Ausstellung "Hannah Höch - Aller Anfang ist DADA"
Einer der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen der klassischen Moderne, der in Gotha geborenen Hannah Höch (1889 - 1978), ist die Ausstellung "Hannah Höch - Aller Anfang ist DaDa!" (vom 6. April bis 2. Juli 2007) gewidmet. Gerade noch rechtzeitig vor Schließung der Ausstellung konnten wir (die Familie) die großartige Schau mit ca. 160 Arbeiten aus allen Werkperioden, aber vorrangig aus der dadaistischen Phase und der Zeit nach 1922 erleben. Für meine eigenen Versuche auf dem Gebiet der Collage sind Hannah Höch und Kurt Schwitters die entscheidenden Vorbilder und Anreger - und so war ich sehr gespannt auf die Ausstellung.
Nach dem Tod der Künstlerin konnte die 1975 gegründete Berlinische Galerie ihr umfangreiches Archiv erwerben - es enthält neben den Kunstwerken biografisches Material, die Korrespondenz der Malerin sowie Manuskripte, Bücher und Fotografien, Vorlagenalben und sonstige von ihr gesammelte und aufbewahrte Untrelagen aller Art. Das Archiv wird in einer mehrbändigen Edition "Hannah Höch. Eine Lebenscollage" veröffentlicht. Die ersten beiden Ausgaben umfassen die Jahre 1889 - 1920 und 1921 - 1945 und befinden sich bereits in meiner Bibliothek.
Einige Aspekte haben mich besonders berührt:
Kubus 1926
Erstens die gezeigten großformatigen Ölbilder. Bisher habe ich die größeren Bildwerke weniger beachtet - Hannah Höch thematisiert die in den 20er Jahren aktuellen Beziehungsprobleme zwischen Mann und Frau sowie Rollenerwartungen und Geschlechterstereotype und ihre Collagen bedeuteten mir rein formal mehr. In dieser Ausstellung werden aber aus der Collage kommende surrealistische und nur ästhetischen Maßstäben verpflichtende Darstellungen mit rein abstrakten Kompositionen gezeigt, die mich tief berühren und einen ganz neuen Blick auf die künstlerische Qualität dieser ermöglichen. Mit dem abstrakten Expressionismus dieser Bilder ist sie voll auf der Höhe der Zeit.
Zweitens: Hannah Höch hat oft farbige Motive aus Illustrierten und Katalogen als Ausgangsmaterial für ihre Collagen genutzt. In der Vorkriegszeit sind diese Farbdrucke aus der Warenwelt noch vergleichsweise wenig farbintensiv und oft verschwommen. Dazu kommt die natürliche Alterung der verwendeten Papiere, sodass eine milde Patina auf den Collagen aus dieser Zeit liegt. Ebenso geht es mir - ältere Bildwerke aus den 60er und 70er Jahren sind schon etwas verblichen und expressive Farben gemildert. Dabei gewinnen die Papierbilder; ich habe sogar schon vergilbte Papiere für meine Collagen verwendet, um diesen Effekt zu erzielen. Collagen aus Papieren heutiger Hochglanzillustrierten zeigen zu farbige, glänzende und scharfgezeichnete Darstellungen, die eine ganz andere Collagetechnik und -aussage voraussetzen. Sie kommen vor allem bildhaften, erzählerischen Motiven entgegen, bei rein abstrakten Gestaltungen sind sie mit Vorsicht zu verwenden.
Die Ausstellung zeigt zwei DaDa-Puppen der Hannah Höch; Puppen sind bei vielen Künstlern eigene Werkgruppen, die vielleicht nicht den Anspruch großer Kunstwerke erheben, aber doch die künstlerische und gesellschaftliche Entwicklung dieser Jahre spiegeln. Ich denke da an Paul Klee, der zwischen 1916 und 1925 für seinen Sohn Felix rund 50 Handspielpuppen fertigte oder an Pablo Picasso, der in den 50er Jahren mit den Puppen für seine Tochter Paloma wahre Meisterwerke schuf. Puppen waren auch oft Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung, so wie bei den Weimarer Malern Alexander von Szpringer (1889 - 1969) und Otto Herbig (1889 - 1971). Diesem Thema - Künstler und Puppen - sollte man einmal nachgehen.
Diese Ausstellung hat wieder Lust auf Arbeit geweckt, seit den 80er Jahren habe ich wenige Collagen gefertigt und einige Motive liegen noch unvollendet im Schrank. Seit der Wende hatten andere Dinge Priorität, aber nun zeichnet sich langsam wieder Zeit und Gelegenheit ab. Für diese umfassende Werkschau der Hannah Höch bin ich sehr dankbar.
Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Am 23. und 24. Juni 2007 war endlich kurz vor Toresschluss Gelegenheit zum Besuch der Hannah-Höch-Ausstellung in der Berlinischen Galerie - am 2. Juli schließt die Ausstellung.
Dieses "Kunst Museum Berlin" war für uns eine große Entdeckung; für mich als Architekt interessierte natürlich auch das Gebäude in der Alten Jakobstraße 124 - 128 in Berlin-Kreuzberg. Ein ehemaliges Glaslager von 1965, eine 11 m hohe Halle mit einer Grundfläche von 60 x 60 m, mit Bürogebäude und Vorbau innerhalb eines Wohngebietes, das in den 80er Jahren im Rahmen der IBA entstand, wurde nach Entwürfen des Architekten Jörg Fricke als Museum in nur einem Jahr Bauzeit umgebaut und am 22. Oktober 2004 eröffnet. Der Entwurf Frickes hat die schlichte Klarheit des industriellen Zweckbaus weitgehend erhalten. Der Innenraum der Halle mit 10 m Höhe wird durch ein eingebautes Galeriegeschoss in zwei Ebenen gegliedert und durch eine diagonal verlaufende den Raum kreuzende Freitreppe erschlossen. Die obere Ebene ist weitgehend wandfrei, um variable Aufstellungen von flexiblen Stellwandsystemen zu ermöglichen.
Für den Außenraum wurde gemeinsam mit der Senatsverwaltung ein Wettbewerb zwischen eingeladenen Künstlern ausgelobt, in dessen Ergebnis zwei Gestaltungsvorschläge realisiert wurden:
- Die Bodengestaltung und Möblierung übernahm das Architektenteam Kühn Malvezzi. Das auf dem gesamten Vorplatz angelegte 80 m lange Buchstabenfeld (gelb auf schwarz) zeigt die Namen von in der Sammlung des Museums vertretenen Künstlern.
- Der Berliner Künstler Fritz Balthaus entwarf mit seinem Vorschlag "marked space - unmarked space" eine Gestaltungskonzeption für das gesamte Gebäudeensemble.
Blickpunkt der Außenanlage ist eine große Plastik des Bildhauerpaares Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff "Dreiheit" 1993 aus Chromnickelstahl-Rohrbündeln, die Assoziationen an naturhaftes Wachstum wecken und auf den Oberflächen vielfältige Effekte von Licht und Farbe ermöglichen.
Das ganze Gebäudeensemble stellt eine meisterhaft gelungene städtebauliche Lösung im Wohngebiet dar und zeigt, welche Möglichkeiten auch bei kleinem Finanzbudget bei Umbau und Anpassung vorhandener Bausubstanz bestehen können, wenn sensibel mit ihr umgegangen wird. Die städtebaulich-künstlerische Gestaltungskonzeption von Fritz Balthaus setzt sich mit dem Thema Präsentation der Kunst auseinander und bindet den Gebäudekomplex in sein Umfeld ein bei gleichzeitiger Betonung der gehörigen Aufmerksamkeit.
Auch zu jedem anderen Zeitpunkt ist das Museum einen Besuch wert, es präsentiert in Berlin entstandene Kunst von 1870 bis heute, also von Secession und Dada bis zur zeitgenössischen kreativen Szene Berlins. Selbstverständliche Angebote wie Sonderausstellungen, Archiv, Bibliothek, Café und Museums-Shop komplettieren das Angebot.
Alle Fotos: Peter Rost
Eine alberne Überschrift, glauben Sie? Sehen Sie doch mal, was die Bundesbank im letzten Monatsbericht zum besten gibt: danach hat jeder von uns ca. 200.000 Euro auf der Kante.
Weiteres auf
Sixty Five.
Das Stadtmuseum Weimar zeigt in einer Sonderausstellung "Nackte Musen. Weibliche Aktmodelle um 1900."
Dr. Alf Rößner, Leiter des Stadtmuseums, ist auch Kurator der Sonderausstellung. In eineinhalb- jähriger Arbeit hat er aus dem Nachlass des Weimarer Kunstmalers Heinrich Plühr (1859 - 1953) ca. 500 Glasnegative mit von Plühr angefertigten Stereo-Aktaufnahmen erschlossen und für diese Ausstellung aufbereitet.Heinrich Plühr, der ab 1883 als Schüler von Max Thedy an der Weimarer Kunstschule studierte, gilt als letzter Künstler der Weimarer Malerschule. Sein künstlerisches Werk ist heute in Weimar nahezu in Vergessenheit geraten. Nach einer Lithographenlehre arbeitete er später als Photograph und "Retoucher." Diese Kenntnisse setzte er bei seinen Stereofotos als Vorstufe für Gemälde ein; sie haben einen eigenen künstlerischen Stellenwert und zeigen Heinrich Plühr als Meister auch dieser künstlerischen Technik. Die Bilder stammen größtenteils aus der sog. "Böcklin-Phase" des Malers, einer Schaffensperiode um 1900 bis zum Ende des 1. Weltkrieges, in der sich Plühr an den Werken Arnold Böcklins (1827 - 1901) orientierte.
Die Ausstellung zeigt Fotoabzüge der Stereofotos; als besondere Attraktion aber Stereoskopien auf Glas in einem großen schwarz bemalten Holzkasten mit Lochpaaren zum Hineinsehen. Neben diesen Stereo-Foto-Karten, die man mit Lorgnetten (einfachen Prismen-/Lupenbrillen) betrachten kann, wurden die Originalfotos vergrößert als Anaglyphenbilder aufbereitet. Bei dieser Technik wird jedes Halbbild jeweils mit einer Komplementärfarbe versehen übereinander projiziert oder gedruckt und mit einer Brille in genau diesen Farben betrachtet: rot - links, cyan - rechts. Dieses Anaglyphenverfahren (Anaglyph = reliefartig, ziseliert, erhaben) entwickelten unabhängig voneinander 1853 der Naturwissenschaftler Wilhelm Rollmann und 1858 J. Ch. D´Almeida.
Die Aufbereitung der Stereofotografien für die Ausstellung übernahmen Jürgen Postel und Peter Kaiser (Perspectrum Nürnberg) für die Echtfarben-Anaglyphendarstellung. Letzterer hat auch kleine Betrachtungsstereoskope aus Pappe mit eingeklebter "Nackten" angefertigt, die käuflich erworben und als Postsendung verschickt werden können
Die Ausstellung wird komplettiert mit einigen Porträts von Heinrich Plühr und Ausstattungsgegenständen aus den Beständen des Stadtmuseums, um die intime Atelieratmosphäre zu unterstreichen, in der die Fotos entstanden sind. Ein ausführlicher Katalog mit der stereoskopischen Wiedergabe aller Aktfotos (500 nummerierte Exemplare wurden aufgelegt) vervollständigt diese kleine, aber feine Ausstellung. Sie ist geöffnet vom 9. Juni bis 9. September 2007.
Heinrich und Emma Plühr 1895
Heinrich Plühr und auch seine zweite Ehefrau Katharina verbrachten ihre letzten Lebensjahre in Weimar in Armut. Völlig mittellos erhielten sie erst 1951 (Heinrich Plühr) bzw. 1954 (Katharina Plühr) Altersrenten von 65,- bzw. 80,- DM. Plühr starb am 5. Januar 1953. Seine Grabstätte ist inzwischen neu belegt.
Nachbemerkung: Wer sich für Stereofotografie interessiert, findet alles erforderliche Zubehör bei Peter Kaiser in Nürnberg in seinem Perspektrum 3D-Shop (perspektrum.de). Informativ auch 3dphoto.
Hier ist unsere Entscheidung für den Sonnabend Abend: ins Kino anstatt zur Museumsnacht.
Zu den Piratenfilmen bin ich durch den Soundtrack gekommen; im Autoradio hatte ich das Piratenthema des ersten Films "Fluch der Karibik" gehört und aufmerksam geworden, in der Playlist von mdr-figaro gefunden. Da ich von den sinfonischen Klängen mit "der Subtilität einer glühenden Kanonenkugel" gefesselt war, folgte der Kauf der CD´s mit der Musik von Klaus Badelt. Badelt, 1968 in Frankfurt am Main geboren, begann seine Karriere mit Musik für Werbespots und Videospielen. Musik zu den Fernsehfolgen "Peter Strohm" und "Tatort" waren erste Erfolge. 1997 landete er in den Studios von Hans Zimmer in Kalifornien und seitdem ging es nur aufwärts. Die Soundtracks der beiden Fortsetzungen von "Fluch der Karibik" basieren unverkennbar auf der Arbeit zum ersten Film, allerdings wird nur in der CD zum ersten Film Klaus Badelt als Komponist ausgewiesen, die anderen tragen den Namen Zimmer als Komponist. Die musikalische Idee des ersten Films und seine durchschlagende Qualität wird aber meiner Meinung nach in den Fortsetzungen nicht mehr erreicht. Nur das Piraten-Thema scheint immer wieder einprägsam auf, sodass es bereits auch außerhalb der Filme gespielt wird.
Klaus Badelt ist in Deutschland bis heute für viele kein Begriff. Zur Frage nach seiner musikalischen Ausbildung antwortet er: "Ich habe das Abitur - und den Führerschein."
"In einer neuen architektonischen Person erlangt Vision Wirklichkeit. Eine Traumgeschichte wird zur Realität. Herkömmliche Verhältnisse und Sichtweisen werden außer Kraft gesetzt. Traditionelle Werte und innovative Evolution fügen sich zu einem Charisma, das in Bann nimmt, das fordert. Symbole erleben Transformation. Offenkundig selbstbewußt operieren Maßstäbe wider die Norm. Nicht statisch gesetzt, sondern in Reaktion und Interaktion. Körper werden immateriell, Bewegung erhält Körperlichkeit. Die Handlungsmaxime: Kompetenz und Know-how, Präzision und Dynamik sind nicht mehr nur theoretische Faktoren, sondern werden praktisch erfahrbar. In der kreativen Weite offener Dimensionen weiten sich Perspektiven zu Visionen."
Beschreibung eines westfälischen Bürohauses in einer "Capital"-Beilage. (Quelle: Deutsches Architektenblatt Ausgabe Ost Nr. 06/07)
Am 23. Mai wurde in Weimar vor der Marienstraße 16 ein erster "Stolperstein" zur Erinnerung an den in Theresienstadt an den Folgen von Deportation und NS-Terror gestorbenen Weimarer Cellisten und Musikpädagogen Eduard Rosé gesetzt. Die "Stolpersteine" sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das von diesem 1997 ins Leben gerufen wurde. Ein etwa 10 x 10 x 10 cm großer Quader trägt eine Messingplatte, in die der Schriftzug "Hier wohnte..." und Name und Lebensdaten des jüdischen NS-Opfers eingraviert werden. Diese Platten werden im Gehweg vor den ehemaligen Wohnungen eingepflastert.Auch in Jena und Ilmenau wurden am 22. und 23. Mai solche "Stolpersteine" gesetzt, am 26. Mai folgte Altenburg. In Weimar wurde dazu ein Initiativkreis gegründet, dem das Bürgerbündnis gegen Rechts, die Netzwerkstelle, das Soziokulturelle Zentrum Gerberstraße und Stattreisen angehören.
Gunter Demnig wurde 1947 in Berlin geboren, nach dem Studium von Kunstpädagogik, Industrial Design und Freier Kunst entwickelte er bereits 1993 den Entwurf für das Kunstprojekt "Stolpersteine". Die erste illegale (später legalisierte) Verlegung eines solchen "Stolpersteins" erfolgte 1997 in Berlin-Kreuzberg. Inzwischen sind 11.500 Steine in 236 Ortschaften in Deutschland, Österreich und Ungarn verlegt worden. 2005 erhielt Gunter Demnig für seine Aktivitäten das Bundesverdienstkreuz.
Verlegung in Weimar am 23. Mai
Foto: TLZWarum ich über diese Aktion in meinem Blog schreibe?
Schon lange tragen wir uns mit dem Gedanken, einen solchen Stolperstein vor unserem Hauseingang setzen zu lassen - zur Erinnerung an die jüdische Malerin Lucy Ortlepp geb. Bock, die hier lebte und 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Seit einigen Jahren recherchiere ich Leben und Werk der in Weimar schon fast vergessenen Künstlerin und arbeite gegenwärtig an den Vorbereitungen für eine Monografie. Um die Erinnerung an diese Frau und ihr Schicksal wachzuhalten, haben wir Christiane Weber für ihre Veröffentlichungen "Villen in Weimar" Unterlagen zur Verfügung gestellt (in Band 2 aufgenommen). Auch für den Band über jüdische Familien in Weimar der Weimarer Schriften sind dem Autor Harry Stein Angaben und Fotos bereitgestellt worden. Auf die Geschichte der Lucy Ortlepp bin ich bei den baugeschichtlichen Untersuchungen unseres Hauses gestoßen.
Voraussichtlich im Mai 2008 startet in Weimar die nächste Aktion des Künstlers - dann werden wir mit dabei sein.
Nun stimmt zwar die Reihenfolge nicht mehr, aber berichten möchte ich dennoch vom Konzert des A-Capella-Chores Zürich in der Stadtkirche St. Michael in Jena am 27. Mai 2007. Wir haben ja extra unseren Besuch im Spiegelzelt um einen Tag verschoben, um die Züricher Freunde zu hören und wieder zu treffen. Das Konzert war gut besucht, die Kirche voll und die Zuhörer begeistert. Ohne Zugaben ging es nicht und der Beifall war lang anhaltend. Auf den Gesichtern der Chormitglieder widerspiegelte sich die Freude über die herzliche Aufnahme und die tolle Atmosphäre in der Kirche. Auch beim ersten Gastkonzert war der Besuch sehr gut, wie uns der Chorleiter Piergiuseppe Snozzi berichtete.
Nach dem Konzert waren wir (S. und ich) eingeladen zu einem Essen im Hotel "Zur Noll" in der Oberlauengasse, einer historischen Schankwirtschaft, die sich zu einem Hotel mit Gastronomie entwickelt hat und eine erste Adresse in Jena geworden ist. In der restaurierten Bohlenstube kamen alle Sängerinnen und Sänger unter; das Essen war vorzüglich und die Stimmung fantastisch. Anderntags ging es mit Bahn zurück nach Zürich - 8 Stunden Fahrt mit Umsteigen.
Der Chor finanziert seine Auftritte und Reisen selbst, auf Gagen wird verzichtet und die Kollekte des Abends erhält die jeweilige Kirchgemeinde für ein soziales Projekt.
Im Konzert war der Schwerpunkt natürlich Palestrina, aber für viele Zuhörer ist der Portugiese Manuel Cardoso (1566 - 1650) noch zu entdecken, da sein umfangreiches Werk erst vor wenigen Jahrzehnten erschlossen wurde. Cardoso lebte als Mönch im musikfreundlichen Karmeliter Konvent in Lissabon, wo er auch als Organist und Chorleiter wirkte. Pierguiseppe Snozzi hat sich in den letzten Jahren sehr um die Verbreitung Cardosos verdient gemacht; in jedem Konzert werden Werke Cardosos aufgeführt.
Pause nach angestrengter Arbeit am 3. Mai 2007 (Gartenmauer am Goethehaus).
Foto: Peter Rost
Heute möchte ich mich wieder einmal meinem eigentlichen Interesse widmen: der Collage. Dazu eine Vorabinformation über einen geplanten Ausstellungsbesuch in Berlin - der Ausstellung "Hannah Höch - Aller Anfang ist DaDa!"
vom 6. April bis 2. Juli 2007 in der Berlinischen Galerie, die ja den Nachlass der Künstlerin betreut und damit auch den größten Anteil an Exponaten stellt. Es werden ca. 160 Arbeiten aus allen Werkperioden präsentiert. Aus dem Ankündigungstext: "Beginnend mit wichtigen Fotomontagen aus der DaDa-Zeit, über die bedeutende, Ausgang der zwanziger Jahre entstandene Serie ´Aus dem ethnografischen Museum´bis hin zu den Pop Art inspirierten Klebearbeiten der 60er Jahre findet die Collage als genuine Ausdrucksform Höchs besondere Berücksichtigung."
Ergänzend werden private Korrespondenz, Fotos und persönliche Notizen dargeboten.
Nun heißt es sich sputen, denn viel Zeit bleibt nicht mehr - nur ca. ein Monat, dann sind die Werke wieder im Archiv verschwunden.
Natürlich lud das herrliche Wanderwetter am Himmelsfahrttag zu einer ausgedehnten Wanderung im Saaletal bei Bad Kösen ein. Mit den Ehepaaren J. und G. zogen wir zu den Saaleburgen Rudelsburg und Saaleck und zu Mittag ins "Himmelreich", einer bekannten Ausflugsgaststätte auf dem gegenüberliegenden Saaleufer hoch oben über dem Fluß. Hier hat man einen schönen Blick auf die Saaleburgen über einem Muschelkalksteilhang und in das Saaletal.
Da Fotos der Burgen in jedem Thüringer Fotoalbum zu finden sind, mal einige nicht so bekannte Motive:
Auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg der Rudelsburg wurden Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Denkmäler durch Korpsstudenten errichtet:die Gefallenensäule zu Ehren der im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Corpsstudenten (Pfingsten 1872 geweiht) - das erste studentische Denkmal Deutschlands überhaupt,
der Kaiser-Wilhelm-Obelisk (1890),das Jung-Bismarck-Denkmal (1895/96) - Bismarck als Corpsstudent - Einweihung des Nachgusses 2006,
und das Löwendenkmal von dem Berliner Bildhauer Prof. Hermann Hosaes zum Andenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Corpsstudenten (1926).


Alle diese Denkmäler wurden nach der Wiedervereinigung restauriert bzw. neu errichtet.Im Hof der Rudelsburg war natürlich heftiges Biertrinken mit der entsprechenden Geräuschkulisse angesagt, etwas aufgelockert durch junge Tänzerinnen, die unter entsprechendem Gejohle eine Showtanz-Einlage zur Aufmunterung der Himmelfahrtstrinker lieferten.
Eine tolle Überraschung war die Ankunft von Fahrzeuggespannen mit alten Lanz-Bulldogs, die liebevoll restauriert ihr typisches Glühkopfmotorengetuckere ertönen ließen. Diese von der Firma Heinrich Lanz Aktiengesellschaft in Mannheim Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts gebauten Traktoren waren zu ihrer Zeit ein Riesenerfolg auf Grund ihrer Einfachheit und Robustheit und, weil sie mit Rohöl betrieben werden konnten und weder Ventile, Vergaser noch Getriebe benötigten. Von dem Entwickler des Motors, dem Ingenieur Dr. Fritz Huber stammt der legendär gewordene Satz: "Ein Schlepper kann nicht einzylindrig genug sein."

Also kamen auch die Technik-Freaks an diesem Tag auf ihre Kosten und wir Wanderer natürlich sowieso.
Alle Fotos: P. Rost
Bauvorhaben am "Platz Adolf Hitlers" und Ersatzwohnbauten in der "X-Straße"Noch ein Wort zur Ferdinand-Freiligrath-Straße in Weimar. Diese Bebauung entstand erst in den 30er Jahren als Ersatzwohnungsbau für den Bau des Gauforums Weimar. Mit dem Bau des Gauforums am ehemaligen Carl-August-Platz begann man ganze Stadtteile am Rand der Weimarer Altstadt abzureissen. Der amtierende Stadtbaurat und Beauftragte des Gauleiters für die Baugestaltung im Gau Thüringen, Rudolf Rogler forderte: "Weimar muss mit neuem Impuls gefüllt werden!". Nach den Berechnungen der Architekten fielen den gigantischen Umbaumaßnahmen 150 Häuser mit 445 Wohnungen, 52 Läden und 27 Werkstätten zum Opfer. Als Ersatz sollten u.a. 134 Wohnungen in der jetzigen Ferdinand-Freiligrath-Straße geplant werden.Während die Bauten am Adolf-Hitler-Platz durch das Büro des Wettbewerbspreisträgers Prof. Hermann Giesler geplant und errichtet wurden, plante der Architekt Willem Bäumer die platzartig aufgeweitete "X-Straße", die heutige Ferdinand-Freiligrath-Straße, die im Kontrast zum streng geschlossenen Ensemble des Gauforums den historisierenden Vorbildern nachempfunden war und statt einer Machtdemonstration "kleinstädtische Gemütlichkeit und behagliche Biedermeierkeit" vermitteln sollte. So entstanden "in wenigen Jahren dicht nebeneinander zwei völlig unterschiedliche Teile der Stadt, die ... so ein exemplarisches Zeugnis der Gleichzeitigkeit verschiedener Bauauffassungen im Nationalsozialismus der Nachwelt erhält." (Werner Durth/Winfried Nerdinger: Architektur und Städtebau der 30er/40er Jahre - Schriftenreihe des Nationalkomitees für Denkmalschutz Bd. 46 - 1993)
Die Bebauung der Straße ist bis heute in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten. Am Rand der Altstadt stellt sie auch in der nun erneuerten Oberflächen- gestaltung eine Idylle dar, bevor sie sich zum "Weimar-Atrium", der mehrmals und nun vorerst endgültig zum Konsumtempel umgebauten "Halle der Volksgemeinschaft", öffnet.
Während unseres kurzen Aufenthalts in der Schweiz waren Esther und Piergiuseppe Snozzi aus Zürich zu Gast bei A. und P. Piergiuseppe Snozzi leitet den A-Capella-Chor Zürich, mit dem beide im Mai 2005 in Thüringen waren. Einem Konzert in der Severikirche in Erfurt folgte ein abendliches Treffen mit dem ganzen Chor und am 16. Mai vor der Heimreise eine Stadtführung in Weimar, bei der ich auch "Nebenschauplätze" zeigen konnte und damit viel Interesse weckte. Die Auftrittsorte wurden ein Jahr vorher beim ersten Besuch des Ehepaares ausgewählt und ausprobiert. Unser Kontakt mit beiden kam dadurch zustande, dass P. einige Jahre im Züricher Chor sang.
Piergiuseppe Snozzi stammt aus dem Tessin und leitete lange Jahre den von Prof. Dr. Walter Rüsch 1947 gegründeten Coro Palestrina Locarno nach dessen Tod, um die geistliche Musik des 16. und 17. Jahrhunderts zu pflegen. Inzwischen konzentriert sich "Piero" nur noch auf den A-Capella-Chor Zürich. Mittelpunkt des Chorrepertoirs bildet das Werk Palestrinas, aber auch Werke Cardosos, Viadanas, Allegris und anderer werden regelmäßig aufgeführt.
Piergiuseppe Snozzi:"Ich bin überzeugt, dass diese meditative Musik gerade uns heutige Menschen fasziniert durch ihre schwerelose Durchsichtigkeit und ihr gleichmaßiges Strömen."
Klang und Raum und das Tempo erhalten besonderes Augenmerk in der Interpretation des Chores.
"Kritiker und Musikwissenschaftler haben zwar schon viel diskutiert, ´wie´ man Musik aufführen soll, aber noch wenig darüber, ´wo´das geschehen soll. Der Ort, wo eine Musikaufführung stattfindet, ist keineswegs unwichtig und müsste demnach einen direkten Einfluss auf das ´Wie´haben....
... Musik kann durch einen Ortswechsel an Qualität einbüssen. So entgeht uns leicht, dass ein guter Teil der ´klassischen´Musik heute in Konzertsälen aufgeführt wird, wie es sie noch gar nicht gab, als sie komponiert wurde (vor 1850). Werden nun Werke von Vivaldi oder Haydn in solchen Sälen aufgeführt, so wird die Musik dieser beiden Komponisten an Orten aufgeführt, wofür sie nicht gedacht waren. Was macht das für einen Unterschied? Je nachdem ist er beträchtlich oder nur bescheiden. Denken wir an die Resonanz, an den Hall eines Raumes. Die Präludien und Fugen des ´wohltemperierten Clavicembalos´von J. S. Bach haben eine eher rasche Akkordabfolge. Das ist so, hält Kurt Blaukopf in seinem Werk "Musik im Wandel der Gesellschaft 1982" fest, weil diese Musikstücke für ein Tasteninstrument gedacht waren, die in eher kleinen Räumen ohne Echo aufgeführt wurden, so dass keine Gefahr bestand, dass sich die rasch folgenden Akkorde überlagerten und Missklänge erzeugten. Man kann sich also gut vorstellen, wie anders diese Stücke schon in einem mittelgroßen Saal klingen. Die Kantaten und Passionen von J. S. Bach hingegen sind für die Aufführung in einer Kirche gedacht und haben darum einen weniger dichten harmonischen Rhythmus, so dass sie sich für Räume mit etwas Nachhall besser eignen. ..." (Marcello Sorce Keller)
Tempowahl und Art der Aufführung nehmen immer Rücksicht auf die Klangverhältnisse der Kirchen, in denen der Chor auftritt. Das gewählte "Tempo" steht demnach nicht nur in Bezug auf die Komposition, sondern auch auf den Ort. Deshalb werden die akustischen Verhältnisse vor Ort geklärt und ausprobiert, ehe eine Entscheidung für oder gegen den Auftrittsort gefällt wird. Dabei sind auch Positionen von Sängern und Publikum von Bedeutung. Diese nicht neue Erkenntnis wird leider selten in die Tat umgesetzt. Die Komponisten des späten Mittelalters und der Renaissance haben ihre Messen und Motetten für bestimmte Kathedralen komponiert und dabei die Akustik dieser Räume berücksichtigt, in denen Töne erst nach einigen Sekunden verklingen. Piergiuseppe Snozzi dirigiert seinen Chor im Bewußtsein dieser Zusammenhänge.
Es wird ein Wiedersehen mit den Snozzis und dem Züricher Chor geben: zu Pfingsten 2007 in der Michaeliskirche in Jena und im Naumburger Dom. Selbstverständlich werden wir in Jena am Pfingstmontag dabei sein. Übrigens war der Auftritt 2005 überschattet von einem tragischen Unfall: Piergiuseppe stürzte in Erfurt und verletzte sich schwer, so dass er mit den Nachwirkungen noch bis Anfang 2007 zu kämpfen hatte.
Ein Rückblick auf die April-Farben im Garten: eine frühe Berberitze.
Dieser April bescherte uns ein herrliches Frühlingswetter mit viel Sonnenschein und kaum Regen. Die Bauern fürchteten schon um eine Missernte bei ausbleibender Feuchtigkeit. Besonders betroffen wären Gerste, Weizen und Zuckerrüben, was eine Erhöhung des Bierpreises im Herbst nach sich zeihen könnte. Aber seit dieser Woche haben wir Aprilwetter - im Mai. Heute ist übrigens der erste "Eisheilige":
11.5. Mamertus
12.5. Pankratius
13.5. Servatius
14.5. Bonifatius
und zum Schluss am 15.5. die "kalte Sophie". Wenn es gegenwärtig auch nicht so aus sieht, gerade im Zeitraum um den 12. bis 14. Mai fallen die Temperaturen häufig rapide ab, wodurch es Bodenfrost geben kann. Das Motto heute:
Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz.
Was unserer Regierung alles so einfällt: "Fit statt Fett" heißt jetzt das Regierungsprogramm und soll uns die körperliche Ertüchtigung für Flexibilität, Belastbarkeit und Anpassung an die Erfordernisse der Wirtschaft verordnen. Das Wort "kostengünstig" fehlt noch, ist wohl aber der eigentliche Hintergrund. Der Weg zur wirtschaftlichen Verwertung des Einzelnen in unserer Gesellschaftspolitik wird immer deutlicher: "Wir werden überwacht, kontrolliert und drangsaliert und man legt uns nahe, wie wir unser Leben ... am effektivsten zu gestalten hätten" ("Pillo" im Forum der Tagesschau). Ein Vorschlag aus dem gleichen Forum: "... Allgemein verpflichtende, jährlich stattfindende amtsärztliche Reihenuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr einführen, die gegebenenfalls Nachschulungen der Eltern zur Folge hätten."
Bin ich froh, dass die Regierung auf Verordnungen und Strafen (vorerst) verzichten will.
Ab zum Mittagessen!
Das verlängerte Wochende vom 27. April bis 1. Mai dieses Jahres verbrachten wir im 580 km entfernten Wangs (eigentlich Vilters-Wangs) in der Schweiz; es war ein lange fälliger Besuch im neuen Domizil von A. und P. mit dem kleinen L., unserem Enkel. In der Schweiz Vorzeigewetter wie zu Hause in Deutschland, fast schon Hochsommer, auch was die Vegetation angeht. Vilters-Wangs liegt am Westhang des Rheintals im Kanton St. Gallen in der Region Sarganserland und der Ferienregion "Heidiland", ist eigentlich ein Dorf, entstanden aus dem Zusammenschluss der Orte Vilters (1872 Einwohner) und Wangs (2204 Einwohner) und leicht erreichbar über die Autobahn Bregenz - Chur. Die Dörfer verdanken ihre Lage in der einmaligen Flusslandschaft Rheinau den Dorfbächen und stehen auf Schuttkegeln. In vergangenen Jahrhunderten gab es in der Region schwere Schäden durch Pest (14. und 17. Jahrhundert), katastrophale Überschwemmungen und Dorfbrände (1800 in Vilters) sowie Hunger und Elend. Deshalb verwundert es nicht, dass im 19. Jahrhundert viele Einwohner nach Amerika auswanderten.Der Hausberg des Ortes ist der "Gonzen" mit 1.829 m (auf dem Foto oben rechts, in der Fortsetzung der Bergkette auf dem Foto die sogenannten "Churfirsten").
Ein chinesischer Hartriegel (cornus causa) in voller Blüte, bei uns im Weimarer Garten kann man nur erste Knospenansätze bestaunen.
Obligatorisch ein Besuch im nahe gelegenen Chur, der ältesten Stadt der Schweiz mit 5.000 Jahren Siedlungsgeschichte und Hauptstadt des angrenzenden Kantons Graubünden (siehe auch mein Post zu Hildesheimer vom 5. April 2007, der ja in Graubünden an der Grenze zu Italien lebte).
Ein Ausflug führte uns zum Walensee, dem "See der Welschen", so genannt, da er im Frühmittelalter die Sprachgrenze zwischen Alamannen im Westen und Rätoromanen, den "Welschen", im Osten markierte. Bei ca. 24 km² Oberfläche beträgt seine größte Tiefe 151 m; da er rundum von über 1.000 m hohen Felsen umgeben ist, nördlich von der imposanten Bergkette der "Churfirsten", hat er eine niedrigere Wassertemperatur als andere Seen der Umgebung.
Ein Höhepunkt der Tage in Wangs war ein Besuch des Ehepaares Snozzi aus Zürich; aber davon später.
Alle Fotos: Peter Rost