16. September 2007

Ein neuer Abschnitt

"In wunderlichem Bogen wuchs der Birke Ast zunächst nach unten, dann nach oben."
So beginnt Christiane Weber ihren Beitrag in "Villen in Weimar (2)" über unser Haus und seine früheren Bewohner. Den "anmutigen Haken" hat ein überlebender Ast einer vor langer Zeit abgebrochenen Birke an der Straßenseite des Grundstücks geschlagen, der vom Lebenswillen des morschen Baumstumpfs zeugte und seltsamerweise jedes Jahr von Neuem ergrünte, obwohl der Rest des Baumes schon weitgehend abgestorben war. In diesem Jahr aber vertrocknete dieser Ast ebenfalls und endgültig; er drohte auf Passanten und Autos abzustürzen und so mussten wir dieses Wahrzeichen schweren Herzens beseitigen lassen. Verbunden damit haben wir auch Linde und Pappel vor unserem Haus einer fachmännischen Verjüngung unterzogen, im Herbst folgen die sehr alten Obstbäume im Garten. Nach fast 40 Jahren, in denen unser Garten nach vielem Auf und Ab seine heutige Gestalt erhielt, wird der Einsatz von Säge und Schere dringend notwendig, um Gehölzen u
nd Pflanzungen mehr Licht und Luft zu verschaffen und neues Wachstum anzuregen. Zur Pflege gehört auch das Schneiden und Ausgraben; nicht alles entwickelt sich nach den Vorstellungen des Gärtners und so muss er dann und wann eingreifen.

Zufällig fällt diese Verjüngungskur auf einen Zeitpunkt, der auch einen neuen Lebensabschnitt bei S. und mir einläutet: In diesem Jahr beenden wir unsere beruflichen Laufbahnen und wechseln schrittweise in den "Pensionärs-Status", wobei dies nicht mit "Ruhestand" gleichzusetzen ist. Beide wollen wir uns auf unseren Arbeits- und Interessengebieten weiter beschäftigen, nur in anderem Rahmen und mit neuer Schwerpunktsetzung. So soll die Veränderung im Erscheinungsbild unserer Bäume gleichsam den Beginn eines neuen Abschnittes in unserem Leben markieren. Vorläufig sind wir vollauf damit beschäftigt, uns wieder an uns ohne Kinder, Arbeit und Verantwortung zu gewöhnen.

Die lange Pause in diesem Blog war dem diesmal ausführlichem Jahresurlaub geschuldet; demnächst mehr über Erlebnisse und Entdeckung im Norden unseres Landes.

7. August 2007

Fundstück



Immer wieder gibt es Klagen über unvorsichtiges und nicht regelgerechtes Verhalten der Weimarer (insbesondere studentischen) Radfahrer gegenüber Fußgängern. Offensichtlich ist das keine neue Erscheinung; bereits 1923 schreibt die Landeszeitung:

" Rüpelhaft benahm sich Donnerstagnachmittag in der Windischenstraße ein Radfahrer gegenüber einem ruhig seines Weges gehenden Herrn, den der scheinbar mehr als unsichere Radfahrer beinahe angefahren hatte. Trotzdem der Herr gar keine Notiz von dem Sonntagsradfahrer nahm, ließ dieser eine widerliche Schimpfkanonade los, die bewies, wie roh und ordinär heute manche Menschen sein können. Eigentlich sollten derartig unsichere Radfahrer sofort polizeilich festgestellt werden, denn manchmal stellen sich dabei die sonderbarsten Überraschungen heraus."

Anmerkung:
Diesen Zeitungsausschnitt hat wohl auch unser Innenminister gelesen und daraufhin seinen Vorschlag für "Verdachtsunabhängige Pauschalkontrollen" gemacht. Wie das aussieht, beschreibt Udo Vetter in seinem "law blog" vom 19. Februar 2007:
"Die niedersächsische Polizei sperrte in der Nacht zum Samstag bei Göttingen die komplette A 7 in Fahrtrichtung Hannover. Sechs Stunden lang wurden alle Autofahrer auf die Raststätte Göttingen-Ost umgeleitet und von 120 Polizisten überprüft.... Parallel zur Großkontrolle auf der Rastanlage kontrollierten weitere Funkstreifen die an den Anschluss- stellen Hann-Münden und Dramfeld abfahrenden Verkehrsteilnehmer. Der Vollsperrung zeitlich versetzt vorgelagert war darüber hinaus eine Geschwindigkeitskontrolle.... Die Totalkontrolle war Teil der Aktion "Don´t drug & drive".

26. Juli 2007

Die Deutsche Bahn AG und die nackten Musen

Die TLZ vom 26.07.07 hat das Plakat "entschärft".




Die Deutsche Bahn AG lehnte es ab, das Werbeplakat des Stadtmuseums Weimar für die Ausstellung mit den Stereo-Aktfotos von Heinrich Plühr in ihren für Reklamezwecke eingerichteten Schaukästen in der Bahnhofshalle Weimar auszustellen. Begründung: "Verstoß gegen Anstand, Sitte und Moral". Bei der Deutschen Eisenbahnreklame in Kassel wurde der TLZ auf Nachfrage erklärt: "zu sexistisch". Das Plakat zeigt eines der nackten Modelle Plührs - eine Kunstfotografie von 1890. Man sollte es nicht glauben - so eine Auffassung im Jahr 2007!

Zwanzig Meter weiter - im Zeitungsshop der Bahnhofshalle - ist eine ganze Regalwand wie überall in solchen Shops und Kiosken "prall" gefüllt mit den aufreizendsten Darstellungen auf den Titelblättern der einschlägigen Magazine und Hefte - das zeigt die ganze Scheinheiligkeit und Dummdreistigkeit der Verantwortlichen der Bahn: was dem Verkaufserfolg dient, und sei es noch so primitiv und abstoßend, wird toleriert; aber eine künstlerische Darstellung von für heutige Maßstäbe geradezu harmloser Natürlichkeit wäre den Bahnkunden nicht zuzumuten.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Weimar zeigt auch überregional Aufmerksamkeit und großes Interesse - glücklicherweise ist das Publikum weitaus aufgeklärter und aufgeschlossener als die verklemmten Bedenkenträger der Deutschen Bahn AG.
Und noch etwas: Man erinnere sich an das "Nein" der Bahn zur Ausstellung über die Kindertransporte in die Konzentrationslager - auch hier sollten die Bahnhofshallen klinisch sauber bleiben. Im Vorfeld des unseligen Börsengangs der Bahn soll möglichst jede nicht ins Bild passende Aufmerksamkeit vermieden werden.

siehe auch: Post vom 19. Juni 2007 "Nackte Musen".

15. Juli 2007

Ungarische Nacht 2007

Kurzes Resümee:
Wunderschöner Abend mit Atmosphäre im Park, am schönsten nach Sonnenuntergang. Leider Gastronomie und "kulinarische" Versorgung nicht über DDR-Standard mit Papptellern und Plastebechern. Der herrliche Abend lud geradezu ein zum Verweilen und Flanieren auch nach Konzertende; aber die Versorgungsstände schlossen sofort und das Publikum strömte aus dem Park, offensichtlich auf der Suche nach einem gastronomischen Ausklang des schönen Abends in der Weimarer Innenstadt.

Was mich nachträglich beschäftigte, war musikalischer Art: Carl St. Clair begann den Abend, wie denn auch anders, mit Brahms Ungarischen Tänzen Nr. 1, 5 und 6. Alle drei waren für meine Belange zu langsam und ohne ungarisches Feuer dargeboten. Ich besitze zwei Schallplatten mit den Ungarischen Tänzen, eine Aufnahme mit dem Gewandhausorchester Leipzig unter Kurt Masur (aufgenommen 1981 im Studio Paul-Gerhardt-Kirche in Leipzig) und eine mit dem Budapest Festival Orchestra mit Iván Fischer (Hungaroton 1985). Die ungarische Fassung ist ungleich hinreißender musiziert, nicht zuletzt durch den Einsatz einer Zimbel wird der volkstümliche Charakter unterstützt.

Brahms veröffentlichte 21 ungarische Tänze: die ersten Zehn im Jahre 1869, die zweite Serie 1880. Ihre ursprüngliche Fassung: Klavier zu vier bzw. zwei Händen. Die Tänze haben sich in mehr als 100 Jahren in zahlreichen Transkriptionen auf der ganzen Welt verbreitet, leider nicht immer zu ihrem Besten. Iván Fischer schreibt dazu:

"Um die Jahrhundertwende wurden die Ungarischen Tänze unglaublich populär, sie wurden in fast jeder bürgerlichen Familie gespielt. So ist es kein Wunder, daß von fast allen Orchestertranskriptionen gefertigt wurden. In der Hand derer, die sie instrumentierten, wurden aus den einfachen Liedern, den Klageliedern und den frischen Csárdás sinfonische Effektstücke, sie verloren ihre ursprüngliche Würze. Deshalb mußten wir viele Transkriptionen umarbeiten, daß sie uns an Brahms´ Klavierstücke erinnern sollen, mehr noch auf die volkstümliche Intonation, die dem alten Brahms so sehr gefallen hat. Zu den meissten Tänzen improvisiert die Zimbel eine `Begleitung`, deren Praxis sich seit hundert Jahren nicht geändert hat."

Im Konzert musizierte als Gast aus Ungarn auch das Carpatian Folk Quartett. Und als letzte Zugabe wurde einer der Tänze vom Beginn noch einmal gemeinsam aufgeführt - und jetzt spürte man etwas von dem mitreißenden Vortragsstil der Zigeunerkapellen. Entstanden aus den sog. "Verbunkos" (Werbungstänzen, als Begleiterscheinung der Soldatenwerbung in Ungarn um 1750) findet man in den gesungenen oder instrumentalen Tanzstücken Stileinflüsse des Islam, des Nahen Orient, des Balkan und - durch Zigeuner vermittelt - der slawischen Musik neben Elementen neuerer italienischer und Wiener Musik und der traditionellen ungarischen Volksmusik.

Wer also diese Unmittelbarkeit in der Musik liebt, sollte versuchen, diese Hungaroton Platte SLPD 12 571 von 1985 noch irgendwo zu erwerben.

Zum Konzert noch ein Nachtrag: Die Schülerin des Musikgymnasiums Belvedere, Ute Klemm, begeisterte auf der Violine bei Pablo de Sarasate: Zigeunerweisen für Violine und Orchester op. 20.

28. Juni 2007

Hannah Höch in Berlin - Teil 2

Ausstellung "Hannah Höch - Aller Anfang ist DADA"

Einer der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen der klassischen Moderne, der in Gotha geborenen Hannah Höch (1889 - 1978), ist die Ausstellung "Hannah Höch - Aller Anfang ist DaDa!" (vom 6. April bis 2. Juli 2007) gewidmet. Gerade noch rechtzeitig vor Schließung der Ausstellung konnten wir (die Familie) die großartige Schau mit ca. 160 Arbeiten aus allen Werkperioden, aber vorrangig aus der dadaistischen Phase und der Zeit nach 1922 erleben. Für meine eigenen Versuche auf dem Gebiet der Collage sind Hannah Höch und Kurt Schwitters die entscheidenden Vorbilder und Anreger - und so war ich sehr gespannt auf die Ausstellung.

Nach dem Tod der Künstlerin konnte die 1975 gegründete Berlinische Galerie ihr umfangreiches Archiv erwerben - es enthält neben den Kunstwerken biografisches Material, die Korrespondenz der Malerin sowie Manuskripte, Bücher und Fotografien, Vorlagenalben und sonstige von ihr gesammelte und aufbewahrte Untrelagen aller Art. Das Archiv wird in einer mehrbändigen Edition "Hannah Höch. Eine Lebenscollage" veröffentlicht. Die ersten beiden Ausgaben umfassen die Jahre 1889 - 1920 und 1921 - 1945 und befinden sich bereits in meiner Bibliothek.

Einige Aspekte haben mich besonders berührt:

Kubus 1926
Erstens die gezeigten großformatigen Ölbilder. Bisher habe ich die größeren Bildwerke weniger beachtet - Hannah Höch thematisiert die in den 20er Jahren aktuellen Beziehungsprobleme zwischen Mann und Frau sowie Rollenerwartungen und Geschlechterstereotype und ihre Collagen bedeuteten mir rein formal mehr. In dieser Ausstellung werden aber aus der Collage kommende surrealistische und nur ästhetischen Maßstäben verpflichtende Darstellungen mit rein abstrakten Kompositionen gezeigt, die mich tief berühren und einen ganz neuen Blick auf die künstlerische Qualität dieser ermöglichen. Mit dem abstrakten Expressionismus dieser Bilder ist sie voll auf der Höhe der Zeit.

Zweitens: Hannah Höch hat oft farbige Motive aus Illustrierten und Katalogen als Ausgangsmaterial für ihre Collagen genutzt. In der Vorkriegszeit sind diese Farbdrucke aus der Warenwelt noch vergleichsweise wenig farbintensiv und oft verschwommen. Dazu kommt die natürliche Alterung der verwendeten Papiere, sodass eine milde Patina auf den Collagen aus dieser Zeit liegt. Ebenso geht es mir - ältere Bildwerke aus den 60er und 70er Jahren sind schon etwas verblichen und expressive Farben gemildert. Dabei gewinnen die Papierbilder; ich habe sogar schon vergilbte Papiere für meine Collagen verwendet, um diesen Effekt zu erzielen. Collagen aus Papieren heutiger Hochglanzillustrierten zeigen zu farbige, glänzende und scharfgezeichnete Darstellungen, die eine ganz andere Collagetechnik und -aussage voraussetzen. Sie kommen vor allem bildhaften, erzählerischen Motiven entgegen, bei rein abstrakten Gestaltungen sind sie mit Vorsicht zu verwenden.

Die Ausstellung zeigt zwei DaDa-Puppen der Hannah Höch; Puppen sind bei vielen Künstlern eigene Werkgruppen, die vielleicht nicht den Anspruch großer Kunstwerke erheben, aber doch die künstlerische und gesellschaftliche Entwicklung dieser Jahre spiegeln. Ich denke da an Paul Klee, der zwischen 1916 und 1925 für seinen Sohn Felix rund 50 Handspielpuppen fertigte oder an Pablo Picasso, der in den 50er Jahren mit den Puppen für seine Tochter Paloma wahre Meisterwerke schuf. Puppen waren auch oft Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung, so wie bei den Weimarer Malern Alexander von Szpringer (1889 - 1969) und Otto Herbig (1889 - 1971). Diesem Thema - Künstler und Puppen - sollte man einmal nachgehen.

Diese Ausstellung hat wieder Lust auf Arbeit geweckt, seit den 80er Jahren habe ich wenige Collagen gefertigt und einige Motive liegen noch unvollendet im Schrank. Seit der Wende hatten andere Dinge Priorität, aber nun zeichnet sich langsam wieder Zeit und Gelegenheit ab. Für diese umfassende Werkschau der Hannah Höch bin ich sehr dankbar.

Hannah Höch in Berlin - Teil 1

Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur


Am 23. und 24. Juni 2007 war endlich kurz vor Toresschluss Gelegenheit zum Besuch der Hannah-Höch-Ausstellung in der Berlinischen Galerie - am 2. Juli schließt die Ausstellung.

Dieses "Kunst Museum Berlin" war für uns eine große Entdeckung; für mich als Architekt interessierte natürlich auch das Gebäude in der Alten Jakobstraße 124 - 128 in Berlin-Kreuzberg. Ein ehemaliges Glaslager von 1965, eine 11 m hohe Halle mit einer Grundfläche von 60 x 60 m, mit Bürogebäude und Vorbau innerhalb eines Wohngebietes, das in den 80er Jahren im Rahmen der IBA entstand, wurde nach Entwürfen des Architekten Jörg Fricke als Museum in nur einem Jahr Bauzeit umgebaut und am 22. Oktober 2004 eröffnet. Der Entwurf Frickes hat die schlichte Klarheit des industriellen Zweckbaus weitgehend erhalten. Der Innenraum der Halle mit 10 m Höhe wird durch ein eingebautes Galeriegeschoss in zwei Ebenen gegliedert und durch eine diagonal verlaufende den Raum kreuzende Freitreppe erschlossen. Die obere Ebene ist weitgehend wandfrei, um variable Aufstellungen von flexiblen Stellwandsystemen zu ermöglichen.

Für den Außenraum wurde gemeinsam mit der Senatsverwaltung ein Wettbewerb zwischen eingeladenen Künstlern ausgelobt, in dessen Ergebnis zwei Gestaltungsvorschläge realisiert wurden:

- Die Bodengestaltung und Möblierung übernahm das Architektenteam Kühn Malvezzi. Das auf dem gesamten Vorplatz angelegte 80 m lange Buchstabenfeld (gelb auf schwarz) zeigt die Namen von in der Sammlung des Museums vertretenen Künstlern.
- Der Berliner Künstler Fritz Balthaus entwarf mit seinem Vorschlag "marked space - unmarked space" eine Gestaltungskonzeption für das gesamte Gebäudeensemble.


Blickpunkt der Außenanlage ist eine große Plastik des Bildhauerpaares Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff "Dreiheit" 1993 aus Chromnickelstahl-Rohrbündeln, die Assoziationen an naturhaftes Wachstum wecken und auf den Oberflächen vielfältige Effekte von Licht und Farbe ermöglichen.

Das ganze Gebäudeensemble stellt eine meisterhaft gelungene städtebauliche Lösung im Wohngebiet dar und zeigt, welche Möglichkeiten auch bei kleinem Finanzbudget bei Umbau und Anpassung vorhandener Bausubstanz bestehen können, wenn sensibel mit ihr umgegangen wird. Die städtebaulich-künstlerische Gestaltungskonzeption von Fritz Balthaus setzt sich mit dem Thema Präsentation der Kunst auseinander und bindet den Gebäudekomplex in sein Umfeld ein bei gleichzeitiger Betonung der gehörigen Aufmerksamkeit.

Auch zu jedem anderen Zeitpunkt ist das Museum einen Besuch wert, es präsentiert in Berlin entstandene Kunst von 1870 bis heute, also von Secession und Dada bis zur zeitgenössischen kreativen Szene Berlins. Selbstverständliche Angebote wie Sonderausstellungen, Archiv, Bibliothek, Café und Museums-Shop komplettieren das Angebot.

Alle Fotos: Peter Rost

20. Juni 2007

"Die Deutschen werden immer reicher"

Eine alberne Überschrift, glauben Sie? Sehen Sie doch mal, was die Bundesbank im letzten Monatsbericht zum besten gibt: danach hat jeder von uns ca. 200.000 Euro auf der Kante.
Weiteres auf
Sixty Five.

19. Juni 2007

"Nackte Musen"

Das Stadtmuseum Weimar zeigt in einer Sonderausstellung "Nackte Musen. Weibliche Aktmodelle um 1900."
Dr. Alf Rößner, Leiter des Stadtmuseums, ist auch Kurator der Sonderausstellung. In eineinhalb- jähriger Arbeit hat er aus dem Nachlass des Weimarer Kunstmalers Heinrich Plühr (1859 - 1953) ca. 500 Glasnegative mit von Plühr angefertigten Stereo-Aktaufnahmen erschlossen und für diese Ausstellung aufbereitet.


Heinrich Plühr, der ab 1883 als Schüler von Max Thedy an der Weimarer Kunstschule studierte, gilt als letzter Künstler der Weimarer Malerschule. Sein künstlerisches Werk ist heute in Weimar nahezu in Vergessenheit geraten. Nach einer Lithographenlehre arbeitete er später als Photograph und "Retoucher." Diese Kenntnisse setzte er bei seinen Stereofotos als Vorstufe für Gemälde ein; sie haben einen eigenen künstlerischen Stellenwert und zeigen Heinrich Plühr als Meister auch dieser künstlerischen Technik. Die Bilder stammen größtenteils aus der sog. "Böcklin-Phase" des Malers, einer Schaffensperiode um 1900 bis zum Ende des 1. Weltkrieges, in der sich Plühr an den Werken Arnold Böcklins (1827 - 1901) orientierte.

Die Ausstellung zeigt Fotoabzüge der Stereofotos; als besondere Attraktion aber Stereoskopien auf Glas in einem großen schwarz bemalten Holzkasten mit Lochpaaren zum Hineinsehen. Neben diesen Stereo-Foto-Karten, die man mit Lorgnetten (einfachen Prismen-/Lupenbrillen) betrachten kann, wurden die Originalfotos vergrößert als Anaglyphenbilder aufbereitet. Bei dieser Technik wird jedes Halbbild jeweils mit einer Komplementärfarbe versehen übereinander projiziert oder gedruckt und mit einer Brille in genau diesen Farben betrachtet: rot - links, cyan - rechts. Dieses Anaglyphenverfahren (Anaglyph = reliefartig, ziseliert, erhaben) entwickelten unabhängig voneinander 1853 der Naturwissenschaftler Wilhelm Rollmann und 1858 J. Ch. D´Almeida.

Die Aufbereitung der Stereofotografien für die Ausstellung übernahmen Jürgen Postel und Peter Kaiser (Perspectrum Nürnberg) für die Echtfarben-Anaglyphendarstellung. Letzterer hat auch kleine Betrachtungsstereoskope aus Pappe mit eingeklebter "Nackten" angefertigt, die käuflich erworben und als Postsendung verschickt werden können

Die Ausstellung wird komplettiert mit einigen Porträts von Heinrich Plühr und Ausstattungsgegenständen aus den Beständen des Stadtmuseums, um die intime Atelieratmosphäre zu unterstreichen, in der die Fotos entstanden sind. Ein ausführlicher Katalog mit der stereoskopischen Wiedergabe aller Aktfotos (500 nummerierte Exemplare wurden aufgelegt) vervollständigt diese kleine, aber feine Ausstellung. Sie ist geöffnet vom 9. Juni bis 9. September 2007.

Heinrich und Emma Plühr 1895Heinrich Plühr und auch seine zweite Ehefrau Katharina verbrachten ihre letzten Lebensjahre in Weimar in Armut. Völlig mittellos erhielten sie erst 1951 (Heinrich Plühr) bzw. 1954 (Katharina Plühr) Altersrenten von 65,- bzw. 80,- DM. Plühr starb am 5. Januar 1953. Seine Grabstätte ist inzwischen neu belegt.

Nachbemerkung: Wer sich für Stereofotografie interessiert, findet alles erforderliche Zubehör bei Peter Kaiser in Nürnberg in seinem Perspektrum 3D-Shop (perspektrum.de). Informativ auch 3dphoto.

4. Juni 2007

Museumsnacht kontra Piraten der Karibik

Hier ist unsere Entscheidung für den Sonnabend Abend: ins Kino anstatt zur Museumsnacht.

Zu den Piratenfilmen bin ich durch den Soundtrack gekommen; im Autoradio hatte ich das Piratenthema des ersten Films "Fluch der Karibik" gehört und aufmerksam geworden, in der Playlist von mdr-figaro gefunden. Da ich von den sinfonischen Klängen mit "der Subtilität einer glühenden Kanonenkugel" gefesselt war, folgte der Kauf der CD´s mit der Musik von Klaus Badelt. Badelt, 1968 in Frankfurt am Main geboren, begann seine Karriere mit Musik für Werbespots und Videospielen. Musik zu den Fernsehfolgen "Peter Strohm" und "Tatort" waren erste Erfolge. 1997 landete er in den Studios von Hans Zimmer in Kalifornien und seitdem ging es nur aufwärts. Die Soundtracks der beiden Fortsetzungen von "Fluch der Karibik" basieren unverkennbar auf der Arbeit zum ersten Film, allerdings wird nur in der CD zum ersten Film Klaus Badelt als Komponist ausgewiesen, die anderen tragen den Namen Zimmer als Komponist. Die musikalische Idee des ersten Films und seine durchschlagende Qualität wird aber meiner Meinung nach in den Fortsetzungen nicht mehr erreicht. Nur das Piraten-Thema scheint immer wieder einprägsam auf, sodass es bereits auch außerhalb der Filme gespielt wird.

Klaus Badelt ist in Deutschland bis heute für viele kein Begriff. Zur Frage nach seiner musikalischen Ausbildung antwortet er: "Ich habe das Abitur - und den Führerschein."

1. Juni 2007

Fundstück

"In einer neuen architektonischen Person erlangt Vision Wirklichkeit. Eine Traumgeschichte wird zur Realität. Herkömmliche Verhältnisse und Sichtweisen werden außer Kraft gesetzt. Traditionelle Werte und innovative Evolution fügen sich zu einem Charisma, das in Bann nimmt, das fordert. Symbole erleben Transformation. Offenkundig selbstbewußt operieren Maßstäbe wider die Norm. Nicht statisch gesetzt, sondern in Reaktion und Interaktion. Körper werden immateriell, Bewegung erhält Körperlichkeit. Die Handlungsmaxime: Kompetenz und Know-how, Präzision und Dynamik sind nicht mehr nur theoretische Faktoren, sondern werden praktisch erfahrbar. In der kreativen Weite offener Dimensionen weiten sich Perspektiven zu Visionen."

Beschreibung eines westfälischen Bürohauses in einer "Capital"-Beilage. (Quelle: Deutsches Architektenblatt Ausgabe Ost Nr. 06/07)

"Stolperstein" in Weimar

Am 23. Mai wurde in Weimar vor der Marienstraße 16 ein erster "Stolperstein" zur Erinnerung an den in Theresienstadt an den Folgen von Deportation und NS-Terror gestorbenen Weimarer Cellisten und Musikpädagogen Eduard Rosé gesetzt. Die "Stolpersteine" sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das von diesem 1997 ins Leben gerufen wurde. Ein etwa 10 x 10 x 10 cm großer Quader trägt eine Messingplatte, in die der Schriftzug "Hier wohnte..." und Name und Lebensdaten des jüdischen NS-Opfers eingraviert werden. Diese Platten werden im Gehweg vor den ehemaligen Wohnungen eingepflastert.
Auch in Jena und Ilmenau wurden am 22. und 23. Mai solche "Stolpersteine" gesetzt, am 26. Mai folgte Altenburg. In Weimar wurde dazu ein Initiativkreis gegründet, dem das Bürgerbündnis gegen Rechts, die Netzwerkstelle, das Soziokulturelle Zentrum Gerberstraße und Stattreisen angehören.

Gunter Demnig wurde 1947 in Berlin geboren, nach dem Studium von Kunstpädagogik, Industrial Design und Freier Kunst entwickelte er bereits 1993 den Entwurf für das Kunstprojekt "Stolpersteine". Die erste illegale (später legalisierte) Verlegung eines solchen "Stolpersteins" erfolgte 1997 in Berlin-Kreuzberg. Inzwischen sind 11.500 Steine in 236 Ortschaften in Deutschland, Österreich und Ungarn verlegt worden. 2005 erhielt Gunter Demnig für seine Aktivitäten das Bundesverdienstkreuz.


Verlegung in Weimar am 23. Mai

Foto: TLZ

Warum ich über diese Aktion in meinem Blog schreibe?
Schon lange tragen wir uns mit dem Gedanken, einen solchen Stolperstein vor unserem Hauseingang setzen zu lassen - zur Erinnerung an die jüdische Malerin Lucy Ortlepp geb. Bock, die hier lebte und 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Seit einigen Jahren recherchiere ich Leben und Werk der in Weimar schon fast vergessenen Künstlerin und arbeite gegenwärtig an den Vorbereitungen für eine Monografie. Um die Erinnerung an diese Frau und ihr Schicksal wachzuhalten, haben wir Christiane Weber für ihre Veröffentlichungen "Villen in Weimar" Unterlagen zur Verfügung gestellt (in Band 2 aufgenommen). Auch für den Band über jüdische Familien in Weimar der Weimarer Schriften sind dem Autor Harry Stein Angaben und Fotos bereitgestellt worden. Auf die Geschichte der Lucy Ortlepp bin ich bei den baugeschichtlichen Untersuchungen unseres Hauses gestoßen.

Voraussichtlich im Mai 2008 startet in Weimar die nächste Aktion des Künstlers - dann werden wir mit dabei sein.

31. Mai 2007

A-Capella-Chor Zürich in Jena

Nun stimmt zwar die Reihenfolge nicht mehr, aber berichten möchte ich dennoch vom Konzert des A-Capella-Chores Zürich in der Stadtkirche St. Michael in Jena am 27. Mai 2007. Wir haben ja extra unseren Besuch im Spiegelzelt um einen Tag verschoben, um die Züricher Freunde zu hören und wieder zu treffen. Das Konzert war gut besucht, die Kirche voll und die Zuhörer begeistert. Ohne Zugaben ging es nicht und der Beifall war lang anhaltend. Auf den Gesichtern der Chormitglieder widerspiegelte sich die Freude über die herzliche Aufnahme und die tolle Atmosphäre in der Kirche. Auch beim ersten Gastkonzert war der Besuch sehr gut, wie uns der Chorleiter Piergiuseppe Snozzi berichtete.
Nach dem Konzert waren wir (S. und ich) eingeladen zu einem Essen im Hotel "Zur Noll" in der Oberlauengasse, einer historischen Schankwirtschaft, die sich zu einem Hotel mit Gastronomie entwickelt hat und eine erste Adresse in Jena geworden ist. In der restaurierten Bohlenstube kamen alle Sängerinnen und Sänger unter; das Essen war vorzüglich und die Stimmung fantastisch. Anderntags ging es mit Bahn zurück nach Zürich - 8 Stunden Fahrt mit Umsteigen.
Der Chor finanziert seine Auftritte und Reisen selbst, auf Gagen wird verzichtet und die Kollekte des Abends erhält die jeweilige Kirchgemeinde für ein soziales Projekt.

Im Konzert war der Schwerpunkt natürlich Palestrina, aber für viele Zuhörer ist der Portugiese Manuel Cardoso (1566 - 1650) noch zu entdecken, da sein umfangreiches Werk erst vor wenigen Jahrzehnten erschlossen wurde. Cardoso lebte als Mönch im musikfreundlichen Karmeliter Konvent in Lissabon, wo er auch als Organist und Chorleiter wirkte. Pierguiseppe Snozzi hat sich in den letzten Jahren sehr um die Verbreitung Cardosos verdient gemacht; in jedem Konzert werden Werke Cardosos aufgeführt.

30. Mai 2007

Bauen in Weimar

Pause nach angestrengter Arbeit am 3. Mai 2007 (Gartenmauer am Goethehaus).


Foto: Peter Rost

"Les Siciliens"

"Ich will nur noch für Augenblicke leben, in welchen ich das ganze Dasein als Melodie empfinde..."
(Emile Michel Giorau).

Das steht als Motto auf der Internet-Seite der sizilianischen Sängerin Etta Scollo, die am 27. und 28. Mai 2007 im Weimarer Spiegelzelt gastierte. Unsere ursprünglich für Pfingstsonntag bestellten Karten mussten umgetauscht werden, da wir am Sonntag das Konzert des Züricher A Capella-Chors in Jena nicht versäumen wollten (siehe gesonderten Post).

Bereits im vergangenen Jahr begeisterte die zierliche Sizilianerin mit ihrer kraftvollen Stimme das Publikum im Spiegelzelt, auch dieses Jahr war ihr neues Programm ein voller Erfolg - Beifall über Beifall und mehrere Zugaben am Ende und zuletzt nochmals das Eröffnungslied "Les Siciliens".

Etta Scollo studierte nach einem abgebrochenen Kunst- und Architekturstudium am Wiener Konservatorium und tourte anfangs mit Blues- und Jazzmusikern. Erst in den 90er Jahren kehrte sie mit ihrer Musik zu ihren sizilianischen Wurzeln zurück. Mit ihrem Projekt "Canta Ro" - einer Hommage an die populäre sizilianische Sängerin Rosa Balistreri - hatte sie internationalen Erfolg. Ihre Begleitmusiker Frank Wulff und Hinrich Dagebür zeigen ihr Können auf vielfältigen Instrumenten.


Übrigens gastiert Etta Scollo auf ihrer diesjährigen Konzerttournee am 8. September auf Schloss Hardenberg, das Weimarern kein Fremdwort ist: dort residiert unserer früherer Kulturstadtmanager Bernd Kaufmann als Generalbevollmächtigter und Geschäftsführer der 1997 durch den Deutschen Sparkassen- und Giroverband ins Leben gerufenen Stiftung. Wenn man das Programm auf Schloss Hardenberg verfolgt, begreift man, welcher Verlust der Weggang Kaufmanns für Weimar bedeutet.

Sitzordnung im Spiegelzelt

29. Mai 2007

Hannah Höch in Berlin

Heute möchte ich mich wieder einmal meinem eigentlichen Interesse widmen: der Collage. Dazu eine Vorabinformation über einen geplanten Ausstellungsbesuch in Berlin - der Ausstellung "Hannah Höch - Aller Anfang ist DaDa!"
vom 6. April bis 2. Juli 2007 in der Berlinischen Galerie, die ja den Nachlass der Künstlerin betreut und damit auch den größten Anteil an Exponaten stellt. Es werden ca. 160 Arbeiten aus allen Werkperioden präsentiert. Aus dem Ankündigungstext: "Beginnend mit wichtigen Fotomontagen aus der DaDa-Zeit, über die bedeutende, Ausgang der zwanziger Jahre entstandene Serie ´Aus dem ethnografischen Museum´bis hin zu den Pop Art inspirierten Klebearbeiten der 60er Jahre findet die Collage als genuine Ausdrucksform Höchs besondere Berücksichtigung."
Ergänzend werden private Korrespondenz, Fotos und persönliche Notizen dargeboten.

Nun heißt es sich sputen, denn viel Zeit bleibt nicht mehr - nur ca. ein Monat, dann sind die Werke wieder im Archiv verschwunden.

25. Mai 2007

Himmelfahrt 2007

Natürlich lud das herrliche Wanderwetter am Himmelsfahrttag zu einer ausgedehnten Wanderung im Saaletal bei Bad Kösen ein. Mit den Ehepaaren J. und G. zogen wir zu den Saaleburgen Rudelsburg und Saaleck und zu Mittag ins "Himmelreich", einer bekannten Ausflugsgaststätte auf dem gegenüberliegenden Saaleufer hoch oben über dem Fluß. Hier hat man einen schönen Blick auf die Saaleburgen über einem Muschelkalksteilhang und in das Saaletal.

Da Fotos der Burgen in jedem Thüringer Fotoalbum zu finden sind, mal einige nicht so bekannte Motive:
Auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg der Rudelsburg wurden
Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Denkmäler durch Korpsstudenten errichtet:
die Gefallenensäule zu Ehren der im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Corpsstudenten (Pfingsten 1872 geweiht) - das erste studentische Denkmal Deutschlands überhaupt,
der Kaiser-Wilhelm-Obelisk (1890),

das Jung-Bismarck-Denkmal (1895/96) - Bismarck als Corpsstudent - Einweihung des Nachgusses 2006,
und das Löwendenkmal
von dem Berliner Bildhauer Prof. Hermann Hosaes zum Andenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Corpsstudenten (1926).











Alle diese Denkmäler wurden nach der Wiedervereinigung restauriert bzw. neu errichtet.


Im Hof der Rudelsburg war natürlich heftiges Biertrinken mit der entsprechenden Geräuschkulisse angesagt, etwas aufgelockert durch junge Tänzerinnen, die unter entsprechendem Gejohle eine Showtanz-Einlage zur Aufmunterung der Himmelfahrtstrinker lieferten.

Eine tolle Überraschung war die Ankunft von Fahrzeuggespannen mit alten Lanz-Bulldogs, die liebevoll restauriert ihr typisches Glühkopfmotorengetuckere ertönen ließen. Diese von der Firma Heinrich Lanz Aktiengesellschaft in Mannheim Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts gebauten Traktoren waren zu ihrer Zeit ein Riesenerfolg auf Grund ihrer Einfachheit und Robustheit und, weil sie mit Rohöl betrieben werden konnten und weder Ventile, Vergaser noch Getriebe benötigten. Von dem Entwickler des Motors, dem Ingenieur Dr. Fritz Huber stammt der legendär gewordene Satz: "Ein Schlepper kann nicht einzylindrig genug sein."











Also kamen auch die Technik-Freaks an diesem Tag auf ihre Kosten und wir Wanderer natürlich sowieso.





Alle Fotos: P. Rost

18. Mai 2007

Weimar im Mai

Hier als Ergänzung zum Sportevent am Himmelfahrtswochenende in Weimar die Bilder:

Adressenaustausch am Theaterplatz:

Ringen in der Schillerstraße:

Beach Volleyball auf dem Marktplatz:

Schach in der Fußgängerzone:

Tischtennis für Profis:

Weimar am Meer:

In die Höhe am Schloss:


Alle Fotos: Peter Rost

16. Mai 2007

"Move your Body - Stretch your Mind!"

40 Tage nach Ostern feiern die christlichen Kirchen "Christi Himmelfahrt". Das Fest erinnert an die Aufnahme Christi 40 Tage nach seiner Auferstehung in den "Himmel" - gemeint ist der göttliche Herrschaftsbereich (im Englischen sagt man dazu "heaven" im Gegensatz zu "sky"). Seit dem 4. Jahrhundert ist Christi Himmelfahrt als eigenständiges Fest am Donnnerstag nach dem 5. Sonntag nach Ostern nachweisbar. In Deutschland ist Himmelfahrt seit 1937 gesetzlicher Feiertag.

Unrühmlich bekannt ist dieser Feiertag als "feucht-fröhlicher" Männertag mit all seinen Folgen, auch seinen traurigen Rekorden bei Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluß. Im Jahr 2006 wurden an diesem Feiertag bundesweit 383 Unfälle unter Beteiligung mindestens eines Alkoholisierten polizeilich registriert.


Dieses Jahr wird den vorwiegend jugendlichen Männern eine Alternative präsentiert: das dsj-Jugendevent in Weimar vom 16. bis 20. Mai unter dem Motto "Sport, Spaß, Bewegung und gemeinsames Erleben". Das klingt gut und hätte die englische Ergänzung gar nicht gebraucht: "Move your Body . Stretch your Mind."

Na gut - Sport frei!

15. Mai 2007

X-Straße = Ferdinand-Freiligrath-Straße

Bauvorhaben am "Platz Adolf Hitlers" und Ersatzwohnbauten in der "X-Straße"

Noch ein Wort zur Ferdinand-Freiligrath-Straße in Weimar. Diese Bebauung entstand erst in den 30er Jahren als Ersatzwohnungsbau für den Bau des Gauforums Weimar. Mit dem Bau des Gauforums am ehemaligen Carl-August-Platz begann man ganze Stadtteile am Rand der Weimarer Altstadt abzureissen. Der amtierende Stadtbaurat und Beauftragte des Gauleiters für die Baugestaltung im Gau Thüringen, Rudolf Rogler forderte: "Weimar muss mit neuem Impuls gefüllt werden!". Nach den Berechnungen der Architekten fielen den gigantischen Umbaumaßnahmen 150 Häuser mit 445 Wohnungen, 52 Läden und 27 Werkstätten zum Opfer. Als Ersatz sollten u.a. 134 Wohnungen in der jetzigen Ferdinand-Freiligrath-Straße geplant werden.
Während die Bauten am Adolf-Hitler-Platz durch das Büro des Wettbewerbspreisträgers Prof. Hermann Giesler geplant und errichtet wurden, plante der Architekt Willem Bäumer die platzartig aufgeweitete "X-Straße", die heutige Ferdinand-Freiligrath-Straße, die im Kontrast zum streng geschlossenen Ensemble des Gauforums den historisierenden Vorbildern nachempfunden war und statt einer Machtdemonstration "kleinstädtische Gemütlichkeit und behagliche Biedermeierkeit" vermitteln sollte. So entstanden "in wenigen Jahren dicht nebeneinander zwei völlig unterschiedliche Teile der Stadt, die ... so ein exemplarisches Zeugnis der Gleichzeitigkeit verschiedener Bauauffassungen im Nationalsozialismus der Nachwelt erhält." (Werner Durth/Winfried Nerdinger: Architektur und Städtebau der 30er/40er Jahre - Schriftenreihe des Nationalkomitees für Denkmalschutz Bd. 46 - 1993)

Die Bebauung der Straße ist bis heute in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten. Am Rand der Altstadt stellt sie auch in der nun erneuerten Oberflächen- gestaltung eine Idylle dar, bevor sie sich zum "Weimar-Atrium", der mehrmals und nun vorerst endgültig zum Konsumtempel umgebauten "Halle der Volksgemeinschaft", öffnet.

14. Mai 2007

"Wasser - Marsch!"


Weimar ist seit Freitag, dem 11. Mai 2007, um eine kleine Attraktion reicher: Im Rahmen der Oberflächenneugestaltung der Ferdinand-Freiligrath-Straße wurde auf der Freifläche vor der Gaststätte "Zum Siechenbräu" ein Spielbrunnen eingeweiht. Eine Plastik des Bildhauers Walter Sachs stellt eine Figurengruppe dar, die Wasser abgibt und wieder aufnimmt. Die Bewohner der anliegenden Wohnhäuser und vor allem die Kinder nahmen die Figuren mit einem kleinen Straßenfest begeistert in Besitz. Für Planung und Bauleitung der Straßenbaumaßnahme ist unser Planungsbüro WEIMARPLAN zuständig.






Alle Fotos: WEIMARPLAN