehrengäste.Ich möchte die Gelegenheit nutzen, an einen Mann zu erinnern, dessen Leben unmittelbar mit dieser Bibliothek aufs Engste verflochten ist, der aber dennoch in der Geschichte des Hauses nur am Rande erwähnt wird, obwohl er sein ganzes berufliches Leben zwischen den Büchern und Bildern der Bibliothek verbrachte:
(Foto: Archiv Rost)
Am 1. Dezember 1905 trat Dr. Paul Ortlepp nach Beendigung seiner Studienzeit bei der damaligen Großherzoglichen Bibliothek als Volontär ein. Er hatte Kunstgeschichte, Philologie und Philosophie in Jena, Heidelberg und Berlin studiert und promovierte 1906 in Jena mit einer Arbeit über Sir Joshua Reynolds zur Geschichte der Ästhetik des 18. Jahrhunderts. 1907 wurde er zum Bibliothekar ernannt und wirkte unter den Direktoren Paul v. Bojanowski und Werner Deetjen. Bedeutsame Leistungen waren 1911 der Katalog der Kaiserin-Augusta-Ausstellung sowie Arbeiten über Schillers Privatbibliothek und Schiller als Nutzer der Großherzoglichen Bibliothek.Die Rassenpolitik des III. Reiches machte auch vor Familie Ortlepp nicht halt: In einem Schreiben des Reichsstatthalters in Thüringen an den Thüringer Ministerpräsidenten vom 22. Juni 1937 empfiehlt ein Dr. Oberländer, den Bibliotheksrat Dr. Paul Ortlepp nicht in seiner Stelle zu belassen, "Anlass dazu ist eine ungünstige politische Beurteilung über Ortlepp." Auch Denunziationen von Nachbarn werden erwähnt, die Ehefrau ist Jüdin. Im Zuge des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" wird Paul Ortlepp zum 31. Dezember 1937 in den Ruhestand versetzt, da er die Trennung von seiner jüdischen Ehefrau verweigert. 1943 wird Lucy Ortlepp in Auschwitz ermordet.1945 wurde Dr. Paul Ortlepp rehabilitiert und von Hermann Brill am 12. Mai 1945 zum Direktor der Landesbibliothek ernannt. Seine Pläne zur Entwicklung der Bibliothek konnte er nicht mehr umsetzen; am 24. Juli 1945 starb er frisch operiert an den Folgen der Räumung des Sophien-Krankenhauses durch die Rote Armee. In seinem Beitrag "Die Thüringische Landesbibliothek 1919 - 1968" ("Herzogin Anna Amalia Bibliothek - Kulturgeschichte einer Sammlung" 1999 Stiftung Weimarer Klassik) schildert Roland Bärwinkel, wie Ortlepp das in Kisten und Körben verpackte Hab und Gut einer Jüdin, Susanne Türk, die im Oktober 1933 aus Deutschland fliehen mußte, in der Bibliothek neben der Habe Maria Pawlownas unterbrachte und so über die Nazizeit rettete.
Arbeitsplatz in der Bibliothek (Foto: Archiv Rost)
Wenn am 24. Oktober 2007 die Wiederauferstehung der (nunmehr) "Herzogin Anna Amalia Bibliothek" gefeiert wird, soll dieses Schicksal stellvertetend an die wechselvolle Geschichte des Hauses und seiner kostbaren Bücher erinnern.
Das Wohnhaus der Familie Ortlepp 1927 in Weimar - damals auch ein Stein des Anstosses. Heute wohnen wir darin. Aber das ist bereits eine andere Geschichte. (Foto: Archiv Rost)
Dieser Tag sollte ein besonderer sein und ist inzwischen Alltag geworden. Dankbar erinnert man sich an die ungewöhnlich warme Oktobernacht vom 2. zum 3. Oktober 1990, als wir mit vielen Weimarern und Gästen von "drüben" Bank und Tisch in der Altstadt belegten und dem ungewissen Neuen entgegen sahen. Unser neugegründetes Architekturbüro war bereits 3 Monate alt, Arbeit war da in Hülle und Fülle und eine große Aufbruchstimmung war allerorten zu spüren. Beim Betrachten der Bilder von den offiziellen Feierlichkeiten am heutigen 3. Oktober in Schwerin überdecken die vielen zwischenzeitlichen Entwicklungen die Festtagslaune.Ein Geschenk bekam ich aber: Am späten Abend erwischte ich eine Sendung des Bildungskanals des Bayerischen Rundfunks BR alpha (einer meiner Lieblingssender) über Jazz in der DDR. Es handelte sich um die Wiederholung einer Sendung des SWR von 1988, moderiert von Karl-Heinz Drechsel. Darunter eine Aufnahme mit der Free-Jazz-Formation "Zentralquartett" (!) mit Conny Bauer, Petrowski, Baby Sommer und - natürlich: Uli Gumpert. Uli´s musikalische Anfänge während des Studiums in Weimar fielen in meine aktive Zeit Anfang der 60er Jahre und wir haben zeitweise gemeinsam in der Oldtime Jazz Band der HAB Weimar gespielt. Unser größter Auftritt war ein Jazzkonzert gemeinsam mit einer polnischen Dixieland-Band im Saal der Verwaltungsschule vor vollem und begeistertem Haus und natürlich waren wir beim legendären Weimarer Hochschulfasching immer dabei.
Das letzte Mal haben wir uns 2004 getroffen - beim Konzert in der "Alten Mälzerei" in Eisenach im Rahmen der 11. Thüringer Jazzmeile - "Uli Gumpert´s Hammond Organ Projekt" mit Uschi Brüning und Ernst-Ludwig Petrowski war angesagt und groß war die Wiedersehensfreude. Solche Musikerfreundschaften halten oft ein Leben lang, auch wenn man sich selten sieht und die Wege irgendwann auseinandergehen.
Ein Foto aus den "wilden 60ern".
"In wunderlichem Bogen wuchs der Birke Ast zunächst nach unten, dann nach oben."
So beginnt Christiane Weber ihren Beitrag in "Villen in Weimar (2)" über unser Haus und seine früheren Bewohner. Den "anmutigen Haken" hat ein überlebender Ast einer vor langer Zeit abgebrochenen Birke an der Straßenseite des Grundstücks geschlagen, der vom Lebenswillen des morschen Baumstumpfs zeugte und seltsamerweise jedes Jahr von Neuem ergrünte, obwohl der Rest des Baumes schon weitgehend abgestorben war. In diesem Jahr aber vertrocknete dieser Ast ebenfalls und endgültig; er drohte auf Passanten und Autos abzustürzen und so mussten wir dieses Wahrzeichen schweren Herzens beseitigen lassen. Verbunden damit haben wir auch Linde und Pappel vor unserem Haus einer fachmännischen Verjüngung unterzogen, im Herbst folgen die sehr alten Obstbäume im Garten. Nach fast 40 Jahren, in denen unser Garten nach vielem Auf und Ab seine heutige Gestalt erhielt, wird der Einsatz von Säge und Schere dringend notwendig, um Gehölzen und Pflanzungen mehr Licht und Luft zu verschaffen und neues Wachstum anzuregen. Zur Pflege gehört auch das Schneiden und Ausgraben; nicht alles entwickelt sich nach den Vorstellungen des Gärtners und so muss er dann und wann eingreifen.
Zufällig fällt diese Verjüngungskur auf einen Zeitpunkt, der auch einen neuen Lebensabschnitt bei S. und mir einläutet: In diesem Jahr beenden wir unsere beruflichen Laufbahnen und wechseln schrittweise in den "Pensionärs-Status", wobei dies nicht mit "Ruhestand" gleichzusetzen ist. Beide wollen wir uns auf unseren Arbeits- und Interessengebieten weiter beschäftigen, nur in anderem Rahmen und mit neuer Schwerpunktsetzung. So soll die Veränderung im Erscheinungsbild unserer Bäume gleichsam den Beginn eines neuen Abschnittes in unserem Leben markieren. Vorläufig sind wir vollauf damit beschäftigt, uns wieder an uns ohne Kinder, Arbeit und Verantwortung zu gewöhnen.
Die lange Pause in diesem Blog war dem diesmal ausführlichem Jahresurlaub geschuldet; demnächst mehr über Erlebnisse und Entdeckung im Norden unseres Landes.